Pflege im Heim wird noch teurer - Forderungen nach Reform

Forderungen nach Reform:Mehr als 3.000 Euro - Pflege im Heim wird noch teurer

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Die Eigenanteile für einen Platz im Pflegeheim sind weiter drastisch gestiegen. Die Gesamtbelastung für Heimbewohner wächst - sowie der Druck auf die schwarz-rote Koalition.

Bett in einem Pflegeheim

Es gibt zwar deutliche regionale Unterschiede, doch in ganz Deutschland ist der Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim gestiegen. Archivbild

Quelle: dpa

Die Pflege im Heim wird immer teurer und teurer. Im ersten Jahr in der Einrichtung müssen Pflegebedürftige im bundesweiten Schnitt nun 3.245 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen mit Stand zum 1. Januar ergab.

Das waren monatlich 137 Euro mehr als zum 1. Juli 2025 und 261 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres. Der Anstieg verschärft den Druck auf die schwarz-rote Koalition, mit einer in diesem Jahr angepeilten Reform Pflegebedürftige insgesamt zu entlasten.

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11.12.2025 | 1:35 min

Kosten für Unterkunft und Verpflegung kommen noch hinzu

In den Summen ist zum einen ein Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn von den Kosten trägt die Pflegeversicherung - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil. Für Bewohnerinnen und Bewohner im Heim kommen dann auch noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie für Investitionen in den Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten hinzu.

Regional gibt es große Unterschiede, wie die der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden neuen Zahlen zeigen. Im Ländervergleich am teuersten war die Pflege im ersten Jahr im Heim zum 1. Januar in Bremen mit durchschnittlich 3.637 Euro im Monat und im Saarland mit 3.601 Euro. Am niedrigsten war die monatliche Belastung im ersten Jahr im Heim nun in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen mit je 2.903 Euro.

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Hauptkostentreiber: Personalausgaben für Pflegekräfte

Hauptkostentreiber sind Personalausgaben für dringend benötigte Pflegekräfte, wie der Verband der Ersatzkassen erläuterte. Zu Buche schlagen sie beim Eigenanteil nur für die reine Pflege: Der rechnerische Ausgangswert nur für diesen Eigenanteil in den Pflegeheimen stieg jetzt im bundesweiten Schnitt auf 1.982 Euro im Monat, das waren 222 Euro mehr als Anfang 2025.

Teurer geworden sind aber auch Unterkunft und Verpflegung. Fällig werden nun im Schnitt 1.046 Euro im Monat und damit 56 Euro mehr als zum 1. Januar 2025. Ausgewertet wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Ländern, wie der Ersatzkassenverband erläuterte. Ihm gehören etwa die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit an.

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Nachhaltige Finanzierung der Pflege angemahnt

Die Vorstandschefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, mahnte eine nachhaltige Finanzierung der Pflege an, die auch Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlaste. Sie müssten heute für Investitions- und Ausbildungskosten aufkommen, die aber Sache des Staates seien. Die Länder müssten dies endlich übernehmen. Dass das Pflegepersonal gut bezahlt werde, sei richtig, sagte Elsner. Es könne aber nicht sein, dass Lohnsteigerungen zum großen Teil den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Es brauche eine "solidarische Lösung".

Warken will grundlegende Reform angehen

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will in den nächsten Monaten eine grundlegende Reform angehen, die auch die Beiträge stabilisieren soll. In diesem Jahr schießt der Bund nochmals 3,2 Milliarden Euro als Darlehen für die Pflegeversicherung zu. Über diverse Vorschläge und Forderungen wird schon länger diskutiert - von mehr Steuergeld über Limits für die Eigenanteile bis zu einem Umbau zu einer Vollversicherung, die alle Pflegekosten trägt. Im Blick stehen auch Vorbeugung und Vorsorge, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

Quelle: dpa, epd
Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin am 22.01.2026 um 5:30 Uhr.

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