Hohe Beteiligung bei Wahlen:Warum gehen gerade so viele Menschen wählen?
von Luisa Billmayer, Moritz Zajonz
Seit der Wiedervereinigung haben selten so viele Menschen gewählt. Was die Wahlbeteiligung über die zunehmende Politisierung der Gesellschaft verrät.
Historischer Wahlabend in Schwerin: Die AfD schiebt sich vor die SPD. CDU und FDP fliegen aus dem Landtag und das BSW kommt gar nicht erst rein.
21.09.2026 | 12:03 minDie Gesellschaft wird politischer: Drei von vier Berliner Wahlberechtigten gingen zur Wahl - 74,2 Prozent, knapp weniger als 2021 und somit der dritthöchste Wert seit der Wiedervereinigung. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Wahlbeteiligung gegenüber 2021 deutlich auf 78,1 Prozent. Sachsen-Anhalt verzeichnete vor zwei Wochen sogar seine höchste Wahlbeteiligung seit 1990.
Seit Ende der Nullerjahre etwa steigt der Anteil der Wahlberechtigten, die zu Landtags- und Bundestagswahlen ihre Stimme abgeben. Das gilt zwar nicht für jedes einzelne Bundesland, aber über alle hinweg betrachtet zeigt der Trend recht deutlich nach oben.
Was eine hohe Wahlbeteiligung für die Demokratie bedeutet
Da Wahlen natürlich ein Kern der Demokratie sind, stärkt eine hohe Wahlbeteiligung auch die Demokratie.
Ansgar Hudde forscht und lehrt zu Sozialpsychologie an der Universität zu Köln
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Gleichzeitig könne dieses Muster aber auch auf problematische Umstände hindeuten, sagt Ansgar Hudde. Einerseits würden viele wählen gehen, "weil sie Mehrheiten der AfD verhindern wollen" und nicht etwa, weil ihnen das Parteienangebot zusagt.
Er vermutet, das könnte früher anders gewesen sein: "Bürgerinnen und Bürger haben weniger die Notwendigkeit gesehen, wählen zu gehen; sie hatten nicht so viel Angst vor dem Ergebnis."
Nichtwählende mobilisiert
Andererseits könne es daran liegen, dass es früher "für bestimmte politische Haltungen kein dafür passendes Parteienangebot gab - rechts der Union etwa".
Ergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen zeigen, dass die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vor allem Menschen aus der Gruppe der Nichtwählenden für sich gewinnen konnte. Bei der Wahl in Berlin zeigt sich das gleiche Phänomen für die Linke.
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