Neue Jugendstudie 2026:Deutschland verlassen? Warum sich das viele Junge überlegen
von Stephanie Schmidt
Dauerkrisen, unsichere Berufsperspektiven, Wohnungsnot: Viele junge Menschen empfinden laut einer Jugendstudie großen mentalen Stress - und denken sogar über Auswandern nach.
Wie blicken junge Menschen in Deutschland auf die aktuelle Lage? Eine neue Studie gibt Einblicke.
25.03.2026 | 2:45 minWas machen die Dauerkrisen der letzten Zeit mit jungen Menschen? Die nun veröffentlichte neunte Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026 - Zukunft unter Druck" zeichnet ein Bild, das in weiten Teilen wie eine Abrechnung mit Deutschland klingt.
Bildungsforscherin Nina Kolleck von der Uni Potsdam hat die Studie begleitet und bestätigt den negativen Trend: "Zwar ist die Talfahrt der vergangenen Jahre vorerst gestoppt, doch bei der Mehrheit junger Menschen überwiegt eine starke Unzufriedenheit mit der Wirtschaft, dem Zusammenhalt, der Wohnraumsituation und den politischen Verhältnissen in Deutschland."
Jugendstudie: Viele Befragte können sich vorstellen, Deutschland zu verlassen
Bei der Frage, welche Themen jungen Menschen Sorge bereiten, werden am häufigsten die Kriege in Europa und Nahost (62 Prozent) genannt. Auch die Sorge vor teurem und knappem Wohnraum wird stärker wahrgenommen.
ZDFheute Infografik
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Die Studienteilnehmerin Ela sieht auch die Sozialen Medien als Problemfaktor:
Großer Stressfaktor ist für viele Social Media.
Studienteilnehmerin Ela
Dort werde zum Beispiel durch Influencer ein perfektes Leben vorgegaukelt, das zu großem Anpassungs- und Leistungsdruck führe - und auch die Schnelllebigkeit nehme im Leben zu.
Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt: Mehr als ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen nutzen soziale Medien in riskantem oder krankhaftem Ausmaß. Hunderttausende gelten als suchtkrank.
16.02.2026 | 0:42 minInteressant sei bei der Studie auch ein neu zu beobachtendes Thema gewesen, sagt Kolleck: "Wir haben bei der Befragung einen Aspekt noch hinzugenommen, da diese Sorge sehr oft ungefragt genannt wurde und wir sie deshalb wichtig fanden."
Die Sorge um Donald Trump als Präsident der USA erhielt 45 Prozent Zustimmung.
Nina Kolleck, Universität Potsdam
Und auch der Klimawandel treibe weiterhin 45 Prozent der jungen Generation um.
Überraschend hoch ist die Bereitschaft, Deutschland perspektivisch zu verlassen. 41 Prozent der 14- bis 29-Jährigen können sich vorstellen, künftig lieber in einem anderen Land zu leben. Nur 31 Prozent verneinen diese Aussage, während der Rest unentschlossen ist.
Angesichts steigender psychischer Belastungen von Kindern und Jugendlichen fordert die Bundesschülerkonferenz einen Zehn-Punkte-Plan mit Forderungen an die Politik.
30.10.2025 | 1:41 minAngesichts der Schieflage auf dem Arbeitsmarkt, Debatten über wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlicher Krisen könnten diese Werte von erheblicher Tragweite sein. Zudem gibt ein Fünftel (21 Prozent) der jungen Generation an, konkrete Pläne zu haben, aus Deutschland wegzuziehen.
... ist Bildungsforscherin, Buchautorin, Politikwissenschaftlerin und seit 2023 Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. Zuvor hatte sie Professuren in Aachen, an der FU Berlin und in Leipzig inne. Für ihre innovative Forschung wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem vom Europäischen Forschungsrat und von der Max-Planck-Gesellschaft.
Forscherin: Junge Menschen hinterfragen Zukunftsperspektive
Als Grund dafür wurde auch die Situation auf dem Wohnungsmarkt angegeben. "Damit wird Wohnen nicht nur zu einer Kostenfrage, sondern auch zu einer Standortfrage", sagt Nina Kolleck.
Viele junge Menschen fragen sich inzwischen ganz konkret, ob sie ihre Zukunft noch in Deutschland sehen oder lieber im Ausland.
Nina Kolleck, Universität Potsdam
Die Zahl wohnungsloser Minderjähriger in Deutschland ist stark gestiegen. Anfang 2025 waren mehr als 137.100 Kinder und Jugendliche betroffen. Ein Grund ist laut Regierung der Ukraine-Krieg.
13.03.2026 | 0:41 minAuch das politische Bild der jungen Generation im Jahr 2026 erscheint widersprüchlich und lässt sich laut der Studie weder mit dem Schlagwort der Politikverdrossenheit noch mit der Diagnose einer radikalisierten Jugend beschreiben. Die Jugend traue sich zu, politische Fragen zu verstehen und zu diskutieren. Gleichzeitig sei ihr Vertrauen in politische Institutionen gering.
Einer der Teilnehmer erklärte es so: "In Deutschland habe ich Meinungsfreiheit, das finde ich gut, aber junge Menschen werden von der Politik nicht ernst genommen und in anderen Ländern habe ich vielleicht bessere Perspektiven."
Wie stehen junge Menschen zur Parteienlandschaft?
Eine deutliche Mehrheit hat der Studie zufolge nicht den Eindruck, dass Politiker*innen die Perspektiven "einfacher Leute" ausreichend berücksichtigten. Parteien der Mitte würden unter jungen Menschen dadurch an Unterstützung verlieren, während klar profilierte Oppositionsparteien an Zustimmung gewönnen.
Viele Uni-Absolventen finden schwer Jobs. Das könnte daran liegen, dass junge Menschen der Gen Z oft Studiengänge wählen, die nicht zur Arbeitswelt passen. Also lieber ins Handwerk?
10.12.2025 | 1:50 minBesonders stark ist der Zugewinn für die Linke, die mit 25 Prozent erstmals in der Studien-Historie die stärkste Kraft unter jungen Wähler*innen darstellt. Die AfD erreicht 20 Prozent und bleibt damit ebenfalls ein zentraler politischer Bezugspunkt für einen Teil der jungen Generation.
ZDFheute Infografik
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Die politischen Präferenzen junger Menschen verlaufen zunehmend entlang geschlechtsspezifischer Linien. Junge Frauen unterstützen deutlich häufiger Parteien wie die Linke oder die Grünen, während junge Männer überdurchschnittlich oft Parteien des konservativen oder rechten Spektrums bevorzugen.
Nina Kolleck, Universität Potsdam
- Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: AfD stärkste Kraft bei 18- bis 44-Jährigen
Studienteilnehmer Vincent kritisiert vor allem, dass aus seiner Sicht die Belange junger Menschen zu wenig berücksichtigt werden "bei den Themen, wo es wirklich wichtig ist". Er nennt als Beispiele die Rentenpolitik, Klimaschutz und den Wehrdienst.
Die Macher der Jugendstudie 2026 mahnen an, die Sorgen dieser Generation ernst zu nehmen. Nina Kolleck fasst es so zusammen:
Wenn wir die Anliegen junger Menschen nicht ernst nehmen, übersehen wir, dass sie unsere Zukunft sind und riskieren angesichts des Fachkräftemangels, wichtige Potenziale zu verlieren.
Nina Kolleck, Universität Potsdam
Stephanie Schmidt ist Redakteurin bei der Sendung "Volle Kanne".
Die Studie "Jugend in Deutschland" wurde von Jugendforscher Simon Schnetzer ins Leben gerufen und ist eine regelmäßige Trendstudie, die Einstellungen, Sorgen und Zukunftsperspektiven von 14- bis 29-Jährigen untersucht. Sie beleuchtet Themen wie Politik, Arbeit, psychische Gesundheit und Digitalisierung.
Die Längsschnittstudie wurde 2010 gegründet und wird seit dem Jahr 2020 in regelmäßigem Abstand wiederholt. Dialogische Validierung der Studienergebnisse erfolgt durch Schul- und Zukunftsworkshops sowie durch Fachkommentare von Expert*innen.
Debatte um Arbeitsmoral:"Junge Leute sind fleißig wie lange nicht mehr"
von Annika Blockmit Video4:56Unterschiede "gravierend":Junge Leute: Anderer Wohnort, andere Chancen
mit Video1:45Studie zu 14- bis 29-Jährigen:Trotz Krisen: Junge bleiben zuversichtlich
mit Video1:36Unicef-Bericht:Deutschland: Wohlergehen von Kindern nimmt ab
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