Was Pflegekosten mit einem kaputten Dach zu tun haben

Analyse

Pflege wird immer teurer:Was Pflegekosten mit einem kaputten Dach zu tun haben

Britta Spiekermann

von Britta Spiekermann

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Warum ist Pflege in einem Altenheim so teuer? Dass wir alle älter werden, greift zu kurz. Vielmehr zahlt der Pflegebedürftige für Dinge, die mit seiner Pflege nichts zu tun haben.

 Ein Bewohner sitzt mit seinem Rollator auf einem Flur in einem Pflegeheim.

Pflege ist extrem teuer. Immer weniger Menschen können das finanziell alleine stemmen, häufig muss der Staat Zuschüsse zahlen.

17.05.2026 | 4:23 min

Häufig übersteigen die Kosten der Pflege zu Hause und noch mehr die Pflege in einem Altenheim die finanziellen Möglichkeiten von Pflegebedürftigen. Rund 430.000 Menschen nehmen laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2024 jährlich die sogenannte "Hilfe zur Pflege" in Anspruch.

Das heißt, sie müssen als Pflegebedürftige das Sozialamt um Unterstützung bitten. Die Zahl der Antragsteller steigt. Wurden früher für gewöhnlich einmal im Jahr die Preise in Altenheimen angehoben, kann dies jetzt gleich mehrfach im Jahr passieren.

Damit steigt die Angst der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen, es finanziell nicht mehr zu schaffen. Insgesamt gibt es in Deutschland rund sechs Millionen Pflegebedürftige in verschiedenen Pflegegraden.

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Drastische Kostenentwicklung in Pflegeheimen

Ein Pflegeheimplatz kostet in Deutschland im Durchschnitt im höchsten, fünften Pflegegrad rund 5.500 Euro im Monat. Die Kosten variieren von Bundesland zu Bundesland, entwickeln sich aber insgesamt in den vergangenen Jahren stark nach oben.

Zieht man den Anteil ab, den die Pflegeversicherung zahlt, bleibt der sogenannte Eigenanteil, der von den Pflegebedürftigen selbst bezahlt werden muss und der bei rund 3.200 Euro liegt.

Laut Verband der Ersatzkassen ist die Kostenentwicklung drastisch, lag 2020 der durchschnittliche monatliche Eigenanteil doch noch bei rund 2.000 Euro. Dies entspreche einem Preisanstieg von rund 57 Prozent.

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Pflegebedürftige finanzieren Pflegenachwuchs

In einem Heimplatz stecken viele versteckte Kosten - neben der reinen Unterkunft und Verpflegung, die rund 1.000 Euro ausmachen. So finanzieren die Pflegebedürftigen zum Beispiel die Ausbildung des Pflegenachwuchses mit.

Zwar kommt der Staat für den theoretischen Teil an Berufsschulen auf. Die Kosten für die praktische Ausbildung (inklusive Vergütung) tragen aber im Wesentlichen die Pflegebedürftigen.

Einrichtungen und ambulante Dienste dürfen die Kosten, die ihnen durch die Ausbildung entstehen, gegenüber den Pflegebedürftigen und den Pflegekassen abrechnen. Politisch umstritten ist das schon lange. Denn, so Kritiker, die Ausbildung des Nachwuchses zu finanzieren, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht die der Pflegebedürftigen.

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Tarifsteigerungen machen Heimplätze teurer

Kostentreiber sind besonders die Tarifsteigerungen für das Pflegepersonal. Zwar ist es politischer Konsens, dass Personal besser bezahlt wird, das hat aber Folgen für Heimbewohner.

Lohnsteigerungen führen direkt zu höheren Pflegekosten. Verdient das Personal also mehr, wird das meist eins zu eins auf die Heimbewohner umgelegt. 

Hintergrund: Seit 2022 sind stationäre Einrichtungen gesetzlich verpflichtet, Pflegekräfte nach Tarif zu bezahlen. Tarifsteigerungen in der Pflege gelten als die Hauptursache für steigende Kosten in den Pflegeheimen. Dazu kommen gestiegene Lebenshaltungs- und Energiekosten.

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Reparaturen im Heim kommen obendrauf

Und nun zu der Frage, was ein kaputtes Dach mit den Pflegekosten zu tun hat. Es geht um die sogenannten Investitionskosten. Dazu gehören zum Beispiel Ausgaben für die Instandhaltung eines Pflegeheims oder die Modernisierung eines Gebäudes.

Da Pflegekassen diese nicht finanzieren, werden sie auf die Pflegebedürftigen umgelegt. Die Kosten fließen also in den Eigenanteil. Die einzelnen Bundesländer sind zwar gesetzlich verpflichtet, die pflegerische Infrastruktur zu sichern. In der Praxis kommen sie dieser Pflicht jedoch oft nur unzureichend nach.

Leidtragende sind die Heimbewohner, die die Kosten übernehmen müssen, meist mehrere hundert Euro im Monat. Pflegebedürftige zahlen also indirekt auch die Reparatur des Daches.

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Schnelle Entlastung – eine Illusion

Würde man die Ausbildungskosten und die Kosten für Instandhaltung von Altenheimen aus der Rechnung nehmen, könnten Pflegebedürftige schnell entlastet werden. Doch weder Bund, noch Länder, noch Kommunen sehen sich dazu in der Lage, verweisen auf ihre klammen Kassen.

Pflegebedürftige müssen also weiter von steigenden Preisen ausgehen. Auch die sich verzögernde Pflege-Reform wird nach jetzigem Stand nicht entlasten, gibt es doch den Vorschlag, sogenannte Zuschüsse, die Pflegebedürftige seit 2022 zum Eigenanteil dazu bekommen, zeitlich zu strecken. Also faktisch: zu kürzen. 

Britta Spiekermann ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete Berlin direkt am 17.05.2026 ab 19:10 Uhr.

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