Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels:Recht auf Teilzeit einschränken: Scharfe Kritik an Vorstoß
Weniger Recht auf Teilzeit - das fordert der Wirtschaftsflügel der CDU in einem Parteitags-Antrag. Harsche Kritik daran kommt nicht nur aus der SPD, sondern aus der eigenen Partei.
Der CDU-Wirtschaftsflügel will den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abschaffen – wegen des Fachkräftemangels. Der Vorstoß stößt auf heftige Kritik, auch in den eigenen Reihen.
25.01.2026 | 1:38 minDer Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Das geht aus einem Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion an den CDU-Bundesparteitag im Februar hervor. Er liegt auch ZDFheute vor. Der Antrag trägt den Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit".
Es soll ihn nur noch geben, wenn besondere Gründe vorliegen. Was für den Wirtschaftsflügel nicht zum "Lifestyle" gehört:
- Erziehung von Kindern
- Pflege von Angehörigen
- berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung
Der Antrag sieht auch vor, dass Teilzeitkräfte nur noch bei Vorliegen besonderer Gründe Sozialleistungen wie Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld erhalten können.
Die Solidargemeinschaft darf nicht die Work-Life-Balance von Aufstockern finanzieren.
Wirtschaftsunion im Parteitags-Antrag
Teilzeit: Was gilt bisher?
Der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit erlaubt es Arbeitnehmern unter bestimmten Voraussetzungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren.
Bei vorübergehender Teilzeit kehren sie anschließend automatisch zur vorherigen Stundenzahl zurück. Arbeitgeber können den Antrag nur aus gewichtigen betrieblichen Gründen ablehnen.
Warum will der Wirtschaftsflügel Teilzeit einschränken?
Die CDU-Wirtschaftsunion begründet ihren Antrag damit, dass die Teilzeitquote in Deutschland einen Rekord erreicht habe. "Gleichzeitig herrscht in der gesamten Wirtschaft Fachkräftemangel."
Die Teilzeitquote in Deutschland lag 2025 mit rund 40 Prozent auf Rekordniveau. Das führte nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aber nicht dazu, dass das Arbeitsvolumen insgesamt gesunken ist. Denn Teilzeitbeschäftigte arbeiten heute mehr Stunden als in früheren Jahren, zuletzt im Durchschnitt gut 18 Wochenstunden.
Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts arbeitet fast jede zweite Frau und nur jeder achte Mann in Teilzeit. ZDF-Börsenexperte Florian Neuhann zu den Hintergründen.
19.05.2025 | 1:01 minÖkonom fürchtet Schaden für Wirtschaft
Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, warnte in der "Rheinischen Post":
Eine Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit würde vielen Unternehmen und der deutschen Wirtschaft großen Schaden zufügen.
Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
Er erwartet, dass die Beschäftigung dann eher zurückgehe und sich der Fachkräftemangel erhöhe.
In Deutschland wünschen sich immer mehr Menschen einen Teilzeitjob.
30.09.2025 | 1:30 minKritik am Teilzeit-Vorschlag
Kritik an der Forderung auch aus der Politik. Die Vize-Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Dagmar Schmidt, sprach sich im "Handelsblatt" gegen das "Schleifen hart erkämpfter Arbeitnehmerrechte" aus. Für mehr Wachstum müsse Deutschland stattdessen mehr in Qualifizierung, Forschung und Entwicklung investieren.
Der CDU-Sozialflügel kritisierte, der Antrag wolle das Pferd von der falschen Seite aufzäumen. Dennis Radtke, Vorsitzender des Sozialflügels, wünsche sich zwar auch, dass mehr Menschen in Vollzeit wechseln, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Dafür müssen wir aber die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege verbessern."
Wie passt die schlechte Stimmung zur wirtschaftlichen Lage? Gäste aus Gewerkschaft, Wissenschaft und Handwerk diskutieren.
21.01.2026 | 23:20 min"Attacke auf hart arbeitende Menschen"
Dafür sprach sich auch Fraktionschefin der Grünen, Katharina Dröge, aus. Sie kritisierte zudem, mit dem Begriff "Lifestyle-Teilzeit" zeichne die CDU ein falsches Bild der Lebensrealität von Frauen und älteren Menschen. Die Vorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, sprach in der "Rheinischen Post" von "der nächsten Attacke auf hart arbeitende Menschen, besonders auf Frauen".
Dieser Vorschlag führt gleichstellungspolitisch zurück in die Steinzeit und ist auch arbeitsmarktpolitisch völlig am Ziel vorbei.
Anja Piel, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund
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