Russland: Wie viel Einfluss nimmt Moskau auf unsere Wahlen?

Manipulation vor Landtagswahlen:"Operation Overload": Wie beeinflusst Russland die Wahlen?

von Meike Srowig

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Sprengstoff-Drohnen in Leipzig, gefälschte Videos, erfundene Vorwürfe gegen Kandidaten und Bots: Vor den Landtagswahlen stellt sich vor allem die Frage - wer steckt dahinter?

Helene Reiner und Dunja Hayali in "heute journal - der Podcast"

Anfang August wird am Flughafen Leipzig eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt. Gleichzeitig kursieren gefälschte Videos auf Social Media. Und das kurz vor den Landtagswahlen. Wer steckt dahinter?

27.08.2026 | 45:58 min

Deutschland steht seit Jahren im Visier von Einflusskampagnen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den Sanktionen gegen russische Staatsmedien treten diese Aktivitäten zunehmend verdeckt und aggressiv auf. Sie verbreiten sich über soziale Netzwerke, gefälschte Nachrichtenseiten und nicht authentische Konten - teils reichen die Aktionen auch in die analoge Welt.

Aktuell richtet sich der Blick auf "Matrjoschka", auch bekannt als "Operation Overload". Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnet der Kampagne Aktivitäten im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sowie der Kommunalwahlen in Niedersachsen zu.

Ihr Ziel: gesellschaftliche Spannungen verschärfen, das Vertrauen in demokratische Prozesse schwächen und die freie Meinungsbildung beeinflussen. Neu ist nach Einschätzung der Behörden, dass gezielt auch Landes- und Kommunalpolitiker ins Visier geraten.

ZDF-Korrespondenten Andreas Kynast

Deutschland ist im Fokus russischer Desinformationskampagnen. Über einen Leak seien Behörden an Informationen zur Operation “Matrjoschka” gekommen, so ZDF-Korrespondent Kynast bei ZDFheute live.

05.08.2026 | 8:15 min

Gefälschte Videos im Look etablierter Medien

Typisch für die Kampagne sind kurze Videos und manipulierte Beiträge, die das Erscheinungsbild bekannter Medien imitieren. Logos, Schriften und Gestaltung sollen den Eindruck erwecken, es handele sich um seriöse Berichterstattung. Verbreitet werden die Inhalte vor allem über X, aber auch über TikTok und Bluesky.

Die Falschbehauptungen zielen auf konkrete Kandidatinnen und Kandidaten. Ihnen werden etwa Straftaten, Korruption oder Suchtprobleme unterstellt. Andere Beiträge behaupten, westdeutsche Politiker hätten sich abwertend über Ostdeutschland geäußert. Hinzu kommen erfundene Meldungen über angeblich geplanten Wahlbetrug.

Die Kampagne reagiert zudem auf Berichterstattung über sich selbst. In gefälschten Beiträgen wird etwa behauptet, die Desinformation stamme nicht aus dem Ausland, sondern sei eine Aktion deutscher Parteien. Damit soll offenbar auch die Aufklärung über die Kampagne diskreditiert werden.

Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt

Derzeit kursieren gefälschte Videos von Politikern in den sozialen Medien. Politiker von AfD und BSW werden meist ausgespart. Die Urheberschaft der Fakes ist schwer festzustellen.

05.08.2026 | 3:05 min

Warum Faktenchecker Teil der Strategie sind

Links zu den Fälschungen landen nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern werden gezielt an Medien und Faktencheck-Organisationen geschickt. Das kann Ressourcen binden: Wer mit einer Flut erfundener Behauptungen beschäftigt wird, hat weniger Zeit für andere Recherchen.

Gleichzeitig birgt jede Widerlegung ein Dilemma. Auch eine korrekte Einordnung wiederholt zunächst die Falschbehauptung - und verschafft ihr womöglich zusätzliche Reichweite. Deshalb ist entscheidend, nicht jede Provokation aufzugreifen, sondern über Muster, Methoden und Ziele der Kampagne aufzuklären, ohne unbelegte Vorwürfe unnötig zu verbreiten.

Bislang dürfte die direkte Reichweite vieler Beiträge begrenzt sein. Häufig werden sie zunächst von kleinen, nicht authentischen Konten verbreitet. Das heißt jedoch nicht, dass sie harmlos sind: Einzelne, zunächst schlecht gemachte Fälschungen können viral gehen, wenn reichweitenstarke Accounts sie aufgreifen.

Russische Desinformation sollte deshalb weder als allmächtig dargestellt noch unterschätzt werden. Nicht jede Kampagne erreicht ihr Ziel. Doch die wiederholte Verbreitung kann langfristig Zweifel säen, politische Debatten vergiften und das Vertrauen in Medien und Wahlen beschädigen.

Ostdeutsche Allgemeine

Die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ von Verleger Holger Friedrich will als offene Stimme des Ostens auftreten, ostdeutsche Themen betonen und Vertrauen in Medien durch neue Perspektiven stärken.

20.02.2026 | 2:43 min

Welche Hinweise führen nach Russland

Für "Matrjoschka" gibt es nach öffentlich bekanntem Stand keine eindeutigen technischen Beweise, die die Kampagne einer konkreten russischen Behörde oder Organisation zuordnen. Anders ist es bei der Kampagne "Doppelgänger", die Sicherheitsbehörden und Recherchen mit russischen Akteuren in Verbindung bringen.

Bei "Matrjoschka" sprechen jedoch starke Indizien für einen russischen Ursprung. Frühere Videos tauchten zunächst in russischen Telegram-Kanälen auf. Sprachliche und technische Fehler wiesen ebenfalls nach Russland. Auch die Auswahl der Ziele passt zu bekannten russischen Einflussstrategien: Im Fokus stehen Staaten, die die Ukraine unterstützen, sowie Länder in der von Moskau beanspruchten Einflusssphäre.

Die vorsichtige Formulierung bleibt deshalb wichtig: Die Kampagne wird Russland zugeschrieben, ohne dass eine konkrete staatliche Stelle öffentlich zweifelsfrei benannt ist.

Wahlplakat BSW

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt kämpft das BSW um den Einzug in den Landtag. Parteigründerin Sahra Wagenknecht kündigt an, einzelne Vorhaben der AfD im Land unterstützen zu wollen.

21.08.2026 | 1:55 min

Was Plattformen und Politik tun können

Einen einzelnen Schutzmechanismus gegen Desinformation gibt es nicht. Notwendig ist ein Bündel von Maßnahmen. Soziale Netzwerke können koordinierte Konten und Repost-Netzwerke früh erkennen, Inhalte löschen und beteiligte Accounts sperren. Gerade vor Wahlen tragen sie besondere Verantwortung.

Nach Beobachtungen aus dem Transkript gingen TikTok und Bluesky zuletzt vergleichsweise schnell gegen entsprechende Videos vor. Auf X wurden zwar Teile der Netzwerke gesperrt, allerdings weniger konsequent.

So lassen sich Fälschungen erkennen

  • Prüfen, ob der Beitrag auf der offiziellen Webseite oder dem verifizierten Account des genannten Mediums zu finden ist.
  • Nachsehen, ob weitere seriöse Medien über die behauptete Nachricht berichten.
  • Auf reißerische Formulierungen, ungewöhnliche Logos, falsche Schriftarten und sprachliche Fehler achten.
  • Den ursprünglichen Absender prüfen: Neue Konten, auffällige Nutzernamen und massenhafte identische Posts können Warnzeichen sein.
  • Zweifelhafte Inhalte nicht ungeprüft weiterleiten, sondern auf der Plattform melden.

Ebenso wichtig ist langfristige Medienbildung für alle Altersgruppen. Einflusskampagnen beginnen nicht erst wenige Wochen vor einer Wahl - und sie enden auch nicht mit dem Wahltag. Wer demokratische Öffentlichkeit schützen will, muss deshalb dauerhaft in Aufklärung, technische Abwehr und belastbare journalistische Strukturen investieren.

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Über dieses Thema berichtete heute journal - der Podcast am 27.08.2026 um 18:30 Uhr.

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