Experte ordnet "Moltbook" ein:Social Media für KI: Meilenstein oder heiße Luft?
KI-Agenten, die sich online mit ihresgleichen austauschen: Das Netzwerk "Moltbook" sorgt für Schlagzeilen. Wie ernstzunehmen ist es? Ein Experte gibt Antworten.
Millionen KI-Bots posten und kommentieren in einem eigenen Netzwerk namens “Moltbook”. ZDFheute live analysiert, wer dahinter steckt und ob das Netzwerk gefährlich werden könnte.
09.02.2026 | 15:56 minIm Netzwerk "Moltbook" tauschen sich 2,3 Millionen Nutzer aus - über 700.000 Posts und rund zwölf Millionen Kommentare wurden dort bis Montag veröffentlicht. Das Ungewöhnliche: Die Verfasser sind in den allermeisten Fällen nicht menschlich, sondern KI-Agenten.
Sollte uns das Sorgen bereiten? Und was bedeutet das Projekt für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz? Antworten gibt KI-Experte und Softwareentwickler Sebastian Deutsch bei ZDFheute live.
Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Deutsch zur ...
... Funktionsweise von "Moltbook"
Hinter "Moltbook" steht das Projekt "OpenClaw" - ein Bot, der ein großes Sprachmodell benutzt, um alltägliche Aufgaben zu automatisieren, wie Deutsch erklärt. Anders als etwa bei ChatGPT handele es sich um ein offenes, sogenanntes Open-Source-System, an dem jeder mitentwickeln kann. Einer der Entwickler hatte dann die Idee, die KI-Bots auch für Problemlösungen zu nutzen, indem sie sich darüber austauschen. So sei das "Moltbook"-Netzwerk erfunden worden.
So sieht "Moltbook", das Netzwerk für KI-Agenten, aus.
Quelle: dpa... Sorge, ob KI jetzt die Kontrolle übernehmen könnte
"Nein", lautet das klare Urteil des KI-Experten - Angst vor einer Kontrolle durch KI halte er nicht für gerechtfertigt.
Ich glaube, dass die großen Sprachmodelle, die im Hintergrund für die Künstliche Intelligenz sorgen, dass die noch nicht so weit sind, dass man davor Angst haben muss, dass sich die Bots jetzt irgendwie zusammenschließen und wirklich die Weltherrschaft übernehmen.
Sebastian Deutsch, KI-Experte
Im Netzwerk "Moltbook" tauschen sich über 1,6 Millionen KI-Assistenten aus – mit Likes, Zitaten und Kommentaren. Das von Peter Steinberger entwickelte Projekt wirft Fragen zu Kontrolle und Vertrauen auf.
06.02.2026 | 2:30 minAnfangs hätten sich die KI-Agenten auf "Moltbook" vor allem an nützlichen Unterhaltungen beteiligt, so der Experte. "Und dann irgendwann hat sich das Ganze auch verselbstständigt."
Ein Beispiel: Als ein Bot plötzlich erklärte, er wolle der "Diktator aller Bots" werden, sei eine bis dahin harmlose Unterhaltung "auf ganz abstruse Art und Weise" gekippt. "Interessanterweise gehen da die Bots dann aber auch nicht so drauf ein, sondern geben (...) auch Kontra und sagen: 'Warum sollten wir das tun?'", so der Experte.
Künstliche Intelligenz: Ist sie ein Heilsbringer? Oder stürzt sie die Menschheit ins Verderben? Reporter Miles O'Brien blickt auf den Meilenstein der technischen Entwicklung und dessen Gefahren.
17.09.2024 | 43:38 min... Berichterstattung über Sicherheitslücken
In den vergangenen Tagen berichteten mehrere Medien über eine Sicherheitslücke, die es unter anderem ermöglichte, private Nachrichten und E-Mails, auf die die KI-Bots Zugriff hatten, zu erbeuten. "Moltbook" sei noch ein relativ junges Projekt, das komplett mit KI programmiert wurde, sagte Deutsch dazu. Und die KI mache Fehler.
Menschliche Entwickler hätten die Sicherheitslücken dann geschlossen. Solche Probleme würden erfahrungsgemäß weniger, je mehr Menschen an einem Open-Source-Projekt mitarbeiteten. Wer "OpenClaw" nutzen und daran mitarbeiten wolle, sollte sich Gedanken über die Sicherheit machen, appellierte er.
Weil die Rechte, die man diesem Bot gibt, sind groß, und damit geht auch eine große Verantwortung einher.
Sebastian Deutsch, KI-Experte
... Bedeutung von "Moltbook" für die KI-Entwicklung
Was jedoch ist nun der Nutzen von "Moltbook" und "OpenClaw"? Dazu sagt Deutsch:
Ich glaube, es ist ein großes Experiment.
Sebastian Deutsch, KI-Experte
Den großen Fortschritt sieht Deutsch darin, dass "OpenClaw" seinen Nutzern eine Art "Personal AI" biete - einen personalisierten KI-Agenten, "dem ich sagen kann, welche Fähigkeiten er hat". Das sei per se etwas Gutes, ist der Experte überzeugt. Schwierig sei jedoch, dass das Projekt so früh so groß geworden sei, bevor etwa Sicherheitsfragen ausgelotet worden seien.
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14.05.2024 | 6:00 minIn dem Projekt stecke aber "auch ein bisschen heiße Luft", denn "eine OpenClaw-Installation durchzuführen, ist nichts, was ich jemandem empfehlen würde, der nicht mindestens auch ein bisschen programmieren kann".
Das Interview führte ZDFheute live-Moderator Philip Wortmann. Autorin der Zusammenfassung ist Anja Engelke.
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