W Social - das neue Twitter? Europas Antwort auf "X" am Start

W Social - das neue Twitter?:Europas Antwort auf "X" geht an den Start

Sven Rieken

von Sven Rieken

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Es soll nicht weniger als die digitale Unabhängigkeit von den US Tech-Giganten werden. W Social geht in die Beta-Phase. Mit Ausweiskontrolle und vielen Versprechen.

W-Social: Alternative zu X aus Europa dargestellt

Mit „W Social“ soll eine europäische Alternative zum Kurznachrichtendienst X entstehen. Die Plattform setzt auf Ausweisprüfung, reduziertes Tracking und mehr Einfluss auf Algorithmen.

17.06.2026 | 2:58 min

Im Grunde ist es JD Vance gewesen, der den Start zu Europas digitaler Unabhängigkeit in puncto Nachrichtenplattform gegeben hat. Als der US-Vize-Präsident auf der Münchner Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr von Zensur und fehlender Meinungsfreiheit in Europa sprach, machte es bei Anna Zeiter Klick. Die Ebay-Managerin konnte nicht glauben, was sie da hörte, und wollte sofort ein europäisches Instagram, Snapchat, TikTok und Twitter starten.

Eineinhalb Jahre später hat sie einen Teil dieser Idee online gebracht.

Europa muss aufstehen. Wir müssen digital unabhängiger werden.

Anna Zeiter, CEO von W-Social

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Europäische Microblogging-Plattform

Gemeinsam mit dem schwedischen Unternehmer Ingmar Rentzhog gründete sie "W Social" - eine Microblogging-Plattform, die in Europa programmiert, gehostet und finanziert wird.

Markantester Unterschied zu allen bisherigen Plattformen dieser Art: Jede Nutzerin, jeder Nutzer muss sich mit Personalausweis oder Reisepass verifizieren und ein Selfie erstellen. Die Daten werden danach gelöscht. Was bleibt, ist ein verschlüsselter Token, der verhindert, dass jemand mehrere Accounts anlegt.

Man muss sich das vorstellen wie einen Eintrittscheck im Nachtclub. Einmal Ausweis zeigen und belegen wer man ist, und dass man Ü18 ist.

Anna Zeiter, CEO von W-Social

Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirms mit verschiedenen App-Symbolen, darunter Google, YouTube, WhatsApp, Maps, PayPal, Amazon, TikTok und ChatGPT. Die Icons sind in einem Raster angeordnet, einige mit Benachrichtigungsanzeigen. Das Bild steht sinnbildlich für die starke Präsenz großer Digitalkonzerne im Alltag.

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Es bleibt nur der Token, keine anderen Daten. Wer möchte oder muss, kann ab da anonym unter einem Pseudonym posten. Behörden könnten die Identität eines Nutzers nicht rückverfolgen - die Daten existieren schlicht nicht. Dissidenten und politisch Verfolgte bekommen eine Plattform.

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Bot-Farmen sollen außen vor bleiben

Kerstin von Kleinen Königslow, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Hamburg, hält den Ansatz grundsätzlich für sinnvoll. Anonymität sei gerade für Minderheiten wichtig, weil diese sonst schnell zum Ziel von Hetzkampagnen werden könnten. Die Ausweispflicht könne Bot-Farmen zumindest bremsen.

Thomas Fuchs, Hamburgs Beauftragter für Datenschutz und ehemaliger Leiter der Medienanstalt Hamburg-Schleswig-Holstein, begrüßt das Projekt: Europäische Server, weniger Profilbildung, kein Targeting für Werbezwecke, mehr Einfluss auf den Algorithmus. "Alles, was europäische Souveränität stärkt, ist gut für die digitale Zukunft." Entscheidend sei aber die Interoperabilität - ob Nutzer verschiedener Plattformen miteinander kommunizieren können, ohne überall Mitglied zu sein.

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Interoperabilität sichert viele Nutzer

W Social basiert auf dem AT-Protokoll, das auch Bluesky nutzt. Damit können Nutzer Profile und Inhalte zwischen kompatiblen Plattformen übertragen. In diesem Netzwerk gibt es bereits über 40 Millionen Accounts weltweit - ein Vorteil gegenüber dem Start bei null.

Finanziert wird die Plattform durch rund 80 private Investoren aus Europa. Staatliche EU-Gelder gibt es nicht. Werbung soll frühestens 2028 kommen. Zusätzlich plant W Social ein Micropayment-Modell, das Nutzern ermöglicht, einzelne Artikel für einen kleinen Betrag zu kaufen - als Alternative zu teuren Jahresabonnements.

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Die öffentliche Beta-Version startet jetzt. Noch müssen sich Nutzer per Mail bewerben. Die Einladung soll aber zeitnah kommen, so Anna Zeiter. Die volle Version soll im Januar 2027 online gehen.

Ob W Social die kritische Masse erreicht, die ein soziales Netzwerk braucht, ist offen. "Die Netzwerke funktionieren erst, wenn ausreichend Leute da sind - und vor allem die, die mich interessieren", sagt von Kleinen Königslow. Wenigstens eines ist sicher: Die Nachfrage ist groß. Auf der Warteliste stehen bereits 50.000 Interessierte aus 180 Ländern.

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"W" steht vor "X"

Dass das Netzwerk "W" heißt, ist natürlich kein Zufall. "W steht im Alphabet vor X", erläutert CEO Zeiter mit einem Lächeln. Außerdem bestehe der Buchstabe aus zwei Vs. Das, so die ehemalige Ebay-Managerin, stünde für die Prinzipien von W "Values" und "Verify". Werte und Überprüfung. Nur geprüfte Nutzer sollen das Netzwerk mit wertvollen Inhalten füttern.

Eine mögliche Übernahme durch die US-Tech-Firmen ist übrigens ausgeschlossen. "W" darf laut Satzung nur Geld von europäischen Firmen annehmen. Auch das ist ein neuer, europäischer Ansatz.

Sven Rieken ist Korrespondent im ZDF-Studio in Hamburg.

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Über das Thema berichtete die ZDF-Sendung Volle Kanne am 17.06.2026 ab 9:00 Uhr
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