Krisenmanagement von Kai Wegner:Tennis im Blackout - Berlins Bürgermeister in der Kritik
von Sylvia Bleßmann
Der Strom ist wieder da in Berlin. Doch für den Regierenden Bürgermeister ist die Krise nicht vorbei. Als Teile der Stadt bibberten, spielte er Tennis und verschwieg das zunächst.
Der Strom im Süden Berlins ist wieder zurück. Jedoch wächst die Kritik an Kai Wegner, wegen eines verschleierten Tennisbesuchs und seiner Krisenkommunikation.
08.01.2026 | 2:52 minFehler werden verziehen - Unwahrheiten deutlich schwerer. Als Kai Wegner (CDU) am Sonntagvormittag an einem Katastrophenstützpunkt gefragt wurde, wo er denn den ganzen Samstag gewesen sei, antwortete er:
Ich war zu Hause, habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen, im wahrsten Sinne. Und habe dann koordiniert.
Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister Berlin
Anschlag auf Stromnetz in Berlin - Zehntausende ohne Strom
Es war 6:13 Uhr, als durch einen Anschlag am Samstag, den 3. Januar, plötzlich 100.000 Menschen im Großstadt-Winter ohne Strom, Heizung und Kommunikation waren. Um 8:47 Uhr sendete das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe via Newsticker die Info: Stromausfall Berlin Steglitz-Zehlendorf. 10:43 Uhr meldete Stromnetz Berlin, dass unklar sei, wann der Strom wieder da sein werde, da der Schaden enorm groß sei.
Zwischen 13 und 14 Uhr geht der Regierende Bürgermeister eine Stunde Tennis spielen, so Recherchen des RBB. Mittlerweile weiß die ganze Stadt auch, mit wem er sich die Auszeit beim Sport nahm: mit seiner Lebensgefährtin, der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Als das bekannt wurde, räumte er ein, er wollte "einfach den Kopf frei kriegen".
Seit 8:07 Uhr hätte er am Telefon gesessen und die Behörden abtelefoniert. Er sei die ganze Zeit erreichbar gewesen und hätte sich gleich nach dem Match wieder dem Krisenmanagement gewidmet.
Diese nachträgliche Korrektur wirkte nicht mehr wie Transparenz, sondern wie Schadensbegrenzung. Wegner war überführt - zumindest der unvollständigen Darstellung der eigenen Rolle.
Wegen eines mutmaßlich linksterroristischen Brandanschlags auf Stromleitungen waren in Berlin rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe tagelang ohne Strom und Heizung.
07.01.2026 | 1:39 minWegen Tennisspiel: AfD fordert Rücktritt von Wegner
Die Kritik dreht sich in erster Linie nicht um das Tennisspiel. Schwerer wiegt die kommunikative Ausflucht. Das Zurechtrücken der eigenen Rolle, das Nachliefern der ganzen Wahrheit. Politik lebt von Vertrauen und im September wird in Berlin gewählt.
Für seine Gegner ist dieser symbolische Schaden ein Geschenk. Die AfD fordert seinen Rücktritt:
Schlimm, dass der Regierende Bürgermeister eine Notlage, die durch einen Terrorangriff ausgelöst wurde, nicht ernst genug nimmt.
Kristin Brinker, Landes- und Fraktionsvorsitzende Berliner AfD
Linke und Grüne kritisieren
Die Linke kritisiert: "Während die einen frieren, spielen die anderen Tennis. Mehr muss man nicht wissen", sagt Maximilian Schirmer, Ko-Landesvorsitzender der Berliner Linken. Und Grünen-Fraktionschef Werner Graf hält fest, dass Wegner der Bevölkerung "in einer dunklen Stunde dieser Stadt" nicht die Wahrheit gesagt habe.
Linksextreme Gruppierungen gäbe es in Deutschland schon lange. Ihr Ziel sei es, jegliche Staatenstruktur zu zerstören, sagt Terrorismusexperte Schindler bei ZDFheute live.
07.01.2026 | 13:20 minBerliner SPD stellt sich hinter Bürgermeister
Die mitregierende SPD wird die Koalition nicht platzen lassen. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey spricht von erfolgreichem Krisenmanagement und äußert sich zaghaft kritisch:
Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, ich erlebe aus der Bevölkerung sehr irritierte Reaktionen.
Franziska Giffey (SPD)
Man kann das Geschehene sicher sachlich relativieren. Ein Bürgermeister repariert keine Kabel. Koordination funktioniert auch am Telefon. Doch Führung in der Krise heißt nicht: "Ich hab alles im Griff", sondern: "Ich bin da." Der Schaden ist da.
Die linksextreme Vulkangruppe hat sich zum Brandanschlag in Berlin bekannt. Seit 2011 gibt es Anschläge unter dem Namen, gefasst wurde bisher niemand. ZDFheute live analysiert.
07.01.2026 | 26:47 minDie Berliner CDU hat sich nach einer Telefonkonferenz am Morgen hinter Wegner gestellt. Für den 25. Januar ist eine Regierungserklärung angekündigt. Ob dieser Vorfall politische Konsequenzen haben wird, hängt davon ab, wie Kai Wegner den Eindruck korrigieren kann, die Lage nicht ernst genug genommen zu haben. Denn verfestigt sich das Bild eines Bürgermeisters, der instinktlos agiert und dann aus Selbstschutz nicht klar kommuniziert, wird jeder künftige Krisenfall unter diesem Vorzeichen gelesen.
Sylvia Bleßmann berichtet aus dem ZDF-Studio in Berlin
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