Konflikte mit Störchen:Was tun, wenn der Besuch vom Storch zu Problemen führt?
von Julian Prahl
Ein Storch im Garten? Eigentlich ein toller Gast! Doch was ist, wenn er ein Nest baut, damit den Kamin verstopft oder das Auto attackiert? Wer bei Problemen mit Störchen hilft.
Die Zahl der beliebten Störche wächst und mit ihr die Herausforderung: Störche attackieren Autos und Fenster und belagern Schornsteine. Sind sie noch überall willkommen?
12.07.2026 | 43:15 minEs ist ein besonderer Anblick, der sich wieder häufiger bietet: Der Storch ist zurück. Die eleganten Vögel mit ihren langen Beinen und dem markanten roten Schnabel gelten als Glücksbringer und sind ein Symbol für eine intakte Natur. Doch mancherorts haben sie sich zum massiven Problem entwickelt.
Wer einen Storch im eigenen Garten entdeckt, sollte vor allem erstmal ruhig bleiben, Abstand halten, hektische Bewegungen vermeiden und Haustiere fernhalten, um den Storch nicht unnötigem Stress auszusetzen. Sollte das Tier verletzt sein, meldet man das am besten direkt beim örtlichen Storchenbeauftragten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), der Unteren Naturschutzbehörde, der Polizei oder einer Auffangstation.
Störche nicht füttern
"Wer Weißstörche vor der eigenen Haustür entdeckt, sollte sie auf keinen Fall füttern", sagt Bernd Petri, Storchenexperte des NABU Hessen. "Störche brauchen unsere Hilfe nicht." Die Vögel sind an die Nahrungssuche in der Natur angepasst und kommen auch mit niedrigen Temperaturen problemlos zurecht. Eine künstliche Fütterung stört ihr natürliches Verhalten und kann ihrer Gesundheit sogar schaden. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Tiere an den Menschen gewöhnen oder ungeeignetes Futter aufnehmen.
Vogelbeobachtung galt lange als Hobby für eine ältere Generation. Inzwischen entdecken immer mehr junge Menschen das sogenannte Birding für sich - auch als Ausgleich zum digitalen Alltag.
29.04.2026 | 3:16 minWenn Störche auf dem eigenen Dach nisten
Störche bauen ihre Nester bevorzugt auf hohen Gebäuden, ungeschützten Dachfirsten oder Kaminen. Das kann für Hauseigentümer problematisch werden: Bei Kaminen besteht die Gefahr, dass Rauchgase in Wohnräume gelangen und Heizungen oder Öfen nicht mehr betrieben werden können. Dachrinnen können durch Reisig verstopfen, Dächer und Gehwege durch Nistmaterial und Kot verschmutzt werden.
Wer beobachtet, dass Störche an einer ungeeigneten Stelle mit dem Bau eines neuen Nestes beginnen, sollte sofort handeln.
Bernd Petri, Weißstorchexperte, Naturschutzbund Deutschland e. V.
Das Material sollte schnell entfernt und ein Abweiser angebracht werden. Mit fortschreitender Brutsaison wird eine Entfernung rechtlich schwieriger.
In Freising hat sich ein Storchenpaar auf der Marienfigur vor dem Rathaus niedergelassen. Die denkmalgeschützte Säule ist bereits beschädigt, die Stadt baut dem Pärchen ein Alternativ-Nest.
09.04.2026 | 0:59 minStorchennest versetzen kann teuer werden
Umfasst ein Nest mehr als eine Handvoll Äste, sollte die Naturschutzbehörde informiert werden. Hat bereits ein Brutversuch stattgefunden, steht das Nest unter gesetzlichem Schutz und darf nur mit einer Ausnahmegenehmigung entfernt oder umgesetzt werden.
Die Beurteilung, ob die Voraussetzungen vorliegen, um ein Nest zu versetzen, obliegt Experten und den Behörden. Deswegen wird dringend empfohlen, sich rechtzeitig mit der zuständigen Naturschutzbehörde in Verbindung zu setzen. Die Entfernung oder Umsetzung eines Storchennestes bezahlen die Hauseigentümer selbst. Je nach Aufwand kann das bis zu tausend Euro kosten.
Der Weißstorch gehört in Deutschland zu den streng geschützten Arten und genießt damit die höchste nationale Schutzkategorie. Das Fangen, Verletzen oder Töten wild lebender Weißstörche ist grundsätzlich verboten. Auch die Beschädigung oder Zerstörung von Nestern und Gelegen kann mit erheblichen Bußgeldern geahndet werden. Die Höhe der Bußgelder richtet sich nach den jeweiligen Naturschutzgesetzen und Bußgeldkatalogen der Bundesländer und kann in schweren Fällen mehrere zehntausend Euro betragen.
Frühlingsboten inmitten des Schnees: Der wohl erste Weißstorch kehrte im Februar nach Hamburg zurück und baute schon eifrig am Nest.
19.02.2026 | 0:30 minWarum Störche Autos attackieren
Bundesweit wurde beobachtet, dass Störche mit dem Schnabel auf blank geputzte und spiegelnde Oberflächen hacken. Bernd Petri hat allein im Raum Südhessen mehrere Fälle dazu begutachtet: "Störche erkennen nicht, dass es sich um ihr Spiegelbild handelt, sondern halten es für einen Rivalen und greifen an." Der Weißstorch ist ein territoriales Tier, das besonders während der Brutzeit im Frühjahr aggressiv auf Rivalen in seinem Revier reagiert. Eine verdächtige Spiegelung kann reichen, um eine Attacke auszulösen.
Petri empfiehlt, den PKW entweder abzudecken, woanders zu parken oder einfach mal die Autowäsche zu sparen, um Spiegelungen zu vermeiden. Wie viele durch Störche verursachte Schäden es tatsächlich insgesamt pro Jahr gibt, ist unklar, noch werden sie nicht erfasst.
Übernimmt die Versicherung die Lackschäden?
Durch die sogenannten "Spiegelfechter" kann es zu Lackschäden von bis zu 5.000 Euro kommen. Zur Schadensregulierung sagt Christian Ponzel vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.: "Es gibt in der Vollkaskoversicherung keinen Baustein 'Lackschäden durch Störche'. Entsprechende Schäden dürften abgesichert sein, aber es empfiehlt sich, dazu den eigenen Versicherer zu kontaktieren. Und man sollte eine mögliche Abstufung in der Schadenfreiheitsklasse und eine mögliche Selbstbeteiligung einkalkulieren." Besteht keine Vollkaskoversicherung, muss der Schaden vom Fahrzeughalter bezahlt werden.
Kaum ein Tier spaltet die Meinungen so sehr wie die Stadttaube. Doch wie lassen sich Konflikte zwischen Mensch und Taube lösen, ohne den Tierschutz aus dem Blick zu verlieren?
08.06.2026 | 0:55 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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