Streit um KI-Stimmen:Warum Synchronsprecher gegen Netflix protestieren
von Merit Tschurer und Sara Lazarska
Netflix will bei der Synchronisation von Filmen mehr auf Künstliche Intelligenz setzen. Dagegen protestieren deutsche Synchronsprecher. Einer von ihnen erklärt, was sie antreibt.
Viele deutsche Synchronsprecher boykottieren Netflix wegen einer KI-Klausel in neuen Verträgen. ZDFheute live erklärt, worum es im Streit geht – und was auf dem Spiel steht.
08.02.2026 | 9:00 minEs geht ihnen um mehr als allein ihren Beruf: Für viele deutsche Synchronsprecherinnen und -sprecher steht nicht nur ihr Job auf dem Spiel. Sie sehen die gesamte Synchronisationskultur in Gefahr.
Der Streamingriese Netflix will in Zukunft auf Künstliche Intelligenz setzen. So sollen Sprachaufnahmen genutzt werden, um damit KI zu trainieren.
Die angestrebten Innovationen würden nicht nur den Berufsalltag der Sprecher, sondern womöglich auch das Filmerlebnis der Zuschauer verändern, sagt Synchronsprecher Patrick Winczewski im Interview mit ZDFheute live. Er ist die deutsche Stimme von Hollywood-Stars wie Tom Cruise oder Hugh Grant und fürchtet um seinen Job.
Sehen Sie das ganze Interview hier oder lesen Sie es unten in Auszügen. Das sagt Synchronsprecher Patrick Winczewski zu der Frage, ...
… warum Synchronsprecher die Zusammenarbeit mit Netflix verweigern
Im Streit mit Netflix geht es vor allem um Urheber- und Persönlichkeitsrechte. Die von dem Streaminganbieter geforderten Abtretungen könne man so nicht hinnehmen, kritisiert Winczewski. Seine Befürchtung: Die mit den Stimmen von Synchronsprechern gefütterte KI könnte schlussendlich die Aufgaben der Sprecher übernehmen. Insgesamt seien mehr als 2.500 Sprecherinnen und Sprecher betroffen.
Wir wollen dafür erstens vergütet werden und zweitens überhaupt die Wahl haben, ob wir das machen wollen oder nicht.
Patrick Winczewski, Synchronsprecher
Aktuell handele Netflix nach dem Motto: Entweder du unterschreibst oder du arbeitest nicht für uns, so Winczweski. Man befinde sich in einem Prozess und hoffe, wieder mit Netflix ins Gespräch zu kommen. Die Synchronsprecher hätten ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zu prüfen, welche Rechtswege ihnen offenstehen, erklärt Winczewski.
Namhafte deutsche Synchronstimmen fürchten um ihre Zukunft: Sie warnen vor der Bedrohung ihrer Branche durch Künstliche Intelligenz (KI) und fordern eine umfassende Regulierung.
27.04.2025 | 2:55 min… was die Arbeit der Synchronsprecher so besonders macht
Anders als in vielen anderen Ländern gebe es in Deutschland eine "riesen Fanbase" und eine Art Synchronisations-Kultur, die seit dem Zweiten Weltkrieg über die Jahre gewachsen sei. Das gelte es zu erhalten, so Winczewski.
Die Synchronisation hat eine gewisse Authentizität und Lebendigkeit.
Patrick Winczewski, Synchronsprecher
Die einzigartigen Noten, die durch die Synchronisation entstehen, seien bislang nicht mit einer KI nachzuahmen. "Wenn Sie sich heute mal eine synthetisch erzeugte Stimme ansehen (…), dann werden Sie die Beobachtung machen, dass das immer ein bisschen mechanisch klingt", so Winczewski. Der unmittelbare Transfer von Mensch zu Mensch gehe durch künstlich generierte Stimmen verloren.
Künstliche Intelligenz stellt die Arbeitswelt auf den Kopf. Experten schätzen, dass rund 800.000 Jobs wegfallen könnten, jedoch auch ähnlich viele neue entstehen.
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… wie eine Zukunft mit KI in der Synchronbranche aussehen kann
Man strebe eine konstruktive Partnerschaft mit Netflix an. Dafür müssten vor allem die notwendigen Lizenzfragen geklärt werden. Denn den Sprecherinnen und Sprechern gehe es neben Urheber- und Persönlichkeitsrechten darum, wie KI künftig sinnvoll und ergänzend in der Filmbranche genutzt werden kann, erklärt Winczewski.
Es ist ganz wichtig zu wissen, dass wir hier kein KI-Bashing betreiben. Das ist Quatsch!
Patrick Winczewski, Synchronsprecher
Das Rad der Zeit könne und wolle man nicht zurückziehen, stellt er klar. So biete die KI viele Möglichkeiten, "die nützlich sein können bei der Entwicklung von neuen Formaten". Es sei klar, dass sich die ganze Branche verschlanken würde. Wo und wie KI in der Sprecherbranche künftig zum Einsatz kommt, sei aber auch "sicherlich eine wirtschaftliche Frage, ob sich das lohnt zu synchronisieren".
Das Interview führte Jessica Zahedi bei ZDFheute live. Zusammengefasst haben es die ZDF-Redakteurinnen Merit Tschurer und Sara Lazarska.
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