Faule Gen Z: "Junge Leute sind fleißig wie lange nicht mehr"

Debatte um Arbeitsmoral:"Junge Leute sind fleißig wie lange nicht mehr"

von Annika Block

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Junge Menschen beteiligen sich so stark am Arbeitsmarkt wie seit Jahrzehnten nicht. Das legt eine aktuelle Studie nahe und widerlegt damit die Annahme der faulen Gen Z.

Ein junge Frau sitzt müde im Büro

Arbeiten die Deutschen zu wenig? Aus der CDU kam der Vorschlag, das Recht auf Teilzeit abzuschaffen. Wir treffen Menschen bei der Arbeit, die uns ihre Sichtweise schildern.

21.02.2026 | 4:56 min

"Wenn unsere Eltern mit dieser Mentalität an die Arbeit gegangen wären, die wir heute zum Teil sehen" - dann hätte Deutschland den heutigen Wohlstand nicht. Das meint zumindest Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Der CDU-Wirtschaftsflügel sprach derweil zuletzt von der "Lifestyle-Teilzeit", der Anspruch solle eingeschränkt werden. Zu viele Menschen würden ihre Teilzeit nutzen, um sich aus der von der Politik hoch gepriesenen Leistungsgesellschaft zurückzuziehen und ihre Zeit für Freizeitaktivitäten nutzen.

Doch was ist dran an der angeblich schwindenden Arbeitsmoral? Und ist die neue Generation Z - also Personen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden - wirklich fauler?

Aufgeheizte Debatte um "Lifestyle-Teilzeit"

Kritik an der "Lifestyle-Teilzeit" wurde unter anderem von der Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Yasmin Fahimi, laut. Sie sagte der "Rheinischen Post": "Das Recht auf Teilzeit abschaffen zu wollen, ist der nächste Tiefpunkt einer Debatte, die mit der Lebensrealität der Menschen nichts zu tun hat." Unbezahlte Sorgearbeit und fehlende Kinderbetreuung etwa ließen zahlreichen Frauen keine Wahl, sie würden nicht freiwillig weniger arbeiten.

Politischer Aschermittwoch - Rheinland-Pfalz

Mehr Arbeit für mehr Wohlstand? Vor dem CDU-Parteitag wirbt Kanzler Merz für einen Mentalitätswechsel - und grenzt sich klar von "Lifestyle-Teilzeit" und Steuererhöhungen ab.

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Der CDU-Wirtschaftsflügel ruderte zurück, der Antrag trägt inzwischen die Überschrift "Teilzeitansprüche ordnen - Erwerbstätigkeit stärken". Er ging ohne Diskussion am CDU-Parteitag am 20. Februar 2026 durch.

Chefin der Wirtschaftsweisen setzt sich für Gen Z ein

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer kritisiert die Forderungen der CDU scharf und nimmt junge Generation in Schutz. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte sie Anfang Februar:

Die Gen Z arbeitet mehr als die Generationen vor ihr.

Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise

Zwei Personen bei der Arbeit

Im Januar waren über drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenquote stieg auf 6,6%. Wie geht es den Berufsanfängern und wie tickt die Generation Z?

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Mit Blick auf die Arbeitszeitdebatte sagte sie, ihrer Auffassung nach würde die Politik erneut einen Schuldigen suchen, der die wirtschaftliche Lage erklärt. "So kommen wir nicht weiter."

Ist Gen Z faul? Das sagen Forscher

Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeichnet ein anderes Bild. In einer Untersuchung heißt es: Junge Beschäftigte im Alter von 20 bis 24 Jahren beteiligen sich so stark am Arbeitsmarkt wie seit Jahrzehnten nicht. Von 2015 bis 2023 seien sowohl die Teilzeit- als auch die Vollzeitbeschäftigung stark gestiegen. Dabei arbeiten besonders Studierende in Teilzeit immer öfter, oft wird neben dem Lernen in Nebenjobs Geld verdient.

Enzo Weber, IAB-Forschungsbereichsleiter, sagt dazu:

Dass die Generation Z viel fordert, aber wenig arbeitet, ist ein verbreitetes Vorurteil. Doch es ist falsch. Die jungen Leute sind fleißig wie lange nicht mehr.

IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber

Student in einer Universität

Viele Uni-Absolventinnen und Absolventen finden schwer Jobs. Das könnte daran liegen, dass junge Menschen der Gen Z oft Studiengänge wählen, die nicht zur Arbeitswelt passen. Also lieber ins Handwerk?

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Burnouts bei jungen Beschäftigten

Ein Aspekt, der in der Debatte dabei oft nicht genug Berücksichtigung erfährt, ist der der mentalen Gesundheit. Im Gesundheitsreport der DAK-Krankenkasse aus dem vergangenem Jahr heißt es, viele junge Beschäftigte würden unter den Nachwirkungen der Covid-Pandemie sowie unter Generationenkonflikten leiden.

Das Robert-Koch-Institut hatte im Jahr 2024 festgestellt: Mehr als ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland litt unter mentalen Problemen. Besonders junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren wiesen mit 40 Prozent ein niedriges psychisches Wohlbefinden auf.

Eine Person hält ein Smartphone in der Hand, auf dem eine Suchanfrage mit der Frage «Bin ich müde oder depressiv?» in einem KI-Chatfenster zu sehen ist.

Rund die Hälfte aller Menschen in Deutschland hat bereits online nach Informationen zu Depressionen gesucht. Vor allem KI und Social Media werden wegen der Anonymität genutzt.

25.11.2025 | 1:40 min

Das unterstreicht auch der DAK-Bericht: Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen seien laut der Studie besonders bei jungen Frauen unter 19 Jahren stark vertreten. Rund ein Drittel der weiblichen Beschäftigen und ein Fünftel der männlichen bekamen im Jahr 2023 die Diagnose einer psychischen Erkrankung.

Auch die Freie Krankenkasse hatte 2025 festgestellt, dass die Zahl der Burnout-Erkrankungen bei jungen Menschen stark nach oben ging. Zwischen 2018 und 2024 seien die Erkrankungen bei den 18- bis 34-jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern um 136 Prozent angestiegen. Die Zahl der Depressionen habe zudem um 36 Prozent in dieser Altersgruppe zugenommen.

Wunsch nach weniger Arbeit

Was sich in der Diskussion um die Arbeitszeit aber tatsächlich zeigt: Junge Menschen möchten weniger arbeiten als früher. Zu diesem Schluss kam das Institut der Deutschen Wirtschaft im Jahr 2024. Doch auch die älteren Beschäftigen wünschten sich weniger Arbeitszeit. Diese "Freizeitpräferenz" sei demnach altersunabhängig.

Quelle: mit Material von dpa, epd, AFP
Über dieses Thema berichtete der Länderspiegel am 21.02.2026 ab 17:05 Uhr.

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