Reformpläne der Bundesregierung:Warum die Pflegereform auf sich warten lässt
von Johannes Lieber & Jan Henrich
Die finanzielle Schieflage der Pflegekassen ist groß, die Regierung will gegensteuern. Intern diskutiert sie verschiedene Ideen - einen öffentlichen Entwurf gibt es noch nicht.
Den Pflegekassen fehlen Milliarden. Gesundheitsministerin Warken plant einem Bericht zufolge, dass Kinderlose höhere Beiträge in die Pflegeversicherung zahlen sollen.
26.05.2026 | 0:23 minMit einem beeindruckenden Tempo hat Nina Warken (CDU) vor Kurzem das Sparpaket für die gesetzlichen Kassen durchs Kabinett gebracht. Aber schon bei Warkens nächstem großen Thema - der Pflegereform - wird das Tempo wieder gedrosselt.
Ursprünglich wollte Warken ihre Vorschläge "spätestens Mitte Mai" vorlegen. Bisher wurden aber nur einzelne Vorschläge öffentlich. In der stets gut informierten DAK-Gesundheitskasse geht man mittlerweile davon aus, dass die Reformideen im spätesten Fall erst in einem Monat öffentlich werden.
Pflege ist extrem teuer. Immer weniger Menschen können das finanziell alleine stemmen, häufig muss der Staat Zuschüsse zahlen. Die Kosten explodieren. Ohne Reform droht das System zu kollabieren.
17.05.2026 | 4:23 minGroße Kritik an Plänen wohl Grund für Verschiebung
Grund dafür sollen die massiven finanziellen Probleme des Systems und die große Kritik an den bislang bekannt gewordenen Plänen der Regierung sein, heißt es aus der DAK. Die Kasse soll wegen der verfahrenen Lage einen neuen Anlauf im Herbst ins Spiel gebracht haben.
Gerüchten zufolge plant die Regierung aktuell, es für alle Versicherten schwieriger zu machen, als pflegebedürftig anerkannt zu werden. Auch geringere Zuschüsse für einen Heimplatz werden wohl diskutiert. Zuletzt berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass der Beitrag für kinderlose Versicherte um 0,1 Prozent erhöht werden soll. Im Schnitt wären das netto rund 50 Euro weniger im Jahr.
AfD: Arbeiter nicht zur "Melkkuh" machen
Dass Menschen ohne Kinder einen höheren Beitrag in die Pflegekasse einzahlen, ist schon heute der Fall. Basis dafür sind Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Die Logik dahinter: Wer Kinder großzieht, sorgt für die künftigen Beitragszahler, von denen das Umlagesystem lebt.
Die von Gesundheitsministerin Warken geplanten Einschnitte in der Pflege stoßen auf Kritik. Sie hatte vor höheren Belastungen in der Pflege und einem Milliardendefizit gewarnt.
09.05.2026 | 2:25 minKritik an der möglichen Erhöhung kommt aus der Opposition. Als "kosmetische Maßnahme", die "das Problem der Pflegeversicherung nicht annähernd löst", bezeichnet die pflegepolitische Sprecherin der Linken, Evelyn Schötz, die Idee.
Auch die AfD-Bundestagsfraktion lehnt höhere Beiträge auf ZDFheute-Anfrage ab. "Arbeiter und Angestellte dürfen nicht zur Melkkuh werden, um das jahrelange Regierungsversagen im Gesundheitssektor zu finanzieren", so die AfD-Fraktion.
Der Sozialverband Deutschland erinnert gegenüber ZDFheute zudem daran, dass es Menschen gibt, die ungewollt kinderlos bleiben. Die Bundesregierung sei deshalb "in der konkreten Ausgestaltung zu einem besonders sensiblen und ausgewogenen Vorgehen aufgefordert", so die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
Immer mehr Menschen im Pflegeheim sind auf Sozialhilfe angewiesen. Laut einer DAK-Studie könnte die Belastung ohne eine Reform weiter steigen. Experten warnen vor einem Kollaps im Pflegesystem.
05.03.2026 | 1:33 minMinisterium: Ohne Reform droht Milliarden-Defizit
Trotz aller Kritik: Der Spar-Druck auf die Pflegekassen ist enorm. Das hatte vor Kurzem das Bundesgesundheitsministerium in einer Mitteilung an die Länder erneut aufgezeigt. Bei gleichbleibendem Recht und konstanten Beitragssätzen drohe bis 2030 ein Defizit in Höhe von 17,3 Mrd. Euro, heißt es aus Ministeriumskreisen.
2025 war die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland erstmals auf über sechs Millionen angewachsen, mit weiter steigender Tendenz. Die allgemeinen Beitragssätze zur gesetzlichen Pflegeversicherung sind seit 1995 ebenfalls deutlich gestiegen, von einem Prozent auf aktuell 3,6 Prozent - für Versicherte mit einem Kind.
"Wir werden mit den Kolleg:innen aus dem Ausland die Pflegesituation aufgrund der Demografie nicht bewältigen", so Christine Vogler, Deutscher Pflegerat. Stattdessen müssten Arbeitsbedingungen verbessert werden.
03.02.2026 | 3:54 minSeit Monaten wird über Reformpläne verhandelt
Um die langfristige Finanzierbarkeit der Pflegeversicherung zu gewährleisten, hatten CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag eine umfassende Pflegereform ins Auge gefasst. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe sollte dafür zunächst Vorschläge erarbeiten und hatte im Dezember 2025 ein 48-seitiges Papier mit groben Eckpunkten vorgelegt.
Anders als bei der Finanzkommission Gesundheit blieben die Ergebnisse der Pflegekommission hinter den Erwartungen zurück. "Eine bittere Enttäuschung", sagte damals DAK-Chef Andreas Storm. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einem "nicht befriedigenden Ergebnis".
SPD- und unionsgeführte Länder konnten sich damals nicht auf ausreichend hohe Sparvorschläge einigen. Auch das macht deutlich, wie groß die Aufgabe für Gesundheitsministerin Warken aktuell ist.
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