"Hoffnungsschimmer, aber kein Durchbruch":Stärkster Anstieg bei Baugenehmigungen seit zehn Jahren
In Deutschland sind zuletzt wieder mehr Bauprojekte für Wohnungen und Häuser genehmigt worden. Die Wohnungsnot löse dieser Aufwärtstrend aber nicht, sagen Experten.
Der Anstieg an Baugenehmigungen ist im ersten Halbjahr so stark wie seit 2016 nicht mehr. Die Zahl nahm um 15,1 Prozent zu - auch bedingt durch das niedrige Niveau der Vorjahre.
18.08.2026 | 0:27 minDie Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist im ersten Halbjahr so stark gestiegen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Sie nahm um 15,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Demnach wurden seit Jahresbeginn rund 126.300 Baugenehmigungen erteilt.
"Der Wohnungsbau kommt zurück", sagte Bauministerin Verena Hubertz der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings relativierten viele Experten diese Einschätzung. Denn trotz steigender Genehmigungen sei am Ende nicht mit mehr fertiggestellten Wohnungen zu rechnen.
Die Wohnungsnot in Deutschland bleibt eine Baustelle. Weniger als 200.000 Wohnungen sollen dieses Jahr fertig werden. Über Lösungen diskutiert die Branche auf dem Wohnungsbautag in Berlin.
26.03.2026 | 1:33 minAuch das Statistikamt betonte, dass der starke Anstieg vor dem Hintergrund des niedrigen Niveaus in den Jahren 2024 und 2025 zu sehen sei. Höhere Zinsen und Materialkosten hatten in den Vorjahren viele Bauherren abgeschreckt.
Besonders großer Anstieg bei Zweifamilienhäusern
In neu zu errichtenden Gebäuden wurden im ersten Halbjahr insgesamt 103.100 Wohnungen genehmigt. Das waren 15,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
ZDFheute Infografik
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Dabei stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 12,7 Prozent auf 24.000. Bei den Zweifamilienhäusern nahm die Zahl um 27,3 Prozent auf 7700 zu.
In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 67.000 Neubauwohnungen. Das war ein Anstieg um 16,9 Prozent.
Baugewerbe skeptisch: Viele Projekte storniert
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, wollte angesichts dieser Zahlen nicht von einer Trendwende sprechen. "Das ist ein Hoffnungsschimmer, aber noch kein Durchbruch", sagte er. Denn zu viele Projekte würden wieder storniert:
Eine Baugenehmigung ist noch keine gebaute Wohnung. Wenn die Finanzierung danach nicht mehr aufgeht, wird der Auftrag storniert.
Felix Pakleppa, Zentralverband Deutsches Baugewerbe
Der Anteil der hiervon betroffenen Wohnungsbauer erhöhte sich im Juli auf 13,1 Prozent - nach 11,4 Prozent im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut diese Woche mitteilte. "Die Auftragslage entwickelt sich langsam in die richtige Richtung, gleichzeitig werden wieder mehr Projekte storniert", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Das zeigt, wie fragil die Erholung im Wohnungsbau weiterhin ist."
Im letzten Jahr wurden in Deutschland so wenig Wohnungen fertiggestellt wie seit zehn Jahren nicht mehr. ZDF-Börsenexpertin Sina Meinitz erläutert die Gründe dafür.
22.05.2026 | 1:15 minTief bei fertiggestellten Wohnungen
Ifo-Prognosen zufolge dürften in diesem Jahr nur 185.000 Wohnungen fertiggestellt werden - ein 15-Jahres-Tief. 2025 waren es 206.600 Einheiten.
Dabei liegt der Bedarf bei mindestens 300.000 Wohnungen pro Jahr. Die frühere Ampel-Regierung hatte sich 400.000 Wohnungen pro Jahr vorgenommen, das Ziel jedoch nie erreicht.
Das Bundeskabinett hat Gesetze für schnelleren, digitalen und einfacheren Wohnungsbau auf den Weg gebracht. Kommunen sollen zudem mehr Möglichkeiten im Umgang mit Schrottimmobilien erhalten.
27.05.2026 | 1:43 minEin Hindernis für viele Investoren sind weiterhin die hohen Baukosten. Die Bundesregierung will einen Gebäudetyp E - E steht für einfaches Bauen - schaffen. Mit dem Fokus auf Mindeststandards sollen die Baukosten gedrückt werden.
SPD-Ministerin Hubertz kündigte außerdem mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau, den weiteren Abbau von Bürokratie und die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft des Bundes für mehr bezahlbaren Wohnraum an.
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