Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt:Der Kanzler verspricht jetzt Emotionen
von Mathis Feldhoff
Es sei ein Ergebnis, das schockiere, Folgen haben werde und demokratische Spielregeln infrage stelle - dramatischer könnten Merz' Worte nach der Wahl in Sachsen-Anhalt kaum sein.
Welche Konsequenzen hat der Wahlausgang für den Kurs der Bundesregierung? Und wie reagieren die Bundesparteien, allen voran die schwarz-roten Koalition auf dieses Wahlergebnis?
07.09.2026 | 4:17 minEs ist ein konzentrierter Kanzler, der sich am Mittag nach der katastrophalen Wahl in Sachsen-Anhalt den Fragen von Journalisten stellt, stellen muss. Das ist nun wahrlich kein Wohlfühltermin für Friedrich Merz (CDU).
Nahezu jede zweite Frage ist mit dem Grundsound verbunden: Wann treten Sie zurück, Herr Merz? Eine Frage, die ihn sonst oft anfasst. Doch von Rücktritt oder Kursänderung will der Kanzler heute nichts hören. Fast zum Ende der Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus sagt er:
Aufgeben ist für mich keine Option.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Zuvor verteidigt er fast 40 Minuten seinen Kurs, die Reformen müssten weitergehen, aber es müsse auch Korrekturen vor allem in der Kommunikation geben. "Es gibt in der CDU keine grundsätzlichen Zweifel an der Richtigkeit dieses Kurses", stellt Friedrich Merz fest.
Der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt könnte Einflüsse auf den Reform-Kurs der Bundesregierung haben. ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann berichtet in Berlin.
07.09.2026 | 1:31 minMerz: Ergebnis in Sachsen-Anhalt "macht was mit uns"
Doch es gibt diejenigen, die die Richtigkeit der Person an der Spitze infrage stellen - nicht offen, aber zwischen den Zeilen. Die berichten, wie angefasst Friedrich Merz oft reagiert, wenn es um ihn persönlich geht, wie wenig resistent er oft ist, wenn intern Kritik geäußert wird, wie oft er Äußerungen zur allgemeinen Unzufriedenheit mit der Berliner Politik nur auf sich bezieht.
Und Friedrich Merz gibt sich zumindest nach außen einsichtig. Dieses Wahlergebnis "macht was mit uns, auch mit mir persönlich", sagt er. Deshalb müsse man versuchen, "ich selbst auch, die Menschen auch in ihrer ganzen Emotionalität zu erreichen". Es ist allerdings derselbe Kanzler, der noch in der letzten Woche eine Ärztin als "Nutznießerin des Gesundheitssystems" bezeichnet hat. Derselbe, der mit seiner "Stadtbild"- Aussage nicht wenige Migranten vor den Kopf gestoßen hat.







Geheime Runde mit den Ministerpräsidenten
Ein Teil dieser offenen Worte musste sich Merz schon am Morgen anhören. Noch vor der regulären Präsidiumssitzung hatte Merz die CDU-Ministerpräsidenten einbestellt. Eine Runde, von der Merz sicher weiß, dass sie nicht dazu neigt, ihm Honig ums Maul zu schmieren - gerade dann nicht, wenn einer der ihren gerade wegen der Stimmung gegen die Berliner Politik eine krachende Wahlniederlage hingelegt hat.
Über eine Stunde lässt Merz für die Runde mit den Landeschefs das CDU-Präsidium warten, dass eigentlich das höchste und wichtigste Gremium der Partei ist. Er wolle hören, wie ihre Einschätzung sei, aber sich wohl auch die Rückdeckung der CDU-Granden sichern, so ist es aus dem Kreis zu hören. Es ist eine verschwiegene Runde, aber einige der Botschaften der mächtigen CDU-Männer konnte man später doch vor Mikrofonen vernehmen.
Laut Umfragen hatte Unzufriedenheit mit der Bundesregierung Einfluss auf die Wahlen in Sachsen-Anhalt. So setzt der Sieg der AfD im Land die schwarz-rote Koalition im Bund enorm unter Druck.
07.09.2026 | 1:57 minSchnieder: Kommunikation "muss anders werden"
Gordon Schnieder, frisch gewählter Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, diktiert noch im Adenauer-Haus vor einem Mikrofon des Südwestrundfunks dem Kanzler ins Stammbuch:
Es gibt einen großen Unmut, wie die Bundesregierung ihre Politik gemalt hat, vor allem wie sie sie kommuniziert hat. Das muss anders werden.
Gordon Schnieder, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
Und Hendrik Wüst, der in Nordrhein-Westfalen nicht nur erfolgreich, sondern zugleich nahezu geräuschlos seit vier Jahren mit den Grünen regiert, ergänzt:
Wir sollten uns jetzt mal den Wählerinnen und Wählern zuwenden und genau zuhören, was diese Menschen uns sagen, was sie wegtreibt von den demokratischen Parteien der Mitte
Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalts Regierungsbildung kann sich schwierig gestalten. ZDF-Korrespondent Andreas Postel berichtet in Magdeburg über den Zeitdruck für alle Beteiligten, eine neue Regierung zu bilden.
07.09.2026 | 0:46 minLetzte Zweifel an Merz bleiben
Ob dieser kommunikative Kurswechsel des Friedrich Merz gelingt? In der CDU-Spitze scheinen sie sich nicht sicher zu sein. Der Drang danach, sich Fragen von Reportern zu stellen, ist heute nicht besonders ausgeprägt. Viele winken einfach nur ab: ein kurzes "Nein" auf die Frage, ob man eine Frage stellen dürfe.
Die CDU versucht sich noch mal zusammenzunehmen, so kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin in 14 Tagen. Man müsse vermeiden, dass man in drei Wochen wieder in "alten Trott" zurückfällt, so ein CDU-Mann. Das drückt vor allem die Sorge aus, dass die Erwartungshaltung an Friedrich Merz jetzt nicht besonders ausgeprägt scheint.
Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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