Modellprojekt in Bayern:Pflegeheim testet KI: "Man fühlt sich wie in Italien"
von Sophie Burkhart
Neue Technologien verändern die Pflege. Doch welche Rolle werden sie in Zukunft spielen? Ein Pflegeheim bei München hat die Chancen und Grenzen von KI und Robotik getestet.
Im Seniorenheim Curanum bei München wird der Einsatz von KI erprobt. So sollen Pflegekräfte entlastet und für mehr Sicherheit im Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner gesorgt werden.
02.06.2026 | 1:50 minFrüher musste Krankenschwester Josephine Dietrich ihre Beobachtungen bei der Visite auf einen Zettel schreiben und später - wenn sich ein Zeitfenster ergab - mühsam am Computer abtippen. Dank einer KI-basierten Sprachdokumentation geht das jetzt schneller.
Dietrich misst den Blutdruck einer Pflegeheimbewohnerin und spricht die Werte dann in ein Tablet: "Blutdruck von 137 zu 80. Wohlbefinden ist gut." Eine Software transkribiert das gesprochene Wort. Das sei eine enorme Zeitersparnis, sagt Dietrich, die vor allem den Bewohnern im Pflegeheim zugutekomme.
Wie können KI und Roboter unseren Arbeitsalltag wirklich besser machen? Und wie erfinden wir Arbeit so neu, dass Maschinen zu Helfern werden, statt unsere Jobs zu übernehmen?
07.05.2026 | 43:30 minPflegeheim testet verschiedene Technologien
Die Sprachdokumentation ist nur eines von vielen digitalen Tools, die im Haus Curanum in Karlsfeld bei München eingesetzt werden. Das Pflegeheim ist Teil eines einmaligen Modellprojekts.
Über zwei Jahre wurde hier jeden Monat eine neue Technologie getestet, die die Pflegekräfte entlasten soll: Sensoren an der Zimmerdecke, die Alarm schlagen, wenn ein Bewohner stürzt oder um Hilfe ruft. Ein Toilettensitz, der den Puls misst. Oder ein Bett, das Menschen automatisch umlagert.
In der Pflege herrscht Fachkräftemangel. Ein Seniorenheim im Münsterland nutzt nun KI, um die Abläufe zu erleichtern und das Personal zu entlasten.
16.08.2025 | 1:31 minWas sich bewährt hat, ist geblieben. Dadurch konnten Zeitressourcen geschaffen und besser eingesetzt werden.
Mit Blick auf den Pflegenotstand ist das dringend notwendig: Laut dem Statistischen Bundesamt fehlen bis 2049 mindestens 280.000 Pflegekräfte.
Digitalisierung macht Pflegeberuf attraktiver
KI und Robotik als Lösung gegen den Fachkräftemangel? Das funktioniere nur bedingt, sagt Heimleiter Holger Jantsch. Denn die Technologien könnten Pflegekräfte nicht ersetzen, dafür aber den Beruf attraktiver machen.
Gerade für junge Bewerber braucht es in den Einrichtungen Digitalisierung. Wir merken, dass die jungen Leute das erwarten.
Holger Jantsch, Heimleiter Haus Curanum
Oftmals scheitert es jedoch schon an der Grundausstattung. Im Haus Curanum dauerte es ein ganzes Jahr, bis das Heim vollständig mit WLAN ausgestattet war.
Was Digitalisierung angeht hinkt Deutschland hinterher - auch in Gesundheit und Pfelge. Nina Warken (CDU, Bundesgesundheitsministerin) spricht nun über Digitalisierungsstrategien.
11.02.2026 | 17:31 minAußerdem müssten die Pflegekräfte angeleitet und begleitet werden, sagt Jantsch. Das erhöhe die Akzeptanz für die digitalen Innovationen. Zu Beginn habe beispielsweise der Putzroboter bei den Reinigungskräften für Existenzängste gesorgt. Mittlerweile wollen sie ihn nicht mehr missen. Er ist ein unterstützender Kollege, kein Ersatz.
Kosteneinsparungen durch KI und Robotik?
Gefördert wurde das Modellprojekt vom Bayerischen Gesundheitsministerium mit einer Summe von 3,1 Millionen Euro. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen hat das Projekt betreut. Thomas Wittenberg vom Fraunhofer-Institut sagt: Ohne Technologien werde es in der Pflege nicht mehr gehen.
"Aber wir werden durch den Einsatz von KI oder Robotik keine Kosten senken können", erklärt er. Denn was eingespart werde, müsse an anderer Stelle wieder investiert werden, um so den Fachkräftemangel aufzufangen.
Immer häufiger kommt KI in Kliniken zum Einsatz und erleichtert viele Diagnosen. Auf einem Expertenkongress in Potsdam werden die neuen Möglichkeiten diskutiert.
25.03.2026 | 1:38 minAuch Krankenschwester Josephine Dietrich ist davon überzeugt, dass die Technik den Beruf nicht komplett übernehmen könne.
Für die Pflege braucht man Herz und Empathie und die Bewohner brauchen Zuwendung. Das kann ein Roboter nicht bieten.
Josephine Dietrich, Krankenschwester
VR-Brillen und Tablets bei Bewohnern beliebt
Bei den Bewohnern kommt der Mix aus Digitalisierung und persönlicher Begegnung gut an. Besonders beliebt: mit einer VR-Brille verreisen.
In Niedersachsen bekommt ein Pflegeheim kurzzeitig Unterstützung vom Roboter "Ameca". Forschende wollen testen, ob Gespräche mit dem Roboter dabei helfen können, Einsamkeit zu lindern.
20.01.2026 | 1:14 minRenate Schneid und Marianne Scharl unternehmen öfters gemeinsam virtuelle Ausflüge. Zum Beispiel nach Ägypten oder Mailand. "Das bringt mir den ganzen Tag was, das ist so schön", sagt Renate Schneid. Ihre Freundin Marianne Scharl ergänzt:
Man fühlt sich wie in Italien.
Marianne Scharl, Pflegeheim-Bewohnerin
Auch die Aktivitätstische - extra große und drehbare Tablets - sind gefragt. An ihnen können die Bewohner unter anderem Spiele spielen und Karaoke singen und so gleichzeitig ihr Gedächtnis trainieren. Mit den Tablets erreichten sie hier jeden, auch bettlägerige Menschen, sagt Betreuungskraft Eliana de Matos Weyer.
Mehrere Jahre lief das Projekt, jetzt geht es zu Ende. Die Erkenntnisse wurden in einem Handbuch festgehalten, sodass auch andere Pflegeheime davon profitieren können.
Sophie Burkhart ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio in Bayern.
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