AWO könnte Kapazitäten verdoppeln:Kommt ein neuer Zivildienst? Die Sozialverbände sind bereit
von Johannes Lieber
Das Familienministerium hat die Sozialverbände gefragt, ob sie einen Zivildienst stemmen könnten. Fast alle sagen: Ja. Dennoch ist die Wiedereinführung aktuell nicht absehbar.
Falls die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, kehrt auch der Zivildienst zurück. Die Bundesregierung trifft nun erste Vorbereitungen.
04.08.2026 | 1:36 minSchule fertig und was jetzt? Früher war das für die Männer klar: Entweder ein paar Monate zur Bundeswehr oder Zivildienst leisten. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht vor über 15 Jahren gibt es auch den Zivildienst nicht mehr - zumindest aktuell. Das Familienministerium unter Karin Prien (CDU) bereitet sich aktuell intensiv auf eine mögliche Rückkehr des Zivildienstes vor, wie eine Sprecherin ZDFheute gegenüber bestätigte.
Ministerium: Ohne Wehrpflicht kein Zivildienst
Dafür hat das Ministerium im vergangenen Winter 23 Verbände angefragt, ob sie im Fall der Einführung einer Wehrpflicht Plätze für die Kriegsdienstverweigerer anbieten könnten. 22 der Verbände gaben laut Ministerium an, "grundsätzlich bereit" zu sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Zivildienst in absehbarer Zeit wieder eingeführt wird.
Solange wir keine allgemeine Wehrpflicht haben, gibt es auch keinen neuen Zivildienst
Bundesfamilienministerium
Sollte die Wehrpflicht aber wieder eingeführt werden, müsse "die Basis für einen modernen Zivildienst vorbereitet sein", heißt es aus dem Ministerium. Was das genau bedeutet, soll im Bundesgesellschaftsdienstegesetz geregelt werden, welches das Ministerium aktuell erarbeitet. Nach der Sommerpause könnte es dazu genauere Informationen geben.
Klar ist nur: Der Zivildienst darf nicht länger sein als der Wehrdienst und er darf nichts mit der Bundeswehr zu tun haben. Das schreibt das Grundgesetz vor.
Bei der Debatte um den neuen Wehrdienst seien junge Menschen nicht angehört worden, kritisiert der Grüne Quentin Gärtner.
06.12.2025 | 5:41 minFreiwillige Alternativen weniger nachgefragt
Statt des Zivildienstes gibt es heute freiwillige Angebote - die aber nur von einem Bruchteil der Jungen in Anspruch genommen werden. Für den Bundesfreiwilligendienst meldeten sich letztes Jahr rund 25.000 Menschen im Alter von unter 27 Jahren an. Zum Vergleich: 2010 wurden knapp 80.000 Menschen zum Zivildienst einberufen.
Einer von ihnen ist Theo Likefett aus Hannover. Der 18-Jährige unterstützt eine Organisation, die mehr Bewegung in den Schulalltag bringen will. Er will so herausfinden, ob das auch "berufsmäßig" was für ihn wäre und seine "sozialen Kompetenzen aufbessern". Er würde es für eine gute Idee halten, den Zivildienst wieder einzuführen.
Ich denke, das ist eine gute Sache, dass man dann zum Beispiel was Soziales macht. Einfach um Erfahrungen zu sammeln nach dem Abi.
Theo, Bundesfreiwilliger
In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Ehrenamtlichen um zwei Millionen gesunken. Schnupperangebote sollen neue Freiwillige gewinnen.
23.05.2026 | 1:27 minDiakonie: Sind bereit "Verantwortung zu übernehmen"
Unter den 23 angefragten Verbänden war auch die Diakonie, der Sozialverband der evangelischen Kirche. Der Verband betreibt unter anderem Krankenhäuser, Pflegeheime und Kindergärten und wäre bereit für einen neuen Zivildienst, so der Präsident auf Anfrage von ZDFheute.
Im Falle einer Wiederaufnahme des Zivildienstes würde die Diakonie Verantwortung übernehmen und in diakonischen Diensten und Angeboten Plätze für den Zivildienst einrichten können.
Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie
Dennoch würde Schuch es begrüßen, wenn die Dienste auch weiterhin freiwillig bleiben würden. "Freiwilligendienste sind ein Motor für die Demokratie. Sie stärken die Zivilgesellschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt", so der Verbandspräsident.
Wer nach der Schule etwas Sinnvolles für Natur und Umwelt tun möchte, kann auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) machen.
16.12.2025 | 4:00 minAWO könnte aktuelle Kapazitäten verdoppeln
Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) wurde vom Familienministerium angefragt. Aktuell bietet der Verband in seinen sozialen Einrichtungen rund 5.000 Plätze für die Freiwilligendienste an. Auf Anfrage von ZDFheute könnte die AWO ihr Angebot "bei vollständiger Kostenübernahme durch den Bund" sogar noch verdoppeln.
Laut einer Sprecherin ist es der AWO aber wichtig, dass nicht einfach der "alte Zivildienst" wieder eingesetzt wird. Der "neue Zivildienst" sollte ein "Gewinn hoch drei" sein. Also gut für die Freiwilligen, die Menschen in den Einrichtungen und die Gesellschaft.
Wichtig wäre der Arbeiterwohlfahrt dafür, dass die neuen Zivildienstleistenden auf einer Ebene mit den Menschen stehen, die einen Freiwilligendienst leisten. Dazu zählt eine gleiche Bezahlung und ähnliche Aufgaben. Außerdem sollten die Zivis auch kostenlos mit Bus und Bahn reisen dürfen, so die AWO-Sprecherin. Dazu befinde man sich aktuell in Gesprächen mit dem Ministerium.
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