Pflege: Opposition und Verbände kritisieren Unausgewogenheit

Reaktion auf Warkens Reformpläne:Pflege: Opposition und Verbände kritisieren Unausgewogenheit

von Jan Henrich und Johannes Lieber

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Gesundheitsministerin Nina Warken legt einen Entwurf für die Pflegereform vor und plant Kürzungen. Sozialverbände, Kassen und Opposition sehen viele Punkte kritisch.

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ZDF-Hauptstadtkorrespondent Daniel Pontzen mit den Details zur Pflegereform.

04.06.2026 | 4:17 min

Die finanzielle Situation der Pflegeversicherung soll stabilisiert werden. Mit diesem Ziel hat Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ihren Entwurf für eine Reform des Pflegesystems ausgearbeitet.

Unter anderem plant sie, den Beitragssatz für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte anzuheben und die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade zu erschweren. Bereits kurz nach Veröffentlichung der Pläne wurde Kritik laut, nicht nur aus der Opposition.

Nina Warken (CDU), Bundesgesundheitsministerin bei einer Sitzung des Bundeskabinetts am 3.6.2026 im Bundeskanzleramt Berlin.

Gesundheitsministerin Warken hat aufgrund der Finanzlücke in der Pflegeversicherung einen Reformentwurf vorgelegt.

04.06.2026 | 0:24 min

GKV-Spitzenverband: Reform notwendig aber unausgewogen

Der Verband der Kranken- und Pflegekassen kritisiert, dass die Reform einseitig zu Lasten der Pflegebedürftigen und Beitragszahler gehen würde. Man habe vor dem Hintergrund der prekären Finanzsituation, in der sich die Pflegeversicherung befindet, grundsätzlich Verständnis für harte Einschnitte.

Im aktuellen Entwurf seien diese allerdings noch unausgewogen verteilt, so Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.

Nina Warken

Nina Warken sieht einen hohen Handlungsbedarf, wie sie sagt.

04.06.2026 | 1:24 min

Neben höheren Zuzahlungen für Heimbewohner kritisiert der Sozialverband Deutschland (SoVD) zudem die geplanten Kürzungen für die Anrechnung von Rentenpunkte bei pflegenden Angehörigen. Das sei die absolut falsche Richtung um Geld zu sparen, so SoVD-Vorsitzende Michaela Engelmeier.

SPD sieht Licht und Schatten

Im Entwurf gebe es durchaus Punkt, die "in die richtige Richtung" gehen, so der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Christos Pantazis. Er lobt unter anderem die vorbeugenden Maßnahmen, durch die weniger Menschen pflegebedürftig werden sollen.

Die "zentrale Frage auf die Finanzkrise der Pflegeversicherung" bleibe der Entwurf aber schuldig, so der SPD-Politiker. Er schlägt erneut vor, auch die private Pflegeversicherung an der Finanzierung der gesetzlichen Patienten zu beteiligen.

Die Stabilisierung der Pflegeversicherung wird nicht gelingen, wenn die strukturellen Lasten weiterhin nahezu ausschließlich von den gesetzlich Versicherten getragen werden.

Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

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Bis Anfang Juli plant die Koalition ein großes Paket zu den Themen Steuern, Arbeit, Pflege, Rente und Bürokratieabbau. Doch bei zentralen Fragen fehlen noch klare Antworten.

27.05.2026 | 2:26 min

Linke und Patientenschützer warnen vor Abrutschen in die Sozialhilfe

Vor sozialen Folgen warnen unter anderem auch die Patientenschützer und Die Linke. Schon heute würden 37 Prozent der Bewohner in Pflegeheimen Sozialhilfe beziehen, so Evelyn Schötz, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag zu ZDFheute.

Jede weitere Belastung würde dazu führen, dass noch mehr Pflegebedürftige in Armut rutschen, was wiederum die Kommunen finanziell auffangen müssten.

Jede und jeder zu Pflegende mit normaler Rente und ohne große Vermögen ist defacto ab dem ersten Tag im Pflegeheim sozialhilfebedürftig.

Evelyn Schötz, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke

Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz mahnte gegenüber dem RND, dass die Sozialhilfequote bei Pflegebedürftigen in der stationären Pflege auf 50 Prozent ansteigen könnte.

 Ein Bewohner sitzt mit seinem Rollator auf einem Flur in einem Pflegeheim.

Pflege ist extrem teuer. Immer weniger Menschen können das finanziell alleine stemmen, häufig muss der Staat Zuschüsse zahlen. Die Kosten explodieren.

17.05.2026 | 4:23 min

Was die AfD an den Plänen kritisiert

Auch die AfD lehnt den vorgelegten Reformentwurf aus dem Gesundheitsministerium ab. Schon heute seien die Bürger in Deutschland durch "Steuern, Abgaben und Sozialbeiträge massiv belastet", so der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Martin Sichert.

Wer nun als Antwort auf die Herausforderungen in der Pflege erneut höhere Beiträge, eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze oder weitere Belastungen für Kinderlose, Gutverdiener und Pflegebedürftige ins Spiel bringt, beweist erneut, dass die Interessen der Bürger in Berlin keine Priorität mehr haben.

Martin Sichert, gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion

Sichert sieht dagegen "Einsparpotentiale in dreistelliger Milliardenhöhe" im Bundeshaushalt, um die Lücken bei der Pflege zu schließen.

Reform Ende Juni im Kabinett?

Von einer "Schieflage" spricht die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann. Die geplanten Einsparungen seien vor allem auf Kosten der Pflegebedüfitgen und deren Angehörigen. Einen Punkt aus dem Entwurf sieht Haßelmann dabei besonders kritisch.

Die Kürzung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige ist ein Schlag ins Gesicht für die Millionen Menschen, gerade Frauen, die zu ganz großem Anteil ihre Angehörigen zu Hause pflegen, stationäre Aufenthalte vermeiden.

Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen

Die Reform soll laut Ministerin Warken vor der Sommerpause ins Bundeskabinett eingebracht werden, ein mögliches Datum dafür ist der 24. Juni. Danach wird sich der Bundestag mit dem Entwurf beschäftigen.

Über dieses Thema berichtete das ZDF Mittagsmagazin ab 12:10 Uhr.

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