Wohnungsnot: Wie der Wohnungsbau beschleunigt werden könnte

Wohnen auf dem Supermarkt als Beispiel:Wie sich der Wohnungsbau in Deutschland ankurbeln lässt

Über die Gründe des überraschenden Wachstums berichtet ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann.

von Frank Bethmann

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Leerstehende Büros, Supermärkte mit riesigen Grundstücken, Baulücken: Deutschland hat viel Wohnraumpotenzial. Was passieren muss, damit es auch genutzt wird.

Baugeräte stehen auf einer Baustelle für neue Wohnhäuser.

In Deutschland fehlen rund 1,35 Millionen Wohnungen. Der Mangel belastet die Wirtschaft und erschwert es Fachkräften, passende Jobs anzunehmen. Besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen.

26.08.2026 | 1:39 min

In Deutschland werden zu wenige Wohnungen gebaut. Gerade dort, wo sie besonders gebraucht werden, sind neue Wohnungen für viele Haushalte kaum noch bezahlbar.

Zwar gibt es inzwischen erste Zeichen der Erholung. Im ersten Halbjahr 2026 wurde der Bau von rund 126.300 Wohnungen genehmigt, 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Doch das Niveau liegt noch immer weit unter früheren Jahren.

Genehmigungen und Kosten bremsen

Die Versuchung ist groß, die Wohnungskrise vor allem als Genehmigungsproblem zu betrachten. Wäre dem so, hieße die Antwort: schneller planen, schneller genehmigen, schneller bauen. Das alles ist wichtig, aber nicht ausreichend.

SGS Börse bethmann Wohnungsbau

Der Wohnungsbau kriselt, aber der Aufwärtstrend verstetige sich. "Die Genehmigungen stiegen so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr", sagt ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann.

18.08.2026 | 1:32 min

Denn selbst wenn ein Bauantrag inzwischen deutlich schneller genehmigt wird, bleibt eine Immobilie teuer. Grundstücke, Bauleistungen, Material, Finanzierung und technische Anforderungen bestimmen, was eine Wohnung am Ende kostet.

Die Bundesregierung selbst sieht inzwischen die hohen Baukosten als eines der zentralen Probleme. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) spricht von überfrachteten Standards und Normen, die den Bau verteuern und sieht im geplanten Gebäudetyp-E-Gesetz einen wichtigen Baustein, um die Kosten zu senken.

E steht für "einfach" - genauer gesagt für "einfaches Bauen". Die Idee: Wohnungen und Häuser sollen einfacher und günstiger gebaut werden können, ohne dabei bei Sicherheit und wichtigen Qualitätsstandards Abstriche zu machen, zum Beispiel, indem man Systeme standardisiert. Sicherheitsanforderungen wie Brandschutz oder Statik bleiben unberührt.


Standardisierung senkt Baukosten

Deutschland baut Häuser häufig noch immer wie Einzelanfertigungen. Jedes Projekt wird neu geplant, neu ausgeschrieben, neu genehmigt und neu kalkuliert. Das ist teuer.

Der Blick geht an Wohnhausfassadenentlang in einen düsteren, wolkenverhangenen Himmel, in dem das Sendungslogo grünlich leuchtet.

Rund 1,9 Millionen Wohnungen stehen in Deutschland leer - trotz akuter Wohnungsnot. Warum vermieten manche Eigentümer ihre Immobilien nicht?

26.08.2026 | 28:44 min

Der Wohnungsbau sollte daher stärker mit standardisierten Bauteilen, Grundrissen und Gebäudesystemen arbeiten. Einmal genehmigte und technisch geprüfte Gebäudetypen könnten anschließend an verschiedenen Orten wiederverwendet werden. Einen guten Gebäudetyp nicht einmal, sondern hundertmal bauen, lautet das Ziel.

Gerade beim sozialen Wohnungsbau könnte Standardisierung helfen, Kosten zu senken und gleichzeitig Qualität zu sichern. Der Bund beabsichtigt daher inzwischen, diese Form des Bauens stärker zu fördern.

Sabrina und Micky, Eltern mit Tochter Emma, haben in der Eifel ein leerstehendes Haus aus den 1960er Jahren gekauft.

Wie geht Hausbau für junge Leute? Bis zum Einzug stehen bei zwei Paaren und einer alleinerziehenden Mutter Familie und Beziehung, Finanzierung und Zeitplanung auf dem Prüfstand.

12.07.2026 | 27:07 min

Wohnen statt arbeiten - Büros zu Wohnungen

Im Umbau von Büros zu Wohnungen liegt eine der am schnellsten aktivierbaren Reserven. Die Fachzeitschrift "Wirtschaftsdienst" bezifferte den kurzfristig verfügbaren Büroleerstand in den sieben größten deutschen Bürostandorten Ende 2025 auf rund acht Millionen Quadratmeter. Rein rechnerisch könnten daraus Zehntausende Wohnungen entstehen.

Faktisch gibt es allerdings Bauvorschriften. "Normen sind wichtig, aber viele sind für den Neubau gemacht", beschreibt Sarah Dungs das Kernproblem. Sie ist Geschäftsführerin bei der Greyfield Group, einem Immobilienunternehmen, das sich auf die Entwicklung bereits bestehender Objekte spezialisiert hat.

Häuserfassaden mit Büros und Wohnungen.

Die Nachfrage nach Büros sinkt, der Leerstand wächst. Durch Umwandlung könnten laut ifo-Institut bis 2030 bis zu 60.000 neue Wohnungen entstehen - auch für Studierende und Wohnungslose.

09.08.2026 | 1:34 min

"Im Bestand müssen wir sie hinterfragen", sagt Dungs in einem Interview mit dem "Deutschen Architekt:innenblatt". Zwar kann nicht jedes Bürogebäude umgebaut werden, aber genau deshalb sollte man nicht versuchen, jedes Gebäude mit dem gleichen Regelwerk zu behandeln.

Der Bund hat mit dem Programm "Gewerbe zu Wohnen" einen ersten Schritt gemacht. Seit Juli 2026 können für die Umwandlung leerstehender Gewerbeimmobilien bis zu 30.000 Euro Zuschuss je neu geschaffener Wohneinheit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragt werden. Für 2026 stehen insgesamt dafür 300 Millionen Euro bereit.


Kaufen unten, Wohnen oben: Supermärkte als Wohnquartiere

Noch interessanter ist die Nachverdichtung bestehender Handelsflächen. Der klassische deutsche Supermarkt ist städtebaulich ein Relikt aus einer Zeit, in der Fläche billig war: eingeschossiger Bau, große Parkplatzfläche, riesiges Grundstück. In einer wachsenden Stadt ist das ineffizient.

Eine Frau steht in Wohnung und trägt einen Umzugskarton.

Wie schaffen wir neuen Wohnraum? Und wie viel Platz brauchen wir zum Leben wirklich? Wie kann man aus Altem schnell was Neues bauen? Mit neuen Ideen zur eigenen Wohnung!

03.05.2026 | 43:32 min

Warum sollte auf einem gut erschlossenen Grundstück mit einem Supermarkt nicht gleichzeitig Wohnraum entstehen? Dort, wo es geht - ältere Supermärkte erfüllen häufig nicht die statischen Anforderungen - könnte das Modell zum Standard werden: Supermarkt unten, Wohnungen oben, Parken teilweise unter oder neben dem Gebäude. Die Vorteile liegen auf der Hand. Das Grundstück wird intensiver genutzt, die vorhandene Infrastruktur bleibt erhalten und es muss kein neues Baugebiet am Stadtrand erschlossen werden.

Für Aldi Nord und Süd ist das inzwischen weit mehr als nur eine Idee. In zahlreichen Städten wie Leipzig, Berlin, Bergisch Gladbach oder Mannheim befinden sich konkrete Projekte bereits im Bau oder sind fertiggestellt.

Nur einige Beispiele, die zeigen, dass es Ansatzpunkte gibt, um die Wohnungskrise zu lösen. Was fehlt, ist ein aufeinander abgestimmtes Konzept, welches die vorhandenen Ressourcen schnell und bezahlbar in Wohnungen verwandelt.

Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

So viel Einkommen fließt ins Wohnen
:Mieten oder Kaufen: Was ist wo günstiger?

Ist es teurer, eine Wohnung zu mieten oder den Kredit für einen Kauf abzubezahlen? Eine Studie hat das für alle 400 Kreise und Städte untersucht. So sieht es in Ihrer Region aus.
von Luisa Billmayer und Kathrin Wolff
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Paar mit Umzugskartons und Deutschland-Karten die zeigen, wo Mieten und wo Kaufen günstiger ist
Grafiken
Über dieses Thema berichtete die heute-Sendung am 26.08.2026 ab 17 Uhr.

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