Berliner CDU-Chef nach Wahlniederlage:Merz noch der Richtige? Evers kritisiert den Kanzler scharf
Fehlende Empathie und verlorengegangene Glaubwürdigkeit: Der Berliner CDU-Chef Stefan Evers übt nach den Wahlniederlagen seiner Partei deutliche Kritik - auch an Kanzler Merz.
Berlins CDU-Chef Stefan Evers (links) kritisiert Kanzler Friedrich Merz in einem Interview deutlich. (Archivbild)
Quelle: Christian Marquardt / APNach der Niederlagenserie der CDU bei drei Landtagswahlen sieht der Landeschef in Berlin, Stefan Evers, eine gehörige Mitschuld auch bei Kanzler Friedrich Merz. In Gesprächen vor der Wahl an den Haustüren hätten sich viele Menschen extrem frustriert über die Performance der schwarz-roten Bundesregierung geäußert, und es sei dabei "ständig" der Name Merz gefallen, sagte Evers dem "Tagesspiegel".
Der Kanzler und sein Reformkurs schneiden im letzten ZDF-Politbarometer nicht gut ab.
25.09.2026 | 1:37 min"Bezogen auf den Bundeskanzler begann die Vertrauenskrise mit der Diskussion um die Schuldenbremse und der Frage: Warum passiert kurz nach der Wahl das Gegenteil von dem, was Friedrich Merz noch Tage vorher als rote Linie bezeichnet hat?", fragte er.
Enttäuschte Hoffnungen und Erwartungen kosten politische Glaubwürdigkeit und damit auch Vertrauen.
Stefan Evers, Berliner CDU-Chef
Hintergrund: Als Kanzlerkandidat hatte Merz eine Lockerung der Schuldenbremse bis zum Tag der Wahl ausgeschlossen, um danach aber mit den Stimmen von SPD und Grünen das Gegenteil einzuleiten.
Die CDU müsse sich fragen, warum viele Menschen das Gefühl hätten, dass es nicht gerecht zugehe, forderte Evers nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im ZDF.
21.09.2026 | 3:23 min"Fehlende Empathie und Nahbarkeit"
Evers sagte, daneben gebe es noch einen anderen Punkt, der im Wahlkampf spürbar gewesen sei, und zwar "fehlende Empathie und Nahbarkeit". Gerade in schwierigen Zeiten müsse die politische Führung ein positives Zukunftsversprechen vermitteln, fügte er an.
Gefragt, ob Merz noch der Richtige sei als Kanzler, sagte Evers:
Jeder Spitzenpolitiker muss im Sinne der Sache immer wieder bewerten, ob irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem man den eigenen Überzeugungen womöglich mehr im Wege steht, als dass man ihnen nutzt.
Stefan Evers, Berliner CDU-Chef
Auf die Frage, ob der Zeitpunkt gekommen sei, sagte er: "Ich glaube, der Bundeskanzler braucht in dieser Frage keine Ratschläge von mir."
Kanzler Merz will im Amt bleiben, trotz Wahlniederlagen und massiver Kritik an ihm. Aus der CDU heißt es zwar, man wolle jetzt keine Personaldebatten führen - doch parteiintern wächst der Frust.
27.09.2026 | 4:11 minMerz war nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor vier Wochen in der eigenen Partei massiv unter Druck geraten. Am 20. September flog die CDU dann auch noch in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag und wurde in Berlin von der Linken von Platz eins im Parlament verdrängt.
Umfragen: Große Unzufriedenheit mit Merz
Aktuell zeigen alle Umfragen sehr schwache Zustimmungswerte für Merz. Im letzten ZDF-Politbarometer erreichte die Unzufriedenheit mit seiner Arbeit erneut einen Höchstwert: 79 Prozent der Deutschen meinen demnach, der CDU-Vorsitzende mache als Bundeskanzler einen eher schlechten Job, nur noch 17 Prozent sprechen von guten Leistungen.
Mit seinem Koalitionspartner SPD ringt der CDU-Chef zurzeit intensiv um Lösungen unter anderem bei Pflege-, Renten- und Steuerreformen.
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