Jusos rebellieren in Mannheim: Bundeskongress des SPD-Nachwuchses

Bundeskongress des SPD-Nachwuchses :Jusos: Tage der Rebellion in Mannheim

Britta Spiekermann

von Britta Spiekermann

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Bürgergeld, Rente, Stadtbild-Debatte: Die Jungen in der SPD ziehen rote Linien und hadern mit der Koalition. Es ist die Geschichte einer Entfremdung.

Bundesarbeitsministerin und SPD Parteivorsitzende Bärbel Bas spricht am zweiten Tag des Bundeskongresses.

Die Jugendorganisation der SPD kritisiert auf ihrem Bundeskongress Verschärfungen beim Bürgergeld.

29.11.2025 | 0:28 min

Die Jusos nehmen für sich in Anspruch, ihre Partei anzutreiben, Stachel zu sein. Das erscheint ihnen im Moment umso notwendiger, da die Bundespolitik immer weniger ihre Interessen vertrete. Verantwortlich dafür sei die Koalition, sei auch ihre SPD, die in Kompromissen mit der Union zunehmend verschleiße, konservativen Narrativen hinterherlaufe und absegne.

Das Rentenniveau müsse nicht nur langfristig stabil gehalten werden, es sei grundsätzlich mit 48 Prozent viel zu niedrig. Sie erinnern an hohe Mieten und Lebensmittelpreise, an ihre Sorge, dass sich viele das Leben kaum noch leisten könnten.

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"Drecksentwurf" und "Bullshit"

Das Mittel der Wahl ist für sie die Rebellion. Dazu gehört auch, die Parteivorsitzende Bärbel Bas laut zu beschimpfen. Bas nickt häufig bei den Debattenbeiträgen der jungen Delegierten, zuckt, als eine von ihnen beim Bürgergeld von einem "Dreckentwurf", von "Bullshit" spricht.

Wer sich von der SPD-Parteispitze den Jusos stellt, weiß, dass es ungemütlich wird. Die frühere Parteivorsitzende Saskia Esken hat im vergangenen Jahr die Wut der Jusos erlebt, Bärbel Bas erlebt sie jetzt.

Ein wenig Lob bekommt Bas für ihre Standfestigkeit im Streit um die Rente. Doch diesen Ansatz - gegenzuhalten - müsse sie auch bei der Besteuerung von Erben und beim Bürgergeld an den Tag legen. Bas weiß, dass das in der Koalition unmöglich sein wird und umreißt ihre Aufgabe, "Schlimmeres" zu verhindern. Und schließlich hätten beim SPD-Mitgliederentscheid 84,6 Prozent mit Ja für die Koalition gestimmt

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28.11.2025 | 7:36 min

Das Phantom Klingbeil

Auch Parteivorsitzender und Vizekanzler Lars Klingbeil spielt eine Rolle auf dem Bundeskongress. "Lars, du bist wieder einmal nicht da", kritisieren viele Delegierte. "Die Parteivorsitzende ist hier, Lars nicht. Täglich grüßt das Murmeltier."

Die Jusos machen auch Klingbeil dafür verantwortlich, was aus ihrer Sicht schiefläuft in der Koalition. Die SPD lasse sich immer wieder in die Defensive treiben und trete gemeinsam mit der Union "nach unten". Kürzungen beim Bürgergeld für "Totalverweigerer", keine Besteuerung Reicher - die Jusos sprechen von einem verlorenen Kompass.

Der alte und neue Bundesvorsitzende Philipp Türmer zieht einen Vergleich:

Es ist wahrscheinlicher, in vielen Gegenden beim Spazieren einen Wolf zu treffen, als beim Einkaufen einen Totalverweigerer.

Philipp Türmer, Bundesvorsitzender der Jusos

Die eigentlichen gesellschaftlichen Konflikte verliefen zwischen "denjenigen, die von ihrer Arbeit leben müssen und denjenigen, die das große Los in der Erbenlotterie gezogen haben".

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Die Rebellion der anderen

Die Koalitionsdisziplin werde zur bleiernen Decke, sei ein "Gefängnis für unsere eigenen Ideen," sagt Türmer und bekommt viel Applaus. Dass Teile der Jungen Union den Renten-Aufstand proben, bewirkt bei den Jusos Kopfschütteln. Türmer spricht von "Barbour-Jacken tragenden Trustfund-Babys".

Dass allerdings die Rebellion ausgerechnet in der Union stattfindet mit erheblicher Koalitionsdynamik, dass sich die Jungen derart ins Gespräch bringen, dürfte bei den Jungsozialistinnen und Jungsozialisten das Bewusstsein schärfen, auch in ihrer Partei ein nicht unwesentlicher Machfaktor zu sein, an dem ihre Parteispitze nicht vorbeigehen kann.

Der Partei-Nachwuchs ist zunehmend unzufrieden mit der Rolle der SPD in der Koalition, er fordert mehr Profil besonders im Kampf gegen die AfD. Der Sozialstaat sei ein Schutzschild gegen Faschisten, dürfe nicht abgebaut werden. Die Tage von Mannheim haben gezeigt: ihre Generation will, besteht darauf, gehört zu werden und zwar nicht nur in einem Kongress-Zentrum in Mannheim.

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