Pflege: Ministerin kündigt Einschnitte wegen Milliardenloch an

Milliardenloch in den Kassen:Ministerin Warken kündigt Einschnitte bei der Pflege an

|

In den Pflegekassen klafft laut Gesundheitsministerin Warken ein Milliardenloch, sollte es keine Reform geben. Sie kündigte Einschnitte und höhere Beiträge für hohe Einkommen an.

Niedersachsen, Nienburg: Eine Pflegefachkraft geht mit einer Bewohnerin durch ein Seniorenheim

Die Pflege in Deutschland steht vor einem Geldproblem

Quelle: dpa

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat höhere Belastungen für Pflegebedürftige angekündigt. Man werde zwar keinen Pflegegrad streichen, sagte sie der "Rheinischen Post". "Wir werden aber bei der Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 3 auf die wissenschaftliche Empfehlung zurückgehen müssen, die vor deren Einführung erarbeitet wurde."

Damals sei davon abgewichen worden "und hat die Leistungen komfortabler gestaltet für die Betroffenen", sagte Warken.

Dies können wir uns heute, zehn Jahre später, aber schlichtweg nicht mehr leisten.

Nina Warken (CDU), Bundesgesundheitsministerin

Ein Bewohner sitzt in einem Altenheim in seinem Zimmer in einem Rollstuhl.

Immer mehr Menschen im Pflegeheim sind auf Sozialhilfe angewiesen. Laut einer DAK-Studie könnte die Belastung ohne eine Reform weiter steigen.

05.03.2026 | 1:33 min

Warken will mehr Geld von höheren Einkommen

Daneben sei geplant, die Gewährung für Zuschüsse für Heimaufenthalte "zu strecken". Außerdem solle die Beitragsbemessungsgrenze angehoben werden, um höhere Einkommen "etwas stärker" zu belasten.

Die Pflegeversicherung sei "eine Teilleistungsabsicherung und kann nicht für die gesamten Kosten im Pflegefall einspringen", stellte Warken klar. Es müsse klar definiert werden, "was die Pflegeversicherung im Stande ist zu übernehmen".

 Ein Bewohner sitzt mit seinem Rollator auf einem Flur in einem Pflegeheim.

Mehr als jeder dritte Pflegeheimbewohner in Deutschland ist auf Sozialhilfe angewiesen.

05.03.2026 | 1:53 min

Pflege: Milliardenloch in den kommenden Jahren

Warken warnte vor einem riesigen Defizit in den Pflegekassen, sollte es keine Reform geben. Seit Jahren überstiegen die Ausgaben die Einnahmen, es sei aber nichts dagegen unternommen worden. "Das rächt sich jetzt." Das erwartete Defizit für 2027 und 2028 bezifferte Warken auf zusammen genommen 22,5 Milliarden Euro.

Die derzeitige Ausgabenentwicklung gefährdet bereits die Zahlungsfähigkeit der Pflegekassen in diesem Jahr.

Nina Warken (CDU), Bundesgesundheitsministerin

Ausländische Pflegekräfte

Eine Ausbildung in der Pflege ist seit Corona beliebt. Immer mehr Junge bewerben sich. Wieso?

31.03.2026 | 3:02 min

Mehr Menschen mit Anspruch auf Pflege

Außerdem würden immer mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft, was aber nur zu einem kleinen Teil mit der demografischen Entwicklung zu erklären sei, fügte die Ministerin hinzu.

Seit Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs 2017 habe sich die Zahl der Anspruchsberechtigten verdoppelt und sei nun mit über sechs Millionen Menschen "weit höher, als damals prognostiziert wurde", sagte Warken weiter. Es würden mittlerweile auch Gruppen erfasst, von denen das damals niemand gedacht habe, etwa viele Kinder und Jugendliche mit ADHS.

Eine Pflegefachkraft geht mit einer Bewohnerin durch das Seniorenheim «Mein Zuhause Nienburg».

Der Pflegeversicherung fehlt Geld. Viel Geld. Kanzler Merz sagt, Reformen bei der Pflege seien noch schwieriger als bei der Rente. Wie könnte das System stabilisiert werden?

14.12.2025 | 4:06 min

Heftige Kritik von Patientenschützern: "Volksverdummung"

Der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte die Äußerung, dass pflegebedürftige Kinder mitverantwortlich für das Defizit seien. Das sei "Volksverdummung", sagte Brysch der AFP.

"Schließlich sind nur rund zwei Prozent der sechs Millionen hilfsbedürftigen Menschen in dieser Altersgruppe." Warken dürfe die Hilfsbedürftigkeit von Kindern "keinesfalls" bagatellisieren, forderte Brysch. Ein erheblicher Teil der Betroffenen habe durch ernsthafte Beeinträchtigungen Pflegegrad 2 oder 3.

Eine Pflegekraft nimmt im DRK-Pflegezentrum Solferino eine Bewohnerin an der Hand.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, ebenso die Kosten. Neue Zahlen der Ersatzkassen zeigen: Pflegeheime verlangen hohe Eigenanteile.

22.01.2026 | 1:27 min

Altenpflege-Verband fordert "echte Reform"

Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe forderte von Warken "konkrete Lösungen" und eine "echte Pflegereform".

Sie müsse Antworten finden auf die beiden zentralen Herausforderungen, nämlich wie eine generationengerechte Finanzierung der Pflegeversicherung gewährleistet und trotz anhaltenden Fachkräftemangels in der Pflege eine flächendeckende Versorgung sichergestellt werden könne.

Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete heute am 09.05.2026 ab 17:00 Uhr.

Mehr zu Pflege und Gesundheit

  1. Bett in einem Pflegeheim

    Forderungen nach Reform:Mehr als 3.000 Euro - Pflege im Heim wird noch teurer

    mit Video1:31

  2. Ältere Frau im Rollstuhl mit Pflegerin

    Queere Pflegebedürftige:Wie queersensible Pflege und Betreuung gelingen kann

    von Clara Nigratschka
    mit Video5:09

  3. Friedrich Merz und Nina Warken

    Gesetzentwurf verabschiedet:Kabinett beschließt Entwurf zur Krankenkassen-Reform

    mit Video1:38

  4. Ein Schild weist den Weg zu einem Krankenhaus.

    Krankenkassenreform:Was der Milliarden-Sparplan für Krankenhäuser bedeutet

    von Claudia Oberst
    mit Video1:03