Warnungen aus eigenen Parteien:Berlin: SPD und Grüne vor Sondierungsgesprächen mit Linke?
Nach der Wahl in Berlin stehen Grüne und SPD vor einer weiteren Wahl: Linke oder CDU. Mögliche Sondierungsgespräche mit der Linkspartei stehen vor der Tür. Doch es gibt Kritik.
Sie möchte hier bald einziehen, in das Berliner Rote Rathaus: Elif Eralp (Linke) hat die Abgeordnetenhaus-Wahl mit ihrer Partei klar gewonnen. Jetzt soll eine Koalition entstehen.
Quelle: Sebastian Gollnow / dpaDie Berliner SPD stellt sich für mögliche Sondierungen über eine Zusammenarbeit mit den Wahlsiegern der Linken neu auf. Spitzenkandidat und Landesvorsitzender Steffen Krach sei gemeinsam mit der Neuköllner Abgeordneten Derya Caglar für eine neue Doppelspitze der Fraktion einstimmig nominiert worden, sagte eine Sprecherin des Gremiums am Donnerstag. Gewählt werden sollen sie am Mittwoch.
Der langjährige Fraktionschef Raed Saleh hatte nach der Wahlniederlage angekündigt, nicht wieder anzutreten. Am Freitag will die Linkspartei offiziell über Gespräche mit SPD und Grünen beraten und voraussichtlich für die kommende Woche zu Sondierungen über eine Koalition einladen.
Antisemitismus-Vorwürfe und Kontakte ins Clan-Milieu überschatten den Wahlsieg der Berliner Linken. Spitzenkandidatin Elif Eralp gerät unter Druck, die SPD ringt um ihre Haltung.
23.09.2026 | 2:48 minDer Landesvorstand der SPD wiederum will am Samstag über das Gesprächsangebot beraten. Es gilt als sicher, dass man zu Sondierungen bereit ist. Die Linkspartei hatte die Wahl mit großem Abstand gewonnen.






Sie steht allerdings auch bei den möglichen Koalitionspartnern, den Grünen und der SPD, wegen antisemitischer Strömungen und Kontakten in das arabische Clan-Milieu in der Kritik. Zudem will die Linke Wohnungskonzerne wie Vonovia in der Stadt enteignen, was bei den potenziellen Partnern auf erhebliche Skepsis stößt.
Rein rechnerisch wäre auch eine Koalition zwischen CDU, SPD und Grünen möglich. Diese hätte allerdings nur eine knappe Mehrheit, zudem gibt es dagegen sowohl in der SPD als auch bei den Grünen großen Widerstand.
Etwa von Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne). Er warnt seine Partei vor einer Koalition mit der Linkspartei in Berlin und kritisiert die von ihr geplanten Enteignungen großer Immobilienkonzerne scharf. "Das ist der falsche Weg, das falsche ökonomische Instrument", sagt Özdemir im Politico Berlin Playbook Podcast.
Das Geld ist dann weg und es fehlt dann für Neubauten. Das ist aber genau das, was Berlin bräuchte.
Cem Özdemir, Grüner Ministerpräsident Baden-Württembergs
Stattdessen plädiert Özdemir für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes: "Das ist riesig. Wenn man da maßvoll bauen würde, gäbe es immer noch genug Platz", sagte er. Özdemir fordert zudem, im Umgang mit antisemitischen Aussagen von Linken-Politikern dieselben Maßstäbe anzulegen wie bei der AfD.
Cem Özdemir spricht bei "maybrit illner" über ein mögliches AfD-Verbot, Verfassungsfeindlichkeit, politische Ursachen und verlorenes Vertrauen.
10.09.2026 | 1:20 minEr habe im Wahlkampf immer betont, dass man es der AfD "nicht durchgehen lassen dürfe", inakzeptable Zitate mit der Aussage zu rechtfertigen, dass sie von Einzelnen kämen und nicht für die gesamte Partei stünden.
Dieser Maßstab muss dann bitteschön auch für die Linke gelten.
Cem Özdemir, Grüner Ministerpräsident Baden-Württembergs
Der Grünen-Politiker betonte, dass sich seine Kritik nicht explizit auf Spitzenkandidaten Elif Erap beziehe, die für die Linken das Amt der Regierenden Bürgermeisterin anstrebt. "Ich kenne die Dame nicht und will ihr kein Unrecht tun", sagte Özdemir. "Ihr nehme ich das ab." Allerdings bezweifle er, dass Eralp ihren Landesverband im Griff habe. "Ob sie die Partei kontrolliert und ob sie garantieren kann, dass alle ihre Mitglieder und alle ihre Abgeordneten und künftigen Senatoren das auch so sehen - großes Fragezeichen."
Zwei Monate nach dem Bruch der Koalition von SPD und BSW nahm die neue rot-schwarze Koalition ihre Arbeit auf. Die sechs neuen Minister legten ihren Amtseid ab.
18.03.2026 | 0:20 minKritik aus Reihen der SPD
Kritik kommt auch aus dem von Stuttgart 600 Kilometer entfernten Potsdam. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) spricht sich ebenfalls gegen ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin aus: "Ich kann meiner Partei in Berlin nur raten, von einer Koalition mit den Linken Abstand zu nehmen", sagte Woidke dem "Tagesspiegel" und den "Potsdamer Neueste Nachrichten".
Die Partei im jetzigen Zustand darf nicht regieren.
Dietmar Woidke, SPD, Ministerpräsident Brandenburg
Die Berliner Linke sei in Teilen antisemitisch und offen für kriminelle Clans, sagte Woidke weiter. Sie stehe für eine Schwächung von Polizei und Justiz. "Das wäre ein Sicherheitsrisiko für Berlin", sagte Woidke. Zudem schadeten die "Enteignungsfantasien" der Linken dem Wohnungsbau und der Wirtschaft in der Hauptstadtregion.
Die Linken in Berlin streben nach ihrem Wahlsieg Immobilien-Enteignungen an. Auch in Ländern wie Spanien verschärft Wohnungsnot die Proteste, etwa nach einer Zwangsräumung in Madrid.
24.09.2026 | 1:58 minKritik von CDU
Auch der ehemalige CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak warnte SPD und Grüne ausdrücklich vor einer Koalition mit der Linkspartei.
Die Berliner Linken werden vom antisemitischen Gedankengut unterwandert und zerfressen.
Paul Ziemiak, ehemaliger CDU-Generalsekretär
Eine Koalition von CDU, Grünen und SPD wäre in Berlin die einzige realistische Alternative zu Rot-Grün-Rot. Wer zwischen der Linken und CDU das Rennen macht, dürfen Grüne und SPD entscheiden. Möglicherweise sind diese Optionen für die Parteien eine solide Grundlage für Koalitionsverhandlungen.
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