SPD, Grüne und Linke verlassen Plattform:Lauterbach kritisiert X-Abschied: "Kann kein Vorteil sein"
von Johannes Lieber
Obwohl SPD, Grüne und Linke gemeinsam entschieden haben, den Twitter-Nachfolger X zu verlassen, bleiben einige Politiker der Parteien dort aktiv. Darunter: Karl Lauterbach.
Grüne, SPD und Linke ziehen sich gemeinsam von X zurück. Sie kritisieren Desinformation und mangelnden Austausch. Die Accounts sollen nicht gelöscht, sondern deaktiviert werden.
04.05.2026 | 0:24 minDie Entscheidung von Grünen, SPD und Linken, die Plattform X zu verlassen, sorgt für Kritik in den eigenen Reihen. "Die komplette politische Übernahme dieses Forums durch Rechte und Populisten kann kein Vorteil sein", sagte Karl Lauterbach auf ZDFheute-Anfrage.
X bleibt ein wichtiges Nachrichten- und Politikmedium mit großer internationaler Bedeutung. Ein gleichwertiger Ersatz ist noch nicht erkennbar.
Karl Lauterbach (SPD), ehemaliger Bundesgesundheitsminister
Lauterbach zählt zusammen mit AfD-Chefin Alice Weidel auf X zu den erfolgreichsten deutschen Politikern. Beide haben rund 1,2 Millionen Follower. Besonders durch seine regelmäßigen Postings während der Corona-Pandemie wuchs Lauterbachs Followerschaft stark an. Wohl auch diese Prominenz trug ihn dann ins Ampel-Kabinett. Klar, dass er dieses Sprachrohr nicht aufgeben möchte.
Vor zwanzig Jahren ging der Kurznachrichtendienst Twitter an den Start. Mittlerweile zu X geworden, hat die Plattform noch immer einen großen Einfluss.
21.03.2026 | 1:45 minSPD verlässt X: "Im Chaos versunken"
Anders sieht das unter anderem seine eigene Partei. Am Sonntag hatte die SPD in einem gemeinsamen Statement mit Grünen und Linken angekündigt, X nicht mehr zu "bespielen".
X-Posting der SPD
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Auch Lang und Pellmann wollen bleiben
Neben Lauterbach haben sich auch andere namhafte Abgeordnete der drei Parteien gegen den X-Verzicht ausgesprochen. So kündigte die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang an, zu bleiben - ebenso ihr Fraktionskollege und Gesundheitsexperte Janosch Dahmen. "Demokratische Öffentlichkeit verteidigt man nicht durch Rückzug, sondern durch Präsenz", sagte Dahmen dem Nachrichtenmagazin Politico.
Bemerkenswert ist auch die Position von Sören Pellmann, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag.
Wenn jetzt alle links-progressiv Denkenden gehen, überlassen wir diese Plattform kampflos den Lautesten, den Hassenden und den Rechtsaußen. Genau das darf nicht passieren.
Sören Pellmann, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag
Er rief alle, die für "Vielfalt, Respekt und eine offene Gesellschaft stehen", auf, im Onlinedienst X zu bleiben - während seine eigene Fraktion genau das Gegenteil macht.
Nach einem Skandal um sexualisierte KI-Bilder von Elon Musks Chatbot Grok leitete die EU-Kommission ein Verfahren gegen X ein.
27.01.2026 | 2:03 minDigitalexperte: "Längst überfälliger Schritt"
Rückendeckung erhalten die Parteien vom Digitalexperten Markus Beckedahl. X zu verlassen, sei ein "längst überfälliger Schritt", so Beckedahl auf ZDFheute-Anfrage.
Jeder Tweet stärkt die Relevanz von Elon Musk - eine Person, die öffentlich unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat in Frage stellt.
Markus Beckedahl, Digitalexperte
Ein konstruktiver Austausch sei - im Vergleich zu Twitter früher - auf X heute nicht mehr möglich. Weder technisch noch sozial, so der Experte. Seit der Übernahme der Plattform durch US-Techmilliardär Elon Musk sind laut Beckedahl "polarisierende Stimmen auf der Überholspur". Konstruktive Meinungen würden stattdessen auf "Trampelpfade" verbannt.
Beckedahl vermutet dahinter zum einen, dass die Interaktionen künstlich in die Höhe getrieben werden sollen. Kontroverse Posts funktionieren auf Social Media in der Regel besser, da sie sowohl positive als auch negative Reaktionen auslösen.
Aber auch "ideologische Gründe" vermutet Beckedahl. Schließlich ist Musk nicht nur der reichste Mensch der Welt, er unterstützte auch US-Präsident Donald Trump in dessen Wahlkampf, ebenso wie die AfD in Deutschland.
Nach Vorwürfen über gefälschte Nacktbilder will Musks KI-Firma die Funktion in Ländern mit entsprechenden Verboten sperren – besonders wegen des Missbrauchs mit Bildern von Frauen und Kindern.
15.01.2026 | 0:23 minAlternativen zu X bleiben Randerscheinungen
Auch wenn Twitter und später X in Deutschland nie mit den Nutzerzahlen von Facebook, Instagram und YouTube mithalten konnten, war und ist das Netzwerk besonders in der Politik durchaus relevant. Laut Beckedahl bildete Twitter früher die globale "medial-politische Bubble" ab.
Heute sind dort Politiker aktiv, weil sie denken, dass Journalisten sie sonst nicht wahrnehmen. Journalisten bleiben dort noch aktiv, weil sie sonst Politiker-Aussagen verpassen.
Markus Beckedahl, Digitalexperte
Anders als Lauterbach sieht Beckedahl mit Plattformen wie Bluesky und Mastodon durchaus Alternativen zu X. Gemessen an den Nutzerzahlen sind sie aber bisher nur Randerscheinungen: Laut der ARD/ZDF-Medienstudie 2025 nutzen drei Prozent der Deutschen mindestens einmal die Woche Bluesky. Bei Mastodon sind es sogar nur zwei Prozent.
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