Debatte mit Amthor, Lang und Influencer:Parteien und Gen Z: "Es wirkt wie ein Unfall"
Viele junge Menschen wählen Linke oder AfD. Sind CDU und Grüne out? Ricarda Lang, Philipp Amthor und Politik-Influencer Vincent-G debattieren bei ZDFheute live auf der re:publica.
Sehen Sie hier die Debatte bei ZDFheute live in voller Länge.
19.05.2026 | 63:01 minDie politische Landschaft in Deutschland befindet sich im Umbruch. Vor allem bei jungen Wählern zwischen 18 und 29 Jahren haben die Parteien der Mitte massiv an Zustimmung verloren, während die Ränder erstarken.
Bei ZDFheute live diskutieren Ricarda Lang (Grüne), Philipp Amthor (CDU) und der Polit-Influencer Vincent-G mit ZDF-Hauptstadtkorrespondent Wulf Schmiese und Moderatorin Victoria Reichelt über die Gründe für diese Entfremdung und mögliche Auswege.
Vincent-G: Fehlt an Inhalten, die junge Menschen betreffen
Der Polit-Influencer Vincent-G findet deutliche Worte für den Zustand der etablierten Politik. Das Agieren der Parteien, der Streit in der schwarz-roten Koalition, wirke auf junge Menschen abschreckend:
Es wirkt wirklich wie ein Unfall, sich das anzuschauen.
Vincent-G, Polit-Influencer
Laut Vincent-G fehle es schlicht an Inhalten, die die Lebensrealität seiner Generation abbilden. Wenn keine Substanz vorhanden sei, bleibe die Kommunikation bei oberflächlichen "TikTok-Tänzen und Aktenkoffern" hängen.
Er kritisiert zudem die Prioritätensetzung der Politik: Diese orientiere sich vor allem an der zahlenmäßig überlegenen Generation der "Boomer", während die Interessen der Jüngeren - etwa beim Klimaschutz oder der sozialen Umverteilung - hintenanstünden.
Junge Menschen könnten deshalb den Eindruck gewinnen, auf ihre Existenz würde "drauf geschissen". Auch die Strukturen der Parteiarbeit vor Ort seien wenig einladend: Ein "Kaffeeklatsch mit Leuten in ihrem Lebensabend" stelle kein attraktives politisches Angebot dar.
Vincent-G, Ricarda Lang, Victoria Reichelt, Philipp Amthor und Wulf Schmiese (v.l.) beim Talk auf Stage 2 auf der re:publica 2026 in Berlin.
Quelle: action pressPhilipp Amthor: Plädoyer für den Ausgleich und das Aufstiegsversprechen
Philipp Amthor, Staatssekretär im Digitalministerium (CDU), hält dagegen und betont die Bedeutung der klassischen Parteiarbeit für die demokratische Willensbildung. Die CDU sei unter Friedrich Merz wieder zur mitgliederstärksten Partei Deutschlands geworden. Er räumt zwar ein, dass junge Menschen in den Parteistrukturen unterrepräsentiert seien, warnt jedoch davor, Parteien nur negativ zu sehen. Es sei entscheidend, selbst mitzumachen, um nicht von anderen vertreten zu werden. Für Amthor steht die politische Mitte für die Fähigkeit, Gegensätze zu versöhnen:
Die Grundidee der Mitte ist nicht ein geographischer Ort, sondern die Grundidee der Mitte ist, Dinge zu einem Ausgleich zu bringen.
Philipp Amthor (CDU), Staatssekretär im Digitalministerium
Er ist der Auffassung, dass die Union junge Menschen nicht mit Nischenangeboten, sondern durch ein glaubwürdiges "Aufstiegsversprechen" sowie die Themen Bildung, Freiheit und Leistungsgerechtigkeit überzeugen müsse. Er mahnt, Politiker sollten im Parlament wieder mehr Leidenschaft zeigen, statt lediglich Manuskripte vorzulesen.
Bei der re:publica in Berlin wirft ein Zuschauer den jungen Menschen in Deutschland vor, sich politisch zu wenig zu engagieren. Polit-Influencer Vincent-G sieht das jedoch anders.
19.05.2026 | 0:47 minRicarda Lang: Mut zur Vision statt Verteidigung des Status quo
Die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang zeigt sich in der Debatte selbstkritisch:
Jede Partei, die in den letzten Jahren in der Regierung war, hat zu wenig für junge Menschen gemacht.
Ricarda Lang (Grüne), Mitglied des Bundestages
Sie kritisiert, dass Politik häufig von einem ständigen Denken in anstehenden Wahlen geprägt sei - von Landtags- über Europa- bis Bundestagswahlen -, wodurch oft nur kurzfristig geplant werde und langfristige Zukunftsperspektiven immer wieder in den Hintergrund rückten. Sie betont, dass Probleme wie die Klimakrise, hohe Mieten oder ein vom Geldbeutel der Eltern abhängiger Bildungserfolg keine individuellen Schicksale, sondern drängende politische Aufgaben seien. Die demokratischen Kräfte hätten zuletzt oft nur noch den Status quo verteidigt, anstatt Fortschritt zu gestalten:
Wir müssen endlich in die Offensive kommen und auch ein bisschen mehr für eine Vision von der Zukunft kämpfen.
Ricarda Lang, Mitglied des Bundestages (B'90/Grüne)
Lang fordert eine Kommunikation, die dorthin geht, wo es "unangenehm ist" und Widerspruch kommt. Social Media sieht sie dabei als Chance, Menschen zu erreichen, die bisher wenig Zugang zur Politik hatten - sofern man ihnen inhaltlich etwas zuzumuten wage.
Die "re:publica" ist eine der wichtigsten europäischen Digital-Konferenzen. In diesem Jahr geht es unter anderem um Europas digitale Unabhängigkeit von großen Akteuren aus den USA oder China.
18.05.2026 | 1:39 minParteien der Mitte oft zu "schlapp"
In einer Welt voller Verunsicherung seien populistische Parteien "rein handwerklich besser" darin, komplexe Probleme auf simple Antworten zu reduzieren, erklärt Wulf Schmiese, stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios. Die Parteien der Mitte agierten hingegen "viel zu schlapp", um junge Wähler wirksam für ihre Positionen zu gewinnen.
Junge Menschen erlebten heute ein "Kipppunktgefühl", da die Zukunft erstmals düsterer wirke als die Vergangenheit der Eltern. In dieser Phase der Verunsicherung hätten populistische Kräfte einen entscheidenden strategischen Vorteil bei der Kommunikation.
„Never gonna give you up“ als Motto: Auf der re:publica geht es um Vertrauen in die digitale Zukunft. Im Fokus steht Europas digitale Souveränität – also mehr Unabhängigkeit von Tech-Giganten.
18.05.2026 | 2:35 minAusblick auf die kommenden Wahlen
Mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Ostdeutschland mahnt Influencer Vincent-G, dass aus dem "lauen Lüftchen" der Mitte endlich ein stärkerer Wind werden müsse. Während Amthor auf die "Kraft des Kompromisses" setzt, um den Erfolg extremer Parteien zu verhindern, warnt Lang eindringlich vor den Folgen einer Regierungsbeteiligung der AfD, die das Leben von Millionen Menschen unmittelbar verschlechtern würde.
Alle Beteiligten sind sich einig: Nur durch wiedergewonnenes Vertrauen lässt sich die Zukunft der Demokratie sichern.
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