Mieten, Wohnen, Bauen:Wohnungskrise in Berlin: Was die Parteien wollen
von Sylvia Bleßmann
Berlin ist eine Mieterstadt mit rund 1,8 Millionen Mietwohnungen. Steigende Preise, Verdrängung und fehlender Wohnraum - die Wohnungskrise ist Spitzenthema im Wahlkampf.
Berlin: Wohnungsmangel und steigende Mieten belasten viele Menschen.
Quelle: dpaEs beginnt oft unspektakulär mit einem Brief des Vermieters, doch oft hat es der Inhalt in sich: Eine Mieterhöhung, dramatisch steigende Nebenkosten oder eine Kündigung wegen Eigenbedarfs. Am Ende steht bei vielen Mietern häufig Angst vor Verdrängung und Sorge, keine andere bezahlbare Wohnung mehr zu finden.
Ende September wird in Berlin gewählt. Aktuelle Umfragen zeigen, dass es ein knappes Rennen zwischen den Linken und der CDU werden könnte.
15.08.2026 | 3:40 minMieter-Initiativen in allen Stadtteilen Berlins
In allen Berliner Stadtbezirken sind seit ein paar Jahren Mieter-Initiativen aktiv, in denen Menschen gemeinsam um ihr Zuhause kämpfen. "Wie bleibt unser Kiez bezahlbar", will Ruth Carcasson von der Initiative Mariendorf-Ost wissen.
"Was wird gegen Wuchermieten und dreiste Abzocke durch möbliertes Wohnen getan", fragt Hannah Rose von der Initiative Pankow gegen Verdrängung. "Warum kann ich erst nach zehn Jahren Planung anfangen, zu bauen", will Bauunternehmer Marcus Becker wissen.
Einig sind sich alle politischen Parteien in Berlin in einem Punkt: Berlin braucht Wohnungen. Mindestens 20.000 pro Jahr. Danach enden die Gemeinsamkeiten bei der Suche nach Antworten auf die Wohnungskrise. Ein Überblick, über die Ansätze der jeweiligen Parteien.
Die Linke: Große Immobilienkonzerne enteignen
Die Linke will den Volksentscheid von 2021 endlich umsetzen. Damals stimmte eine Mehrheit für Enteignungen großer Wohnungsbestände, um diese zu vergesellschaften:
Wir werden die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne umsetzen, das ist rechtlich machbar, finanzierbar und eine Frage der Demokratie.
Elif Eralp, Spitzenkandidatin Die Linke
Die Linke hält die Einführung eines bundesweiten Mietdeckels für rechtlich möglich. Zu diesem Schluss kommt ein Rechtsgutachten, dass Mitglieder der Linken-Bundestagsfraktion nun vorstellten.
27.08.2026 | 0:29 minDie Linke fordert ein Landesamt für Mieterschutz, ein Leerstandsregister und ein konsequentes Abrissverbot von Wohnraum. Nach 100 Tagen der neuen Regierung soll ein Mietendeckel für die landeseigenen Wohnungsunternehmen eingeführt werden. Gleichzeitig sollen dort aber auch bis zu zwei Milliarden Euro investiert werden.
Bündnis 90/Die Grünen: Quote für bezahlbare Wohnungen
Da fast 60 Prozent der Wähler und Wählerinnen vor fünf Jahren für die Vergesellschaftung gestimmt haben, wollen die Grünen einen regulären Gesetzesprozess mit auf den Weg bringen.
Wir planen ein Bezahlbares-Mieten-Gesetz und bekennen uns zum erfolgreichen Volksentscheid der Vergesellschaftung.
Werner Graf, Spitzenkandidat Bündnis 90/Die Grünen
Außerdem sollen Immobilienbesitzer mit mehr als 50 Wohnungen verpflichtet werden, einen bestimmten Teil zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Der Bau neuer Büros soll untersagt, stattdessen leere Büros in Wohnraum umgewandelt werden.
Rund 1,9 Millionen Wohnungen stehen in Deutschland leer - trotz akuter Wohnungsnot. Warum vermieten manche Eigentümer ihre Immobilien nicht?
26.08.2026 | 28:44 minCDU: Keine Enteignungen in Berlin
Milliarden für den Ankauf von privaten Wohnungen soll es laut CDU nicht geben. Stattdessen sollen 100.000 neue Wohnungen durch schnellere Genehmigungen und weniger Vorschriften bis 2031 entstehen. Auch am Rand des Tempelhofer Feldes sollen Wohnungen gebaut werden.
Enteignungen wird es mit uns nicht geben - wir setzen stattdessen auf Neubau.
Stefan Evers, Spitzenkandidat CDU
Mieterschutz soll über die Mietpreisbremse durchgesetzt werden und bei der Vergabe von Sozialwohnungen will man die Einkommen regelmäßig überprüfen. Liegen sie höher als erlaubt, müssen Mieter mehr zahlen.
Mieten und Kaufpreise steigen weiter, Neubauziele werden verfehlt. Gleichzeitig leben Millionen in unpassenden Wohnungen - zu groß oder zu klein.
26.03.2026 | 2:17 minSPD: 50 Prozent Sozialwohnungen bei Neubau
Die SPD will, dass in den kommenden fünf Jahren mindestens 100.000 neue Wohnungen gebaut werden. Private Bauherren sollen dabei nicht nur 30 Prozent, sondern 50 Prozent Sozialwohnungen schaffen. Mehr Mieterschutz will die SPD durch einen Mietendeckel, die Einrichtung von Mietpreisprüfstellen und den Aufbau eines Wohnkatasters erreichen.
Obwohl die Parteibasis mehrfach die Umsetzung des Volksentscheides von 2021 gefordert hat, will der Spitzenkandidat keine Vergesellschaftung.
Wir wollen bauen, für Recht und Ordnung sorgen und ich will den Mietendeckel einführen.
Steffen Krach, Spitzenkandidat SPD
Die Nachfrage nach Büros sinkt, der Leerstand wächst. Durch Umwandlung könnten laut ifo-Institut bis 2030 bis zu 60.000 neue Wohnungen entstehen - auch für Studierende und Wohnungslose.
09.08.2026 | 1:34 minAfD: Vorrang für Berliner auf dem Wohnungsmarkt
Die AfD will, dass in der Stadt geborene und seit vielen Jahren in der Stadt lebende Berliner vorrangig auf dem Wohnungsmarkt berücksichtigt werden.
Vorrang für Einheimische und faire Vergabe von gefördertem Wohnraum.
Kristin Brinker, Spitzenkandidatin AfD
Ein Punktesystem mit sozialen Kriterien wie Einkommenshöhe oder systemrelevanter Arbeit soll dazu eingeführt werden. Mietendeckel und starke Mietenregulierung sowie hohe Zuschüsse für den Bau von Sozialwohnungen lehnt die Partei ab.
Sylvia Bleßmann berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Berlin.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr Nachrichten zur Wahl in Berlin
Wahl zum Abgeordnetenhaus:Berlin-Wahl: Das sind die Spitzenkandidaten
von Roman Leskovarmit Video3:40Wahl-O-Mat zur Abgeordnetenhauswahl:Wahl in Berlin: Wer vertritt meine Interessen?
von Katrin Meyermit Video3:40Berlin-Wahl am 20. September:Kampf ums Rote Rathaus: Die Linke im Höhenflug
von Markus Grossmit Video2:58Manipulation vor Landtagswahlen:"Operation Overload": Wie beeinflusst Russland die Wahlen?
von Meike Srowigmit Video45:58