TK-Chef zu Warkens Plänen:Sparpaket "richtige Richtung" aber nur "Schnelltherapie"
Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, lobt das Sparpaket der Gesundheitsministerin. Die vielfältige Kritik sei "ein gutes Zeichen". Doch ganz zufrieden ist auch er nicht.
Insgesamt lobt Jens Baas, Chef der gesetzlichen TK-Krankenkasse, das Sparpaket der Bundesgesundheitsministerin. Doch es bedürfe noch weiterer grundlegender Reformen.
14.04.2026 | 6:13 minGesundheitsministerin Nina Warken sorgt für vorsichtigen Optimismus bei der größten deutschen Krankenkasse. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse (TK), sagte im heute journal zu den Reformplänen für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV): "Wir sind erleichtert, dass die Ministerin es zumindest schafft, so ein Sparpaket auf den Weg zu bringen." Das Paket enthalte tatsächlich Sparanteile und nicht nur höhere Kosten für Versicherte.
"Da das Geld ja irgendwo gestrichen wird, müssen eigentlich alle aufschreien und sagen, warum wird bei mir gestrichen: Es muss doch woanders gestrichen werden", kommentierte Baas die Kritik an den geplanten Maßnahmen. Diese Protestwelle sei "ein gutes Zeichen" und zeige, "dass die Ministerin in die richtige Richtung geht".
Gesundheitsministerin Warken kündigt Einschnitte bei Ärzten, Kassen und Pharmaindustrie an – höhere Zuzahlungen sowie Einschnitte bei der Familien-Mitversicherung.
14.04.2026 | 3:14 minJetzt müsse Warken "abliefern", sagte der TK-Chef und kündigte Unterstützung an. "Das ist sehr, sehr schwierig. Das Gesundheitssystem ist ein System, das man ganz schwer ändern kann. Und ich drücke wirklich die Daumen."
Wir werden sie dabei unterstützen, dass sie diese schwierige Reform durchbekommt.
Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse
Baas sieht größeres Sparpotenzial bei der GKV
Doch Baas übte auch Kritik: Zwar habe Warken "zwölf Milliarden Euro auf der Ausgabenseite adressiert, aber auch acht Milliarden Euro, wo sie den Versicherten wieder mehr Geld abnimmt" - etwa bei den höheren Zuzahlungen für Medikamente.
Und diese acht Milliarden ärgern mich natürlich, weil ich glaube, wir haben genug Potenzial, um auf der Ausgabenseite zu sparen.
Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse
Wie können die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabilisiert werden? Großbritannien, Schweiz, Frankreich haben ganz verschiedene Ansätze für die Gesundheit.
31.03.2026 | 3:44 minSparpotenzial sieht Baas "in allen drei großen Sektoren", also bei den Krankenhäusern, den Ärzten und der pharmazeutischen Industrie. Gerade letztere werde in Warkens Plänen "noch ein bisschen zu sehr geschont". Es könne noch mehr gespart werden, auch ohne die Versorgung zu gefährden - etwa bei unnötigen Operationen, Behandlungen und Bürokratie. Überschätzt würden dagegen die Personal- und Verwaltungskosten der Krankenkassen. "Man kann dort sparen. (...) Aber die Größenordnungen sind einfach sehr gering."
TK-Chef: Sparpaket nur "die Schnelltherapie"
Grundsätzlich stellte Baas klar: "Es geht nicht darum, weniger auszugeben. Es geht darum, weniger mehr auszugeben." Die Steigerungsrate solle begrenzt werden. Er mahnte, die Vorhaben der Gesundheitsministerin seien nur "die Schnelltherapie".
Bis zum Ende des Jahres sollen Vorschläge kommen, wie das System grundlegend neu aufgestellt werden kann. Und da müssen wir sehen, was sie sich dann zutraut.
Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse
Das Interview im heute journal führte Christian Sievers. Zusammengefasst hat es Torben Heine.
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