Erste Landtagswahl für Kanzler Merz:Grüne und CDU gleichauf: Wie sehr zittert die Union?
von Wulf Schmiese
Zwei Tage vor der Wahl in Baden-Württemberg liegen CDU und Grüne gleichauf. Die Bundes-CDU bereitet sich auf den Wahlsonntag vor - so oder so.
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liefern sich CDU und Grüne ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Besonders die Lage der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes dominieren den Wahlkampf.
06.03.2026 | 2:35 minFriedrich Merz sah in Manuel Hagel ein Stück weit sich selbst: "Lieber Manuel, ich möchte, dass, so wie ich der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland bin, du der zehnte Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg wirst."
Das sagte der frisch gewählte Kanzler als Starredner im Mai 2025 in Stuttgart, als Hagel zum Spitzenkandidaten der CDU in Baden-Württemberg gewählt wurde.
Baden-Württemberg wählt: Wer folgt auf Ministerpräsident Kretschmann?
06.03.2026 | 2:16 minWahl schien für CDU ein Selbstläufer zu sein
Eine politische Ewigkeit scheint das her zu sein. Die CDU lag in Umfragen weit vor den Grünen. Damals ging nicht nur der CDU-Vorsitzende Merz davon aus, dass diese Landtagswahl zum Selbstläufer wird. Auch außerhalb der CDU war das keine gewagte These.
Deutschland hatte doch gerade erst die Ampel abgewählt, auch weil die Grünen viele Wähler mit ihrem sogenannten "Heizungsgesetz" enttäuscht hatten.
Nun spielte keine Rolle mehr, dass Deutschlands einziger grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann - ausgerechnet aus Baden-Württemberg - immer wieder den mahnenden Ober-Realo gegeben hatte, um sich von der Ampel abzusetzen.
Grüne ziehen in Umfrage mit CDU gleich
Den Sturzflug der Grünen, so dachte man in fast allen Bundes-Parteizentralen, werde Kretschmann schon deshalb nicht bremsen können, weil er nicht mehr antritt. Und sein Nachfolger Cem Özdemir war ja als Bundeslandwirtschaftsminister Teil der gescheiterten Ampel-Regierung gewesen.
"Baden-Württemberg ist in der Fläche stark, das müssen wir bewahren", sagte Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen, vor der Wahl in Baden-Württemberg.
06.03.2026 | 8:00 minBeste Voraussetzung also für die CDU, nach 15 Jahren wieder den Ministerpräsidenten im Ländle zu stellen, wo einst ganz Große der Unions-Geschichte regierten: Kurt Georg Kiesinger, Lothar Späth, Erwin Teufel, Günther Oettinger.
Doch nun, zwei Tage vor der Wahl, liegen Grüne und CDU im aktuellen ZDF-Politbarometer plötzlich gleichauf.




CDU kritisiert "Schmutzkampagne"
Hagel, mit 37 Jahren annähernd halb so alt wie Merz, war keine bekannte Größe in Berlin. Aber seine bodenständige Schwaben-Vita schien tauglich genug für einen Wahlkampf, der vor der CDU lag "wie ein g'mähtes Wiesle".
Ein schlammiges Schlachtfeld ist daraus geworden. Von den Grünen dazu gemacht, finden sie bei der Bundes-CDU - eine "echte Schmutzkampagne". Initiiert hatte sie die Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe, Zoe Mayer.
Sie hat ein acht Jahre altes Video Hagels ins Netz gestellt, das sofort viral ging. Seitdem steigen die Umfragewerte für die Grünen.
Manuel Hagel äußerte sich 2018 bei einem Stammtischgespräch in einer Gaststätte über einen Schul-Besuch. Acht Jahre später sorgt der Clip für Kritik.
25.02.2026 | 1:02 minCDU schließt mögliche Niederlage nicht mehr aus
Aus der Bundes-CDU kommt öffentliche Gegenwehr nur von Bundesvorstandsmitglied Thomas Strobl: "Das ist eine Kampagne wirklich aus der untersten Schublade", sagte er - jedoch in seiner Funktion als Landesinnenminister und Vize-Regierungschef in Stuttgart.
Von einem "Laschet-Moment" Hagels wird gesprochen, was aber auch bedeutet, die Niederlage nicht mehr auszuschließen. Zum Wahlkampfabschluss an diesem Freitag wirbt der Kanzler in Stuttgart für Hagel. Schließlich ist es die erste Landtagswahl seit der Bundestagswahl.
Auch ein anderes Video von Manuel Hagel in einer Schule sorgt für Kritik. Aussagen zum Treibhauseffekt und sein Ton lösen Spott in den sozialen Medien aus.
06.03.2026 | 0:39 minWarum die Bundes-CDU nicht den Untergang fürchtet
Ein Argument haben die Strategen auf Bundesebene schon jetzt parat für eine mögliche Wahlniederlage: Dann habe es zumindest nicht an der Bundespolitik gelegen.
Sogar den mit Robert Habeck verbundenen sogenannten "Heizungshammer" habe der Bund ja noch rechtzeitig vor der Wahl rückgängig gemacht.
Den Untergang befürchtet aber niemand für die Union. Denn würde sie am Sonntag nur Zweiter, bliebe doch alles, wie es ist: eine grün-schwarze Koalition der Mitte.
Wulf Schmiese ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.
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