Krise der CDU?:Amthor: Wegner "erschüttert Glaubwürdigkeit"
von Felix Rappsilber
Philipp Amthor (CDU) kritisiert Parteikollegen: Kai Wegner solle seine Kommunikation "gerade rücken". Im Bundestagswahlkampf habe die Union einen falschen Eindruck erweckt.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 8. Januar 2026 in voller Länge.
08.01.2026 | 75:31 minSollte Kai Wegner (CDU) als Berlins Regierender Bürgermeister zurücktreten? Sein Parteikollege Philipp Amthor wich am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" einer eindeutigen Antwort aus:
Das erschüttert Glaubwürdigkeit von Politik und Krisenmanagement, aber ich wünsche ihm alles Gute, dass er das auch einfängt.
Philipp Amthor, CDU
Aufgrund eines Brandanschlags war am Samstagmorgen in Teilen Berlins der Strom ausgefallen. Dass Wegner nicht vor Ort gewesen war, rechtfertigte er folgendermaßen: "Ich war zuhause, habe mich in meinem Haus eingeschlossen im wahrsten Sinne und die Lage von dort aus koordiniert."
Der Strom im Süden Berlins ist wieder zurück. Jedoch wächst die Kritik an Kai Wegner, wegen eines verschleierten Tennisbesuchs und seiner Krisenkommunikation.
08.01.2026 | 2:52 minErst auf Nachfrage bestätigte Berlins Regierender Bürgermeister, dass er am Samstagnachmittag eine Stunde Tennis gespielt hatte.
Amthor betonte:
Das ist immer wichtig, zu politischen Fehlern zu stehen. Und wenn da so ein kommunikativer Eindruck entsteht, sollte man den auch gerade rücken.
Philipp Amthor, CDU
Er sei froh, "dass der Senat richtig und entschlossen reagiert hat": "Das ist eine Situation, die katastrophal ist [...]. Und da muss ein Berliner Regierender Bürgermeister mit voller politischer Verantwortung reingehen und ich habe den Eindruck, dass er das tut."
Wegen eines mutmaßlich linksterroristischen Brandanschlags auf Stromleitungen waren in Berlin rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe tagelang ohne Strom und Heizung.
07.01.2026 | 1:39 minAmthor: Berechtigte Portion Selbstkritik
Nicht nur Kai Wegner, sondern auch Bundeskanzler Friedrich Merz ringt derzeit um klare Kommunikation in Krisenzeiten. Zum Jahresauftakt hatte er die Ankurbelung der deutschen Wirtschaft zur höchsten Priorität erklärt. Merz räumte in einem Brief an die Abgeordneten von Union und SPD ein: Die Lage sei "in einigen Bereichen der Wirtschaft sehr kritisch".
Im Brief des Kanzlers sei eine berechtigte "Portion Selbstkritik" enthalten, so Amthor. Denn die Union habe einen falschen Eindruck der Lage erweckt: "'Da muss einer mal einen Schalter umlegen. Da kommt einer, der kann lesen, schreiben, rechnen und dann läuft das wieder mit der Wirtschaft in Deutschland.' - So ist es aber nicht." Amthor gestand ein:
Der Reformstau in diesem Land ist ja auch nicht nur in drei Jahren Ampel entstanden. Er ist auch in unserer Regierungsverantwortung entstanden und er ist größer, als wir ihn adressiert haben.
Philipp Amthor, CDU
Die Bundesregierung habe eine Unternehmenssteuerreform angestoßen und im Bereich Bürokratie-Rückbau viel gemacht. Das reiche noch nicht, sei aber der Anfang dessen, "dass wir jetzt mit Beharrlichkeit diese Reformen durchziehen".
Laut Ifo-Institut wird in den kommenden Jahren ein geringeres Wirtschaftswachstum für Deutschland erwartet als zuvor. Grund: ausbleibende Reformen und die US-Zollpolitik.
11.12.2025 | 0:26 minMiele: Koalition hat mehr gestritten als reformiert
Startup-Investor Christian Miele war wegen Friedrich Merz in die CDU eingetreten: "2024, als die Ampel zerbrochen ist, habe ich das Gefühl gehabt: Wenn jetzt Friedrich Merz Bundeskanzler wird, dann wird sich etwas ändern müssen."
Nun zeigte er sich enttäuscht: "Dann wird für den Sommer was versprochen, dann wird für den Herbst was versprochen und da kommt gar nichts." Mieles Eindruck sei "wirklich furchtbar":
Die Koalition zwischen SPD und CDU hat viel mehr gestritten, als dass sie konstruktiv an wirklich großen Reformen gearbeitet haben.
Christian Miele, Startup-Investor
Die Bundesregierung steht vor großen Strukturaufgaben. Zum Jahresende steht die Regierung auf dem Prüfstand. Wo wurden Reformen angestoßen, wo bleiben zentrale Probleme ungelöst?
29.12.2025 | 2:26 minAmthor: Dinge machen und umsetzen
Amthor habe keine Lust mehr darauf, dass jeden Tag "in dieser Selbstbeschäftigung in der Koalition Therapiestunden entstehen, wo man sagt: 'Wie schlimm ist alles? In einer hypothetischen Welt könnte es besser sein.'"
Er appellierte: "Die Dinge machen, umsetzen! [...] Beim Bundeskanzler funktioniert das richtig mit dem notwendigen Schwung." Wenn die Abgeordneten von Union und SPD über Sachfragen diskutierten, würden sie zur Lösung kommen:
Aber es nervt mich, dass wir eine öffentliche Diskussion haben, an der wir uns selbst auch oft beteiligen, sie selbst ja schaffen, wo nur noch über Stimmungen im Land gesprochen wird.
Philipp Amthor, CDU
Das sei zwar "leicht", aber eine "Entpolitisierung der Diskussion".
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