Hamburger Pilotprojekt:Wie günstiger Wohnungsbau gelingen kann
von Britta Hilpert
Schneller planen, einfacher bauen, weniger Kosten: Ein Hamburger Pilotprojekt zeigt, wie neue Wohnungen günstiger entstehen können - und was das für die Mieten bedeutet.
Wegen der Wohnungsnot wurde in Hamburg ein neuer Standard für Wohnungsbau beschlossen.
17.09.2026 | 2:34 minAuf der Baustelle "Morellenquartier" in Hamburg-Marienthal geht es ungewöhnlich schnell: Die Baugenehmigung war nach vier Monaten da, und rechnerisch wird jeden Tag eine Wohnung fertig. Anfang des Jahres war Baubeginn, jetzt ist schon Richtfest für das Projekt mit 90 Wohnungen. Das Hamburger Pilotprojekt soll zeigen, wie sich neue Mietwohnungen einfacher, schneller und günstiger bauen lassen - nach dem sogenannten Hamburg-Standard. Architekt Kilian Jonak erklärt:
Wir probieren hier am praktischen Projekt etwas, was bundesweit diskutiert wird: wie wir zu günstigeren Baukosten kommen und mehr Wohnraum schaffen.
Architekt Kilian Jonak
Wie schafft das Projekt günstigere Baukosten?
Der Hamburg-Standard setzt an mehreren Punkten an: Von Beginn an arbeiten Architekt, Baufirma und Behörden eng zusammen. So gelingen schnellere Genehmigungen. Und auf kostspielige Anforderungen, die für die Nutzung nicht zwingend nötig sind, wird verzichtet, auch wenn die Industrie das zur "Norm" erklärt hat. Die Stadt Hamburg hält dadurch Einsparungen von bis zu 2.000 Euro brutto je Quadratmeter Wohnfläche für möglich.
Auch in Berlin wird am Sonntag gewählt. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt ist ein zentrales Wahlkampfthema.
08.09.2026 | 2:05 minDirk Hinzpeter von der Hansa Baugenossenschaft sagt: "Im Morellenquartier sind wir bei 3.650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei vergleichbaren Wohnprojekten in Hamburg waren es fünf- bis sechstausend Euro pro Quadratmeter." Das findet er bemerkenswert, denn zur Zeit steigen die Baupreise rasant.
Weniger Ausstattung senkt die Kosten
Gespart wird unter anderem bei der Ausstattung: Es gibt weniger Aufzüge, kaum Parkplätze und keine Keller. Abstellflächen entstehen stattdessen unter einem Schrägdach - das ist kostengünstiger zu bauen als ein Flachdach. Auch Standards wie die Zahl der Steckdosen oder die Stärke von Wänden werden gesenkt. Innerhalb der Wohnung ist es hellhöriger, aber dafür ist es günstiger.
Vorgefertigte Bäder beschleunigen den Bau
Ein zentraler Kostenfaktor sei aber das Tempo, meint der Bauherr und die Baufirma. Pro Woche wird ein Geschoss fertiggestellt. Dazu tragen komplett vorgefertigte Bäder bei: "Bevor die Geschoss-Decke draufkommt, werden diese Bäder eingehoben" sagt Christian Bleschke vom Bauunternehmen Otto Wulff und klopft auf Blechcontainer mitten in der Wohnung.
"Der Vorteil: man hat den ganzen Dreck mit den vielen einzelnen Gewerken nicht mehr. Das Bad ist wirklich fertig." Keine Wartezeiten, bis der Estrich trocken ist, oder die Fliesen fest. Das Bad muss nur noch angestöpselt werden und der Container wird verkleidet. 90 mal das gleiche Bad verbaut Otto Wulff im Morellenquartier - das serielle Bauen sei die Zukunft, meint Projektleiter Bleschke.
Laut aktuellem Mietenreport des Deutschen Mieterbunds fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen. Die Anzahl der Sozialwohnungen liegt auf Rekordtief.
01.09.2026 | 1:35 minEin bewegliches "Cabrio-Dach" schützt die gesamte Baustelle zudem vor Regen und Verzögerungen, und ermöglicht das Einheben von Fertigteilen.
Mieten ab knapp acht Euro pro Quadratmeter
Die Stadt fördert das Vorhaben. Deshalb ist die Genossenschaft daran gebunden, die Ersparnis durch den geringeren Baustandard an die Mieter weiter zu geben. Im Morellenquartier sollen die Mieten bei knapp acht Euro pro Quadratmeter beginnen.
"Standards müssen runter", sagt Hinzpeter. "da müssen wir mutiger werden! Das wird von unseren Mietern akzeptiert werden", meint er, denn günstigere Mieten wollen alle. Auch ohne Stadtförderung will die Genossenschaft mehr nach Hamburg-Standard bauen. Das Morellenquartier zeigt, dass sich Baukosten senken lassen. Offen bleibt jedoch, ob der Kostenvorteil bei ungeförderten Projekten tatsächlich an die Mieter weitergegeben wird.
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