Vom Jungpolitiker zum Machtpolitiker:Philipp Amthor: Merz-Vertrauter aus Mecklenburg-Vorpommern
von Denise Jacobs
Philipp Amthor kannten früher viele vor allem aus der "heute show". Doch inzwischen hat sich der 33-Jährige in der CDU etabliert. Was den Merz-Fanboy aus dem Osten ausmacht.
Während die AfD neue Höchstwerte erreicht, versucht die CDU ein Debakel im Osten zu verhindern. Die entscheidenden Wochen beginnen.
22.09.2026 | 35:34 minVerchen an der Mecklenburgischen Seenplatte, Sommer-Uni der Jungen Union. Philipp Amthor ist zu Gast beim politischen Nachwuchs. Eigentlich ein Heimspiel für den CDU-Mann aus Ueckermünde. Doch an diesem Tag ist die Stimmung aufgeladen: Daniel Peters, CDU-Spitzenkandidat bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, fordert am Vormittag öffentlich den Rücktritt von Jens Spahn.
Amthor kennt Spahn gut, beide sind befreundet und gehören zum politischen Umfeld von CDU-Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz. Durch die Debatte um die Leihmutterschaft, mit der Spahn und sein Partner Eltern wurden, steht die Union vor einem Dilemma: Wie viel persönliche Loyalität ist möglich, wenn es um politische Glaubwürdigkeit geht?
Typische Antwort von Philipp Amthor: Parteitreu, mit Sinn für politische Mechanik
Amthor findet später klare Worte: Spahns Rücktritt sei richtig und unvermeidbar gewesen. Er selbst sei auch wegen der christlichen Werte in die CDU eingetreten. Persönliche Nähe: ja. Politische Rückendeckung um jeden Preis: nein. Es ist eine typische Amthor-Position: konservativ, parteitreu, aber mit einem ausgeprägten Sinn für politische Mechanik.
Für die Partei beginnt ein Kampf an mehreren Fronten: gegen den Frust im Land, gegen politische Rivalen und gegen interne Zerreißproben.
22.09.2026 | 35:29 minAmthors eigener Weg in der Partei verlief keineswegs geradlinig. 2020 geriet er wegen seiner Tätigkeit für das US-Unternehmen Augustus Intelligence unter Druck, der geplante Aufstieg an die Spitze der CDU in Mecklenburg-Vorpommern war zunächst vom Tisch.
Danach arbeitete er sich zurück: über weniger prominente Funktionen, als Mitgliederbeauftragter der CDU und später als parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. Heute sitzt der 33-Jährige als Staatsminister im Kanzleramt und koordiniert die Bund-Länder-Beziehungen. Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern führt er nach dem Debakel bei der Landtagswahl nun als kommissarischer Vorsitzender. Wie hat er das geschafft?
Amthor ein Fan von Merz
Philipp Amthor gilt als Merz-Fanboy der ersten Stunde. Die Nähe zum Kanzler ist für ihn Chance und Risiko zugleich. Paul Ronzheimer, Journalist der "Bild", hält seine enge Verbindung zu Merz für potenziell gefährlich, sollte dieser eines Tages den Rückhalt in der CDU verlieren.
Alisha Mendgen vom "Focus" sieht dagegen einen Vorteil: "Es gibt in der Union einfach nicht viele Leute, die das Kanzleramt schon mal von innen gesehen haben und die auch wissen, wie das funktioniert." Das werde Amthor in die Karten spielen, so Mendgen.
Weil er vorweisen kann: Ich war Bund-Länder-Koordinator, ich weiß, wie man mit den Ländern umzugehen hat.
Alisha Mendgen, Journalistin beim "Focus", über Philipp Amthor
In der Parteizentrale macht sich Hoffnung breit: Ist ein Wahlerfolg im Westen der Auftakt zur Trendwende? Doch für die CDU beginnt schon die nächste Bewährungsprobe.
22.09.2026 | 34:04 minMecklenburg-Vorpommern als politische Heimat von Amthor
Seine politische Heimat bleibt Mecklenburg-Vorpommern. Amthor versteht sich als Ostdeutscher und ihm fällt immer wieder auf, dass er damit in manchen Berliner Runden der Einzige ist. Zugleich stört ihn, dass Ostdeutschland häufig aus einer Perspektive des Defizits betrachtet werde. "Ich will sagen, ein ostdeutsches Können-Bewusstsein, das kann auch eine Ressource sein, auch für politische Kraft", sagt Amthor.
Wichtig ist, dass Diskussionen über Ostdeutschland auch aus einem Selbstbewusstsein von Ostdeutschen und mit ostdeutschen Stimmen geführt werden.
Philipp Amthor, Staatsminister für Bund-Länder-Beziehungen
Wahlkampf zwischen Schein und Sein: große Versprechungen des Gegners, wenig Zuspruch für die eigenen Kandidaten. Die CDU am Boden.
22.09.2026 | 44:21 minAmthor: Vom Jungpolitiker zum Machtpolitiker
Das prägt auch seinen Wahlkampf im Osten. In Sachsen-Anhalt wirbt Amthor für die CDU und ihren Spitzenkandidaten Sven Schulze. Die AfD ist stark, die Union kämpft um ihre Position - in Mecklenburg-Vorpommern sogar um ihre Existenz. Amthor will die CDU klar von der AfD abgrenzen und zugleich verhindern, dass sie deren Themen und Sprache übernimmt.
Der Politiker, den viele Menschen vor allem aus der "heute-show" kennen, als einstige Witzfigur der CDU, sitzt nun im Zentrum der Regierung. Aus dem auffälligen Jungpolitiker - Carsten Linnemann nannte ihn einst ein "Unikat" - ist ein Machtpolitiker geworden. Einer, dessen Aufstieg eng mit Friedrich Merz verbunden ist.
Philipp Amthor, geboren 1992 in Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern), ist ein Kind der Wiedervereinigung. Seine Eltern trennen sich früh, er wächst bei der alleinerziehenden Mutter auf.
Mit 18 sitzt er im Landesvorstand der Jungen Union von Mecklenburg-Vorpommern, mit 20 wird er Kreisvorsitzender der Jugendorganisation in Vorpommern-Greifswald, dann zieht er als jüngster CDU-Abgeordneter in den Bundestag ein: Im Leben des strebsamen Konservativen ging alles immer etwas schneller als bei anderen Leuten. Zwischendurch beendet er noch sein Jura-Studium mit Prädikatsexamen. In seiner Partei gilt er als großes politisches Talent und gehört zu ihren bekanntesten Gesichtern.
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