Pläne der Gesundheitsministerin:"Schlag ins Gesicht": Kritik an Warkens Pflegereform
Die geplante Pflegereform sorgt für heftige Kritik: In der CSU spricht man von einem "Schlag ins Gesicht", der Städtetag mahnt, der Entwurf dürfe "niemals den Bundestag passieren".
Gesundheitsministerin Warken bekommt für ihre geplante Pflegereform heftige Kritik vom Deutschen Städtetag. Die Pläne seien "ein Schlag ins Gesicht der Kommunen", so Städtetag-Präsident Jung.
05.06.2026 | 0:24 minDie geplante Pflegereform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat noch einen holprigen Weg vor sich. Auf den am Donnerstag bekannt gewordenen Entwurf folgte deutliche Kritik von Verbänden, aber auch vom Koalitionspartner SPD sowie von der CSU.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bezeichnete die Pläne als "Belastungspaket". "Wir lehnen diese Vorschläge ab, weil sie die Pflegebedürftigen und ihre Familien stärker belasten und die Pflegekräfte schlechter stellen", sagte sie dem Portal "Politico".
Schwesig: Pflegereform ist keine Reform
Schwesig halte es für einen schweren Fehler, dass Warken, wie schon bei der Gesundheitsreform, einen nicht mit den Ländern abgestimmten Gesetzentwurf auf den Weg bringe. Sie kritisierte vor allem, dass Heimbewohner und ihre Kinder höhere Lasten tragen sollten.
Eine Pflegereform, die dazu führt, dass Pflege unbezahlbar wird, ist keine Reform.
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat einen Entwurf für eine Pflegereform vorgelegt. Die Maßnahmen sollen das Defizit decken und steigende Beiträge verhindern.
04.06.2026 | 3:02 minAuch die geplante Aussetzung der Kopplung der Pflege an die Zahlung von Tariflöhnen oder tarifgleichen Löhnen sei falsch, sagte Schwesig. "Wir haben das mühsam eingeführt, damit in der Pflege ordentlich bezahlt wird."
Ministerium: 15,4 Milliarden Euro Defizite erwartet
Finanznöte in der Pflege sind inzwischen chronisch geworden, auch nach der jüngsten Beitragsanhebung um 0,2 Punkte Anfang 2025. Laut Gesundheitsministerium wird für 2027 in der Pflegeversicherung ein Defizit von rund 7,6 Milliarden Euro erwartet - ohne Reform würde die jährliche Deckungslücke bis 2028 demnach auf rund 15,4 Milliarden Euro wachsen.
Steigende Pflegekosten werden zu einem ernsthaften Problem – Viele Pflegebedürftige können die Kosten für Pflegeheime nicht leisten, auch Angehörige sind oft finanziell überfordert.
04.06.2026 | 1:54 minVielen Pflegebedürftigen machen außerdem immer weiter steigende Eigenanteile in Heimen zu schaffen. Hintergrund ist, dass die Pflegeversicherung, anders als die gesetzliche Krankenversicherung, nur einen Teil der Leistungen trägt.
Der Reformentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium sieht unter anderem höhere Hürden für die Einstufung in einen Pflegegrad vor, sowie eine langsamere Steigerung der Zuschüsse für Pflegeheimkosten und höhere Beiträge für Kinderlose.
Zudem soll die beitragsfreie Mitversicherung für Ehepartner ohne nennenswertes eigenes Einkommen wegfallen. Für kinderlose Versicherte soll der bereits bestehende Aufschlag auf den allgemeinen Beitragssatz um 0,1 Prozentpunkte auf dann 0,7 Prozentpunkte steigen.
Durch eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze müssen Gutverdiener und deren Arbeitgeber ebenfalls mehr bezahlen. Für Menschen im Pflegeheim sollen die Zuschüsse der Pflegekassen zu den Eigenanteilen langsamer steigen.
Quelle: epd
Pflegerat spricht von reinem Sparprogramm
Der Deutsche Pflegerat kritisiert Warkens Reformentwurf als reines Sparprogramm - vor allem in Hinsicht auf die geplante Absenkung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige.
"Seit Jahren wird die unverzichtbare Leistung von Millionen pflegender Angehöriger politisch beschworen", sagte die Präsidentin des Pflegerats, Christine Vogler, dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".
Nun sollen ausgerechnet diejenigen schlechter gestellt werden, die bereits heute den größten Teil der Versorgung in Deutschland tragen.
Christine Vogler, Deutscher Pflegerat
Gesundheitsministerin Warken hat einen Entwurf für eine Reform in der Pflegeversicherung vorgelegt. ZDF-Korrespondent Daniel Pontzen konnte sich bereits einen Einblick verschaffen.
04.06.2026 | 1:24 minArbeitgeberverband Pflege kritisiert "Raubzug"
Kritik an diesem Punkt kommt auch aus der CSU. Der CSU-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Wer pflegende Angehörige stärken will, darf nicht gleichzeitig Kürzungen ihrer Renten in Kauf nehmen."
Das ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die unser Pflegesystem Tag für Tag am Laufen halten.
Klaus Holetschek, CSU
Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP), Thomas Greiner, sprach gar von einem "Raubzug bei Beitragszahlern, Pflegebedürftigen und Kommunen". Bis zu anderthalb Jahre müssten ältere Menschen aktuell auf einen Pflegeplatz warten, sagte er der "Rheinischen Post". "Und keine der angekündigten Reformmaßnahmen wird daran etwas ändern."
Seit Wochen wird über die Gesundheitsreform diskutiert. Löst sie die Probleme des Gesundheitssystems? Mirko Drotschmann erklärt, worum es geht und welche Leistungen wegfallen.
14.05.2026 | 13:22 minStädtetag: Entwurf muss komplett vom Tisch
Heftige Kritik kam vom Deutschen Städtetag. Präsident Burkhard Jung erklärte, die geplante Reform sei "ein Schlag ins Gesicht der Kommunen". Der Funke-Mediengruppe sagte der SPD-Oberbürgermeister von Leipzig: "Der Entwurf aus dem Gesundheitsministerium entlastet jetzt zwar die gesetzlichen Pflegekassen, bürdet den Kommunen aber noch einmal weitere Milliardenlasten auf."
Dieser Entwurf darf so niemals den Bundestag passieren.
Burkhard Jung, Leipzigs Oberbürgermeister
"Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob dem Bund die katastrophale Finanzlage der Kommunen wirklich bewusst ist", fügte Jung hinzu. "Da hilft auch kein Nachbessern des Entwurfs im Detail, dieser Entwurf muss komplett vom Tisch."
Fast alle gesetzlichen Krankenkassen haben ihre Zusatzbeiträge erhöht. Mehr Geld – aber kaum Verbesserungen in der Versorgung? Wo geht das Geld hin?
30.06.2025 | 20:16 minWarken verteidigt Pläne
Die CDU-Ministerin verteidigte ihre Pläne am Donnerstagabend nochmals: Es sei "ein breiter Ansatz" erforderlich gewesen, sagte sie in den ARD-"Tagesthemen". "Und wenn es einen breiten Ansatz, wenn es viel Veränderung gibt, gibt es da vielleicht auch viel zu kritisieren."
Sie sei sich sicher, dass ein Gesetz vorgelegt wurde, das "nicht nur finanzielle Lücken schließt, sondern auch die Versorgung der Menschen besser machen will", sagte Warken.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur Pflege
Gesundheitsministerin zu Pflegereform:Kürzungen in der Pflege: Warken legt Reformentwurf vor
von Britta Spiekermannmit Video0:24Regierung will Pläne vorstellen:Pflegereform: Grobe Linien, viele Fragezeichen
von Britta Spiekermannmit Video2:25Kostenfallen bei Pflegeleistungen:Dubiose Geschäfte rund um die Pflegeversicherung
von Sybille Schultzmit Video0:50DAK-Studie:Jeder dritte Pflegeheimbewohner benötigt Sozialhilfe
mit Video1:33