Krankenkassenreform:Was der Milliarden-Sparplan für Krankenhäuser bedeutet
von Claudia Oberst
Die Bundesgesundheitsministerin will die gesetzliche Krankenversicherung reformieren und nächstes Jahr Milliarden Euro einsparen. Welche Folgen hat das für die Krankenhäuser?
Gesundheitsministerin Warken hat erste Eckpunkte für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung vorgestellt. Krankenhäuser müssten danach mit höheren Kosten und weniger Leistungsangeboten rechnen.
29.04.2026 | 2:29 min"Dieses Sparpaket bedeutet im nächsten Jahr einen Einnahmerückgang für das Klinikum von fünf bis sechs Millionen Euro", sagt Dr. Christian Braun, Direktor des städtischen Klinikums Saarbrücken, über die Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Das Klinikum auf dem Saarbrücker Winterberg schreibt seit Jahren rote Zahlen. Immer wieder schießt die Stadt Geld zu. Für 2026 rechnet Braun mit einem Defizit von 15 Millionen Euro. Durch die GKV-Reform werde sich die Einnahmesituation nochmal verschärfen, so Braun.
"Wir müssen mehr im ambulanten Bereich abfangen, damit die Kliniken entlastet werden", sagt Dr. Markus Blumenthal-Beier, Hausärztinnen- und Hausärzteverband, "dafür müssen wir aber auch die Mittel bekommen, um das leisten zu können."
28.04.2026 | 4:28 minÄhnlich sieht es Alexander Funk, Geschäftsführer des Caritas Klinikums auf dem Rastpfuhl, nur ein paar Kilometer vom städtischen Klinikum entfernt. Auch das Caritas Klinikum schreibt rote Zahlen, bekommt aber als freigemeinnützige Einrichtung keinen Zuschuss von der Kommune.
Dort hat die Geschäftsleitung deshalb ein Restrukturierungskonzept aufgelegt, um die Finanzierung bis 2030 zu sichern. Letztes Jahr verzichteten die Mitarbeiter dafür sogar auf eine Lohnerhöhung.
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27.04.2026 | 3:53 minGesundheitsministerin will Ausgaben begrenzen
Die beiden Kliniken in Saarbrücken stehen beispielhaft für eine Krankenhauslandschaft, die in Schieflage geraten ist. Laut der Krankenhausstudie 2025 des Beratungsunternehmens Roland Berger sind drei von vier deutschen Kliniken defizitär. Die Krankenhausreform von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), die am 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist, soll die Kliniken auf gesunde finanzielle Füße stellen.
Nun kommt die GKV-Reform von Nina Warken dazu. Im kommenden Jahr sollen mit den Maßnahmen 16,3 Milliarden Euro eingespart werden - das geht aus dem ZDFheute vorliegenden neuen Gesetzentwurf von Ministerin Warken hervor. Ursprünglich war die Gesamtentlastung für 2027 auf 19,6 Milliarden Euro beziffert worden. Der Gesetzentwurf ist bisher nicht geeint zwischen Union und SPD.
Die Klausurtagung der Unionsfraktion ist beendet – ein besonderer Fokus lag dabei auf der Gesundheitsreform. Die Bundesregierung erwägt eine Abgabe auf gesüßte Getränke einzuführen.
28.04.2026 | 0:19 minBei den Krankenhäusern sollen künftig unter anderem die Personalkosten begrenzt und eine Zweitmeinung bei bestimmten planbaren Operationen verpflichtend werden. So will Warken unnötige Operationen und damit Kosten für die Krankenkassen vermeiden.
Für Dr. Martin Albrecht, der am IGES Institut in Berlin den Bereich Gesundheitspolitik leitet, ist die Reform notwendig. "Es geht ja nicht um Kürzungen, es geht darum, dass die Zuwächse begrenzt werden. Das ist erforderlich, damit die GKV sich stabilisiert, damit dann auch wieder Spielräume entstehen können, um Reformen umzusetzen", so Albrecht.
Etwa 75 Millionen Bundesbürger sind gesetzlich krankenversichert. Davon sind rund 59 Millionen beitragszahlende Mitglieder, etwa 16 Millionen sind mitversichert. Den Krankenkassen geht das Geld aus. Und das, obwohl die Beiträge für die Versicherten in den vergangenen Jahren deutlich angehoben wurden.
Lagen die Ausgaben 2020 bei rund 249 Milliarden Euro, stiegen sie zuletzt auf 312 Milliarden. Für das kommende Jahr rechnet eine Expertenkommission der Bundesregierung mit einem Defizit von 15 Milliarden Euro. Für 2030 werden mehr als 40 Milliarden Euro Minus erwartet - wenn es kein Gegensteuern gibt.
Quelle: dpa
Klinikleiter spricht von "Sparhammer"
Für Alexander Funk vom Caritas Klinikum Saarbrücken ist die GKV-Reform ein "Sparhammer", der die Krankenhäuser mitten im Transformationsprozess treffe.
Das bringt Unsicherheit rein und nimmt uns unsere Planungssicherheit.
Alexander Funk, Caritas Klinikum Saarbrücken
Die Finanzlücke in der gesetzlichen Krankenversicherung soll geschlossen werden. "Am Ende muss eine Reform da sein, die sozial gerecht ist", meint Dirk Wiese, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD.
28.04.2026 | 5:44 minChristian Braun vom städtischen Klinikum sagt, dass die Herausforderungen der Krankenhausreform und der Strukturwandel von Warkens Reform nicht berücksichtigt würden. "Das bedeutet für alle Leistungserbringer", so Braun, "dass wir unsere Leistungsangebote auf den Prüfstand stellen müssen. Und zwar auf den Prüfstand der wirtschaftlichen Tragfähigkeit."
Für Patienten bedeute das, dass bestimmte Untersuchungen und Behandlungen weniger häufig angeboten werden könnten, sagt Braun.
Folgen für Patienten
Patienten müssten sich langfristig auf eine stärker konzentrierte Krankenhausversorgung und längere Wege einstellen, sagt Dr. Martin Albrecht. "Bei planbaren Behandlungen ist eine weitere Entfernung akzeptabel, wenn sie mit Qualitätsverbesserungen und einer Reduzierung der Behandlungsrisiken einhergeht, weil die Krankenhäuser dann stärker spezialisiert sind und auch ausreichend personell ausgestattet", so Albrecht. Gerade im ländlichen Raum müsse darüber hinaus eine ausreichende ambulante Versorgung gesichert sein.
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31.03.2026 | 3:44 minAllerdings fehlt es in einigen Regionen schon heute an Hausärzten. Im Saarland hat sich die Zahl der Bereitschaftspraxen in den letzten Jahren halbiert. Wer krank wird und nicht zum Arzt kann, dem bleibt nur eins: die Notaufnahme. Im städtischen Klinikum Saarbrücken haben sie letztes Jahr 54.000 Notfall-Patienten versorgt. 42 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.
Claudia Oberst ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Saarbrücken.
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