Viele Haushalte tagelang ohne Strom:Tennis statt Krise? Berlins Bürgermeister Wegner unter Druck
von Johannes Lieber
Der Strom in Berlin ist wieder da, die Debatte um die Sicherheit der Infrastruktur geht aber weiter. Bürgermeister Wegner gerät wegen seines Krisenmanagments unter Druck.
Wegen eines mutmaßlich linksterroristischen Brandanschlags auf Stromleitungen waren in Berlin rund 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe tagelang ohne Strom und Heizung.
07.01.2026 | 1:39 minVor "extremer Gefahr" waren alle Berlinerinnen und Berliner am Mittwoch-Morgen gewarnt worden - inklusive schrillem Ton per Push-Mitteilung auf den Handys. Erst beim genaueren Hinschauen wurde klar: Es handelte sich eigentlich um eine Entwarnung. Der Strom in Berlin war nämlich größtenteils wiederhergestellt worden.
Bürgermeister Wegner zunehmend unter Druck
Trotzdem nun wohl alle Haushalte es wieder warm haben, ist der Vorfall noch lange nicht ausgestanden: Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der im September wiedergewählt werden will, gerät momentan zunehmend unter Druck. Kritisiert wird, dass er nicht zu Beginn des Blackouts vor Ort war.
Ich war zuhause, habe mich in meinem Haus eingeschlossen im wahrsten Sinne und die Lage von dort aus koordiniert.
Kai Wegner, Berliner Bürgermeister
sagte er. Von 13 bis 14 Uhr habe er zudem Tennis gespielt, wie der rbb recherchierte.
Darüber will die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus nun in einer Sondersitzung am heutigen Donnerstag mit Wegner sprechen.
Kai Wegner (CDU) spricht vor einer Sitzung mit Katharina Günther-Wünsch (CDU), Berliner Bildungssenatorin - und Wegners Lebensgefährtin.
Quelle: dpaUrsache war Anschlag auf eine Kabelbrücke
Seit Samstagvormittag saßen rund 100.000 Menschen in Berlin im Kalten und im Dunkeln. Ausgelöst hatte den Stromausfall ein Anschlag auf eine Kabelbrücke. Mutmaßlich verantwortlich: eine linksextreme Gruppe. Bis Mittwoch hatte es gedauert, das Problem flächendeckend in den Griff zu bekommen.
Die linksextreme Vulkangruppe hat sich zum Brandanschlag in Berlin bekannt. Seit 2011 gibt es Anschläge unter dem Namen, gefasst wurde bisher niemand. ZDFheute live analysiert.
07.01.2026 | 26:47 minExperte: Kein "vollständiger" Schutz möglich
Gegen einen solchen Angriff auf die kritische Infrastruktur könne man sich "nicht vollständig schützen", so Christian Rehtanz, Professor für Energiewirtschaft an der Universität Dortmund gegenüber ZDFheute. Die städtischen Stromleitungen lägen zwar "überwiegend unterirdisch" und damit geschützt, Strommasten oder Kabelbrücken, wie im Fall von Berlin, seien aber verwundbar, so der Experte.
Verschiedene Leitungen, die sich normalerweise gegenseitig absichern sollten, lagen in diesem konkreten Fall direkt nebeneinander. "Somit konnte an einem Ort eine gleichzeitige große Störung verursacht werden", so Rehtanz. Normalerweise müssten verschiedene Stellen "gleichzeitig manipuliert werden", was den Aufwand deutlich erhöhe.
Die Täter des Brandanschlags in Berlin hätten ganz bewusst Todesfälle riskiert. Die Prognose von Ex-Ermittler Nachtigall: Es wird weitergehen und heftiger werden, sagt er bei ZDFheute live.
07.01.2026 | 10:30 minLaut dem Experten müsse man sich für Angriffe solcher Art "gut auskennen". Viele Daten seien aber "leider auch öffentlich verfügbar", so Rehtanz.
Bundesregierung plant besseren Schutz der Infrastruktur
Für die Bundesregierung besteht aktuell eine gute Möglichkeit, den Schutz vor Krisen und Angriffen auf die kritische Infrastruktur zu verbessern. Im Bundestag wird aktuell über das "KRITIS-Dach"-Gesetz beraten. Mit diesem Vorhaben sollen die wichtigsten Betreiber von kritischer Infrastruktur identifiziert und verpflichtet werden, bestimmte Mindeststandards bei der Risikoabwehr einzuhalten.
Nach einem Bekennerschreiben ist nun ein neues Schreiben unter dem Namen der Vulkan-Gruppe aufgetaucht, welches sich von der Tat distanziert. ZDF-Korrespondent Carsten Behrendt berichtet.
07.01.2026 | 1:24 minAngesichts des Anschlags auf das Berliner Stromnetz wurden zuletzt Forderungen laut, dass dieses Gesetzesvorhaben nochmal verschärft werden soll. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert etwa, die Transparenzpflichten der Betreiber einzuschränken. Kritische Infrastruktur werde "quasi auf dem Silbertablett" präsentiert, so Kerstin Andreae, die Geschäftsführerin des Verbands.
SPD-Berichterstatter offen für Änderungen
Ursprünglich war geplant, das Gesetz kommende Woche im Bundestag zu verabschieden. Noch ist unklar, ob es auch dazu kommt. Johannes Schätzl ist Mitglied des zuständigen Innenausschusses und der Berichterstatter der SPD zu diesem Thema. Änderungen am Entwurf schließt er auf ZDFheute-Anfrage nicht aus.
Wir werden auch vor dem Hintergrund des Anschlags genau prüfen, welche Verschärfungen und Änderungen am aktuellen Entwurf geboten sind.
Johannes Schätzl, SPD
Die Balance zwischen "Transparenz und Schutzzielen" müsse aber "bestmöglich ausgestaltet" werden.
Die linksextreme Vulkangruppe hat sich zum Brandanschlag in Berlin bekannt. Seit 2011 gibt es Anschläge unter dem Namen, gefasst wurde bisher niemand. ZDFheute live analysiert.
07.01.2026 | 26:47 minNach dem letzten Anschlag auf das Berliner Stromnetz im September 2025 in Adlershof wurde zwar ein Resilienz-Konzept zur Stromversorgung entwickelt und auch ein Gesetz vom Senat verabschiedet, aber der Zustand des Katastrophenschutzes ist nach wie vor alarmierend.
"Das ist kein Spaß, hier spielt man bewusst mit dem Leben von Menschen", so Kai Wegner (CDU), Bürgermeister von Berlin, zum Stromausfall. "Wir werden den Druck auf diese linke Szene deutlich erhöhen".
05.01.2026 | 5:43 min"Man arbeite daran" und im Übrigen sei Berlin "blank" gewesen, als er das Amt übernommen habe, so Bürgermeister Wegner. Das ist mittlerweile fast drei Jahre her.
Johannes Lieber berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin. Redaktionelle Mitarbeit: Sylvia Bleßmann.
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