Wohnungen in Berlin vergesellschaften: Was die Linke plant

FAQ

Kosten, Mieten und Rechtslage:Linke will Immobilien vergesellschaften - was bringt das?

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Die Linke will große Wohnungskonzerne in Berlin vergesellschaften. Was das für Mieten und Landeshaushalt bedeuten könnte und welche Hürden es gibt. Wichtige Fragen und Antworten.

Berlin: Ein neu gebautes Wohnhaus in der Trierer Straße in Berlin-Weißensee. Archivbild

Die Linke spricht sich für eine Enteignung großer Immobilienfirmen aus. (Symbolbild)

Quelle: Soeren Stache/dpa

Die Linke will nach dem Wahlerfolg in Berlin mit dem Ziel in die Koalitionsgespräche gehen, große Wohnungsunternehmen zu enteignen. Hunderttausende Wohnungen sollen auf diese Weise in Landesbesitz übergehen. Die Aussicht auf eine mögliche Umsetzung stößt bei Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und in der Bundespolitik auf deutliche Kritik. Was hat es mit dem Vorhaben auf sich?

Was genau plant die Linke?

Wie die Linke bei der Vergesellschaftung konkret vorgehen will, um sie auch rechtlich zu sichern, ist in vielen Punkten unklar. Zunächst will die Partei eine Anstalt öffentlichen Rechts schaffen. Diese soll die nötigen Kredite aufnehmen, die Wohnungsbestände kaufen und sich später um die Verwaltung kümmern.

20.09.2026, Berlin: Elif Eralp (Die Linke), Spitzenkandidatin und stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, spricht auf einer Wahlparty der Berliner Linken im Festsaal Kreuzberg zu Anhängern und Parteimitgliedern.

Laut vorläufigem Ergebnis hat die Linke in Berlin die Wahl zum Abgeordnetenhaus mit 25,7 Prozent deutlich gewonnen. Die CDU hat erneut einen Verlust zu verzeichnen und kommt auf 18,8 Prozent.

21.09.2026 | 0:34 min

Dafür müsse Personal aufgebaut werden, sagte Spitzenkandidatin Elif Eralp vor einigen Wochen "nd-aktuell". "Dann muss man schauen, welche Wohnungen konkret betroffen sind", betonte Eralp. Es gehe um etwa acht große Konzerne, die jeweils mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin besäßen. Finanzieren will Eralp die Vergesellschaftung vor allem über Kredite.

Klar ist: Das Vorhaben ist alles andere als sicher. Zunächst muss die Linke ihre möglichen Koalitionspartner bei SPD und Grünen überzeugen. Ob und bis wann eine rot-grün-rote Landesregierung zustande kommt, ist offen. Erst dann kann der Gesetzgebungsprozess beginnen. Es ist zudem davon auszugehen, dass die betroffenen Konzerne klagen werden. So steht die Enteignung auch unter juristischem Vorbehalt.

Vorläufiges Ergebnis
Gewinne und Verluste
Sitzverteilung
Welche Koalitionen sind möglich?
Wahlbeteiligung
Wahlergebnisse seit 1946

Würde eine Enteignung die Mieten tatsächlich mindern?

Mit der Vergesellschaftung erhielte das Land Schätzungen zufolge die Kontrolle über rund 240.000 weitere Wohnungen. Der Anteil der Wohnungsbestände in öffentlicher Hand würde sich damit von derzeit rund 20 Prozent auf mehr als 30 Prozent erhöhen. Schon jetzt zahlen Mieterinnen und Mieter bei landeseigenen Wohnungsunternehmen im Schnitt deutlich weniger Miete als bei privaten. Das soll aus Sicht der Linken auch für die zu erwerbenden Wohnungsbestände gelten.

Der Effekt geringerer Mieten könnte sich dem Argument der Partei zufolge auf den gesamten Markt auswirken. So könnte etwa der Mietspiegel in bestimmten Bezirken sinken, wenn dort plötzlich in Tausenden Wohnungen eine geringere Miete verlangt wird. Doch ob das funktioniert, hängt Fachleuten und Behörden zufolge davon ab, wie teuer die Vergesellschaftung für das Land wird, wie viel der Senat also den Wohnungskonzernen als Entschädigung zahlen muss.

"Um die Mieten zu senken oder zumindest zu entdynamisieren, müsste die Entschädigungssumme sehr niedrig ausfallen", heißt es in einem Bericht des Berliner Landesrechnungshofes von 2024. "Aber je weiter sich die Entschädigung vom Verkehrswert entfernt, desto größer wird das rechtliche Risiko."

Steffen Krach (l.), Spitzenkandidat der SPD für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, und Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Partei Die Linke, geben sich am 20. September 2026 im Berliner Abgeordnetenhaus vor einer Fernsehdebatte nach der Wahl die Hand.

Die Linke ist bei der Wahl nach dem vorläufigen Ergebnis mit 25,7 Prozent stärkste Kraft in Berlin geworden. Rechnerisch ist eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD möglich.

21.09.2026 | 1:29 min

Was spricht dagegen?

Wenn die Wohnungsbestände hingegen zum Marktpreis erworben würden, drohten gar Mieterhöhungen, sagt Konstantin Kholodilin, Wohnungsmarktforscher beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Schließlich müsste die Anstalt öffentlichen Rechts die hohen Milliardenkredite irgendwie finanzieren. Hinzu komme ein weiteres Risiko, betont Kholodilin:

Die Stadt selbst vergibt zwar keine Kredite an die Anstalt öffentlichen Rechts, aber sie bürgt dafür. Sollte es bei der Rückzahlung zu Problemen kommen, müssten die Steuerzahler einspringen.

Konstantin Kholodilin, Wohnungsmarktforscher beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

Mietrecht

Vor fünf Jahren stimmte Berlin für die Enteignung großer Wohnungskonzerne, die Bundesregierung will solche Pläne verbieten.

09.07.2026 | 2:38 min

Ist eine Vergesellschaftung rechtlich überhaupt möglich?

Befürworter der Vergesellschaftung berufen sich auf Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes, die sich auf Enteignungen und Vergesellschaftungen beziehen. "Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden", heißt es etwa in Artikel 15.

Nachdem im September 2021 bei einem Volksentscheid in Berlin eine Mehrheit für eine Vergesellschaftung gestimmt hatte, setzte der Senat eine Expertenkommission ein, die vor allem die Verfassungskonformität eines solchen Vorhabens prüfen sollte. Diese kam zu dem Schluss, dass ein Vergesellschaftungsgesetz im Einklang mit den im Grundgesetz genannten Voraussetzungen stehe.

Ein Knackpunkt dürfte aber vor allem die Höhe der Entschädigung sein, die die Wohnungskonzerne erhalten müssen. Linke-Spitzenkandidatin Eralp geht davon aus, dass diese deutlich unter dem Marktwert der Immobilien liegen könne. Doch der Landesrechnungshof sieht das in seinem eigenen Gutachten kritisch.

Schließlich bedeute eine Entschädigung unter dem Verkehrswert, dass die Unternehmen auf Milliarden ihrer Vermögenswerte verzichten müssten. Eine solche Diskrepanz würde von der bisherigen Rechtsprechung "eklatant abweichen". Am Ende werden also die Gerichte entscheiden müssen.

 Teilnehmer einer Demonstration der Initiative Deutsche Wohnen Enteignen protestieren vor dem Willy-Brandt-Haus unter anderem mit einem Plakat „Enteignung alles muss man selber machen.

In Berlin hatte sich die Mehrheit der Menschen für die Möglichkeit, Wohnungskonzerne zu enteignen, entschieden. Nun soll das verboten werden, so die Pläne der Koalition.

03.07.2026 | 1:31 min

Welche Alternativen gibt es zur Vergesellschaftung?

Insbesondere die Angebotsmieten auf den Portalen sind in den vergangenen Jahren stark in Berlin gestiegen. Eine Antwort darauf hat die Landesregierung bisher nicht gefunden. Ein im Jahr 2020 eingeführter Mietendeckel, der die Entwicklung der Mietpreise stoppen sollte, wurde vom Verfassungsgericht gekippt.

Mit der Vergesellschaftung steht nun eine weitere rechtlich unsichere Maßnahme im Raum. Dabei gebe es laut DIW-Forscher Kholodilin einfachere Möglichkeiten. "Das Land könnte mit den gleichen Mitteln etwa den eigenen Wohnungsbau ankurbeln und die Wohnungsgenossenschaften unterstützen", sagt er. Auf diese Weise würde nicht nur neuer Wohnraum geschaffen, sondern es erhöhe sich auch der Anteil der landeseigenen Wohnungen.

"Ich glaube nicht, dass die Vergesellschaftung irgendeine Lösung des Problems bringt, sondern dass wir Rahmenbedingungen schaffen müssen, in denen man wieder mehr Neubau realisieren kann", sagt auch Vonovia-Chef Luka Mucic.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem heute Xpress am 21.09.2026 ab 9 Uhr.

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