Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt:Wagenknecht: "Die Einladung gilt auch für die AfD"
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht zeigt sich erneut offen für Gespräche über Regierungsoptionen in Sachsen-Anhalt. Auch mit der AfD will sie reden.
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht will Mehrheiten auch mit der AfD nutzen, betont aber zugleich: Im AfD-Wahlprogramm gebe es „eine Reihe von Positionen, die wir nicht teilen“.
07.09.2026 | 5:05 minBSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat sich erneut offen für Gespräche ihrer Partei mit der AfD in Sachsen-Anhalt gezeigt. Dazu bekräftigte sie im ZDF heute journal den BSW-Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regieren soll:
Wir halten es immer noch für sinnvoll, dass wir mit den Parteien - und die Einladung gilt auch für die AfD - ins Gespräch kommen, für einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der eben über Parteigrenzen hinaus respektiert wird, der auch wirklich für einen politischen Neubeginn steht.
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin
Das Wahlergebnis zeige, "wie abgrundtief unzufrieden die Menschen mit der herrschenden Politik sind". Den Vorschlag des BSW hatte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund jüngst allerdings zurückgewiesen. "Nur weil Herr Siegmund das abgelehnt hat, heißt das ja nicht, dass der Vorschlag falsch ist", sagte Wagenknecht nun. Wie ein geeigneter Kandidat gefunden werden könnte, dem sowohl AfD und BSW als auch die übrigen Parteien im Landtag zustimmen würden, erläuterte sie dagegen nicht.
Claudia Wittig, die Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt, äußerte sich im ZDF spezial zur Frage nach einer möglichen Unterstützung des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durch ihre Partei.
07.09.2026 | 4:13 minWagenknecht: Siegmund hofft auf Überläufer aus CDU
Wagenknecht erklärte zudem, dass Siegmund deutlich gemacht habe, zuerst mit Abgeordneten aus der CDU ins Gespräch kommen zu wollen. "Das steht ihm frei."
Und wenn die CDU ihn wählen möchte oder Mitglieder der CDU ihn wählen möchten, dann wird er sicherlich gewählt.
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin
Damit deutete die BSW-Gründerin an, der AfD-Spitzenkandidat hoffe auf sogenannte Überläufer aus der CDU, die Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen würden, sollte er sich zur Wahl stellen. Dafür fehlen der AfD mindestens drei solcher Stimmen. CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze hatte hingegen betont, er rechne damit, dass das BSW dafür sorge, dass die AfD den nächsten Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt stelle. Aus der CDU gebe es keine Überläufer.
ZDF-Reporterin Luisa Houben geht davon aus, dass das BSW seine Machtposition für sich nutzen wird, um mit der AfD, aber auch mit der CDU, zu sprechen.
07.09.2026 | 6:48 minWagenknecht: Regierungsbeteiligung in Thüringen hat "viel Glaubwürdigkeit gekostet"
Auf die Frage, warum das BSW nicht anstrebt, selbst Regierungsverantwortung zu übernehmen, verwies Wagenknecht auf die Lage in Thüringen. Dort, wo das BSW bis zuletzt gemeinsam mit CDU und SPD in der sogenannten Brombeer-Koalition regiert hat, habe der Regierungseintritt ihre Partei "viel Glaubwürdigkeit gekostet".
Für uns als BSW ist völlig klar, wir werden nicht dafür gewählt, ein Weiter-So an der Seite der Altparteien zu gestalten.
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin
Wagenknecht weiter: "Wir werden und wurden gewählt für einen Neubeginn." Wiederholt kritisierte sie die Wirtschafts-, Renten-, Gesundheits-, Verteidigungs- und Russland-Politik der Bundesregierung. "Wir möchten das verändern. Wo es dort Übereinstimmungen gibt mit anderen Parteien, nutzen wir natürlich diese Möglichkeiten. Da, wo es keine gibt, werden wir uns auch deutlich dagegen stellen."
Natürlich gibt es in dem AfD-Programm eine Reihe von Positionen, die wir nicht teilen. Da wird es auch keine Unterstützung geben, sondern deutlichen Widerstand.
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin
Ihre Einladung aber steht: "Wir machen mit jedem gemeinsame Politik, der bereit ist, Veränderungen durchzusetzen, die sich die Menschen in unserem Land wünschen."
Das Interview im heute journal führte Marietta Slomka. Zusammengefasst wurde es von Torben Heine.
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