TV-Debatte vor Landtagswahl:Schulze gegen Siegmund - so lief das Duell
von Andreas Postel, Magdeburg
Bei der TV-Debatte im MDR lieferten sich die Kandidierenden in Sachsen-Anhalt einen Schlagabtausch. Der Ton wurde dabei zwischenzeitlich rauer.
Ulrich Siegmund (l), Spitzenkandidat der AfD und Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und Spitzenkandidat der CDU diskutieren in der MDR-Wahlarena.
Quelle: dpaEs war ein zum Teil heftiger Schlagabtausch zwischen den Spitzenkandidaten von CDU und AfD bei der TV-Debatte rund eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Nervosität ist groß und der Versuch offensichtlich, ein eigenes Profil zu schärfen und unentschlossene Wähler anzusprechen.
Sven Schulze setzt am Abend mit der Wirtschaft auf eines seiner Kernthemen: Siegmund habe kein Konzept für die Zukunft - etwa, wenn es um Jobs gehe, betonte der frühere Wirtschaftsminister. Schulze wies auf Millionen-Investitionen am Chemiestandort Piesteritz hin, wo er zuvor Gespräche geführt habe.
Ich labere nicht nur, ich liefere.
Sven Schulze (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
Siegmund wiederum warf Schulze eine "abgehobene Perspektive" vor - die CDU regiere seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt und habe es nicht hinbekommen, dass die Kita kostenlos sei. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Siegmund mit Blick auf seine Pläne und die AfD-Umfragewerte.
Die Dokuserie „Mitten in Deutschland – Menschen aus Sachsen-Anhalt“ begleitet Menschen vor der Landtagswahl am 6. September. Was sind ihre Sorgen und Ängste, wem vertrauen sie?
24.08.2026 | 15:10 minVor der Wahl in Sachsen-Anhalt wird der Ton rau
Teilweise redeten beide durcheinander, der Ton wurde zwischenzeitlich rau. Siegmund bezeichnete Schulze etwa als "Flachzange", wollte das aber politisch, nicht menschlich verstanden wissen. Der Ministerpräsident kritisierte die Wortwahl: "Mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange zu bezeichnen."
Auf die Frage, ob Siegmund ein Rechtsextremist sei, legte sich Schulze nicht fest:
Ich will das nicht beurteilen, was ihn als Person angeht. Das kann ich auch nicht.
Sven Schulze (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
Aber die Menschen in Siegmunds Umfeld seien "sehr gefährliche, sehr extreme Menschen".
Brandmauer zur AfD nach rechts und nach links der Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linkspartei – kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind die Koalitionsmöglichkeiten der CDU begrenzt.
25.08.2026 | 11:33 minSiegmund wenig konkret, Schulze mit Vorwürfen
Schulze warf seinem Konkurrenten falsche Versprechungen vor. "Er schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich", so der Regierungschef über Siegmund. Das sei eine Aussage, "die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich." Man müsse realistisch mit den Menschen sprechen, betonte Schulze. Als Siegmund nach seinen wichtigsten Punkten gefragt wurde, wurde er nicht sehr konkret. Er sagte, er wolle das tun, was richtig für das eigene Land und das eigene Volk sei. Zudem wolle er weniger Migration.
Ein weiteres Thema in dem Schlagabtausch war die Inklusion - die der AfD-Kandidat zum gescheiterten Experiment erklärte. Nach seinen Worten müssten die Menschen individuell betrachtet werden. Ministerpräsident Schulze zeigte sich bestürzt darüber: Kinder dürften nicht danach beurteilt werden, wie sie geboren werden.
In knapp zwei Wochen wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag – Umfragen sehen die AfD weit vorne. In Sangerhausen im Südharz versucht auch die Linkspartei, noch Wähler für sich zu gewinnen.
24.08.2026 | 1:37 minKandidierende in Magdeburg diskutieren Migration
Als die Kandidatinnen und Kandidaten der anderen Parteien zur Runde dazustießen, flammte erneut die Diskussion über Migration auf. Armin Willingmann (SPD) verwies auf sinkende Zuwanderungszahlen - Ulrich Siegmund (AfD) kritisierte dagegen die hohe Zahl der Einbürgerungen und forderte die konsequente Abschiebung straffälliger Einwanderer.
Ministerpräsident Schulze nannte die Bürgerarbeit, bei der Geflüchtete gemeinnützige Tätigkeiten übernehmen, als positives Beispiel. In dem Zusammenhang äußerte sich Schulze auch zum Thema der inneren Sicherheit. Er sagte, die Zahl der Straftaten in Sachsen-Anhalt habe sich seit 1995 fast halbiert. Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) betonte, Zuwanderung sei notwendig, um die Folgen des demographischen Wandels abzumildern. Eva von Angern (Linke) sagte, es gehe bei Straftaten nicht um die Herkunft der Täter, sondern um die Täter an sich. Man müsse in die Justiz vertrauen und vor allem auf die positiven Beispiele der Migration schauen.
BSW-Kandidat Thomas Schulze sprach in der Diskussion davon, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt nicht gut integriert seien. Nach seinen Worten kämen Migranten auf ihn zu und sagten: 'Wir sind zwar gut für die Arbeit, aber eine Integration, die soll überhaupt nicht stattfinden.'
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD weit vorne. Ladeninhaber mit Migrationshintergrund reagierten darauf mit einem Streik und schlossen ihre Läden.
27.08.2026 | 2:00 minWelche Machtoptionen ergeben sich nach der Wahl?
Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt wurde ebenfalls in der erweiterten Runde nochmals umfangreich debattiert. Die Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz sagte, es brauche günstigere Preise für erneuerbare Energien. Lydia Hüskens (FDP) sprach sich dafür aus, die nationale CO2-Abgabe abzuschaffen und bürokratische Hürden abzubauen. Armin Willingmann (SPD) hingegen will Unternehmen und Wissenschaft enger vernetzen.
Angesprochen auf die politischen Optionen nach der Wahl sagte Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz, man werde alles dafür tun, dass es eine demokratische Mehrheit und eine handlungsfähige Regierung gebe. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens betonte, die Liberalen stünden für Bündnisse in der Mitte zur Verfügung, eine Zusammenarbeit mit ganz Rechts und Links lehne man ab. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann sagte, das Land habe sich unter Koalitionsregierungen gut entwickelt. "Da werden nämlich Interessen ausgeglichen." Kompromisslosigkeit sei dagegen der Weg in ein autoritäres System. Er warb für einen Austausch innerhalb "des demokratischen Spektrums".
AfD-Chefin Weidel zeigt sich im ZDF-Sommerinterview mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt siegessicher. Die AfD werde regieren, auch im Bund, sagte Weidel.
23.08.2026 | 3:01 minSiegmund bekräftigt Ziel der Alleinregierung
Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern verwies darauf, dass die schwarz-rot-gelbe Regierung nach der Wahl am 6. September keine Mehrheit mehr haben werde. "Aber die gute Nachricht ist doch, es gibt eine demokratische Mehrheit", so von Angern. Man stehe da gemeinsam in der Verantwortung. Siegmund bekräftigte sein Ziel einer AfD-Alleinregierung.
Angesprochen auf Koalitionsoptionen und den Unvereinbarkeitsbeschluss Richtung AfD und Linke betonte Schulze, er werde sich nicht von jemandem abhängig machen. Es gehe darum, das Land am Laufen zu halten, so der Ministerpräsident. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte, es wäre schade, wenn die "Brandmauer-Parteien" weiter regierten. Seine Partei plädiert für einen überparteilichen Ministerpräsidenten. Die Zuschauer konnten sich beim MDR vor der Wahl einen umfangreichen Eindruck verschaffen - am 6. September haben dann die Wähler in Sachsen-Anhalt das Wort.
Andreas Postel ist Studioleiter im ZDF-Landesstudio Magdeburg.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Gegen Rassismus und für Demokratie:"Migrations-Streik": Geschäfte in Magdeburg geschlossen
mit Video1:36Wahl-O-Mat zur Landtagswahl:Wahl in Sachsen-Anhalt: Welche Partei passt zu mir?
von Katrin Meyermit Video1:45Probleme in der Partei:Trotz hoher Umfragewerte: AfD-Chefin Weidel unter Druck
von Nicole Diekmannmit Video3:01Landtagswahlen im September:Umgang mit der AfD: Zerreißprobe für das BSW?
von Hassan Rascho und Bernd Mosebachmit Video1:55