Anschlag auf Stromnetz in Berlin: Wer sind die Vulkangruppen?

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Anschlag auf Stromversorgung in Berlin:Was ist über die Vulkangruppen bekannt?

von Katja Belousova, Michael Strompen, Frank Vieltorf

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Zum Anschlag auf das Berliner Stromnetz hat sich eine "Vulkangruppe" bekannt. Die Polizei hält das Bekennerschreiben für echt. Denn es enthält Detailwissen vom Tatort.

Helfer bringen eine ältere Frau während eines Stromausfalls in eine Notunterkunft in einer Schulturnhalle im Südwesten Berlins, Deutschland, 5. Januar 2026.

Im Südwesten von Berlin haben viele Haushalte seit Samstag keinen Strom. Die Menschen unterstützen sich in dieser Situation gegenseitig.

05.01.2026 | 1:38 min

Es ist ein kalter Januar-Samstag, als Tausende Menschen im Südwesten Berlins plötzlich ohne Strom dasitzen - betroffen sind insgesamt 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbeeinheiten. In den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf und Wannsee soll die Stromversorgung erst wieder ab Donnerstag komplett wiederhergestellt sein. Bis dahin müssen die Menschen vor Ort ohne Licht und teils auch ohne Heizung ausharren - mitten im Winter.

Auslöser des Stromausfalls war Behördenangaben zufolge der Brand an einer Kabelbrücke - mutwillig gelegt von einer "Vulkangruppe". Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin übernahm am Montag die Ermittlungen.

05.01.2026, Berlin: Bauarbeiten am Ort des Kabelbrandes.

Um das Berliner Stromnetz wieder zum Laufen zu bringen, müssen zwei verschiedene Kabeltechnologien verbunden werden. Das macht die Reparaturen schwierig.

05.01.2026 | 1:44 min

Wer steckt hinter den Vulkangruppen?

"In Berlin und Brandenburg werden seit dem Jahr 2011 in unregelmäßigen Abständen Brandanschläge auf neuralgische Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen", schreibt das Bundesamt für Verfassungsschutz über die Gruppierung.

Nach den Taten veröffentlichen anonyme Autoren, die sich selbst als 'Vulkangruppen' bezeichnen, Bekennerschreiben auf einschlägigen Internetplattformen.

Bundesamt für Verfassungsschutz

Ideologisch seien sie im "anarchistischen Spektrum zu verorten". Tatsächlich gab es nach ZDFfrontal-Recherchen 2024 durchaus Sympathie in Teilen der linksradikalen Szene für die Aktionen. Distanzieren von den Taten wollte sich damals kaum jemand. 

Über die Gruppierung ist - bis auf ihre linksextremistische Gesinnung - bislang nur wenig bekannt: Wer und wie viele Mitglieder sie hat und wie diese sich organisieren, ist unklar.

Polizisten um einen Strommasten in Brandenburg.

Seit dem Anschlag auf einen Strommast nahe der Tesla-Fabrik in Brandenburg tappen die Ermittler im Dunkeln. Wer sind die Brandstifter der "Vulkangruppe"?

23.04.2024 | 10:01 min

Was steht im aktuellen Bekennerschreiben?

Das Bekennerschreiben zum Brandanschlag in Berlin postete ein Absender namens "Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen" am 4. Januar auf einer linksextremen Internetplattform. Darin: Ausschweifende Erklärungen, mit denen die Verfasser ihr Handeln legitimieren.

Den Brandanschlag nennt die Gruppe etwa "eine notwendige Maßnahme gegen den Ausbau der fossilen Gaskraftwerke in Deutschland". Zudem wollen sie "imperialer Lebensweise" und dem "Raubbau an der Erde" etwas entgegensetzen. Spannender als die Motive sind für die Berliner Strafverfolgungsbehörden aber die wenigen Aussagen zum Anschlag selbst. So schreiben die Verfasser:

"Unter der Kabelbrücke befanden sich um die 64 Rohre, die zu einem großen Teil mit Starkstromkabeln belegt waren. Mit vier Baustellenspießen haben wir diese miteinander verbunden, um einen Kurzschluss zu gewährleisten." Weiter notieren sie: "Die Kabelbrücke […] haben wir zur Seite der Grünanlagen hin in Brand gesetzt. Wir haben die angeschmorten Kabelstränge mit herumliegenden Stahlstangen zusätzlich kurzgeschlossen."

64 Rohre, Baustellenspieße, ein Brandherd Richtung Grünanlage und der Gebrauch von Stahlstangen, all das deutet auf Täterwissen hin. Die Polizei Berlin jedenfalls hält das Bekennerschreiben für glaubhaft. 

Wegner: Stromanschlag professionell geplant

"Das ist kein Spaß, hier spielt man bewusst mit dem Leben von Menschen", so Kai Wegner (CDU), Bürgermeister von Berlin, zum Stromausfall. "Wir werden den Druck auf diese linke Szene deutlich erhöhen".

05.01.2026 | 5:43 min

Hinter welchen Anschlägen steckt die Gruppierung noch?

Die genaue Zahl der Anschläge der "Vulkangruppen" ist nicht bekannt. 2024 hieß es, den Sicherheitsbehörden seien bislang elf strafbare Tatkomplexe bekannt, zu denen sie sich seit 2011 bekannt hätten. Später kamen weitere hinzu. 

  • Am 23. Mai 2011 brannte eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Es kam zu großen Störungen im Bahnverkehr. In einem Bekennerschreiben benannten sich die Täter nach dem isländischen Vulkan: "Das Grollen des Eyjafjallajökull". 
  • Im März 2018 verübte laut Bekennerschreiben eine "Vulkangruppe" in Berlin-Charlottenburg einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen. Etwa 6.500 Wohnungen und 400 Firmen waren stundenlang ohne Strom. Der Sachschaden ging in die Millionen.
  • 2021 stehen die "Vulkangruppen" im Verdacht, einen Brandanschlag auf die Stromversorgung der Tesla-Baustelle verübt zu haben. Stromkabel brannten in einem Wald etwa 500 Meter von dem Werk des Autokonzerns entfernt. Zudem gab es in dem Jahr Anschläge auf Kabelschächte. 
  • Am 5. März 2024 legte eine entsprechende Gruppe Feuer an einem großen Strommast, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen wegen Terrorismus-Verdachts. Das Bundeskriminalamt ermittelte auch wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. 
  • Am 1. Mai 2025 bekannte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag an einem Trafohäuschen und einer Funkmastanlage in Berlin-Dahlem. Die Polizei hielt den Bekennertext für echt. In dem Schreiben hieß es: "Villenviertel lahmlegen. (...) Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten." 
  • Ob weitere Brandanschläge - etwa im Februar 2025 auf einen Kabelschacht der Bahn mit Bezug zu Tesla und im September 2025 auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof und Zehntausende Haushalte - auch im Zusammenhang mit den "Vulkangruppen" stehen, ist unklar. Politische Ähnlichkeiten gibt es aber: Das linksextremistische Bekennerschreiben im September war unterschrieben mit: "Einige Anarchist:innen".

Quelle: dpa, ZDF


Wie ist das Bekennerschreiben zu bewerten?

ZDF frontal hat Bekennerschreiben der "Vulkangruppen", die sich in den vergangenen Jahren zu Brandanschlägen in Berlin und Brandenburg bekannt haben, ausgewertet. Einiges deutet darauf hin, dass die Texte von einer Gruppe mit stabilem Kern von wenigen Personen stammen:

  • So sind Formulierungen und rhetorische Muster über 15 Jahre nahezu identisch.
  • Auch die Logik ihrer Argumentation bleibt gleich, passt sich nur fortlaufend den aktuellen Ereignissen an
  • Es sind stets gleichbleibende Sabotagemethoden, für die eine gewisse "Fachkompetenz" benötigt wird.

Der Berliner Verfassungsschutz notierte in seinem vergangenen Bericht zu den Bekennerschreiben: "In mindestens acht Fällen ähneln sich die Texte in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen so, dass von einem (teil-)identischen Autorenkreis auszugehen ist. Auch ein Strategiepapier aus dem Jahr 2015 deutet auf eine feste Struktur."

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey.

Berlins Wirtschaftssenatorin Giffey fordert bei den Ermittlungen zum Stromausfall in Berlin Unterstützung vom Bund. Tausende Menschen haben weiterhin keinen Strom.

05.01.2026 | 0:27 min

Gibt es Unterschiede zwischen den Vulkangruppen?

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich um einen festen Personenkreis immer wieder neue Gruppen formieren, es vielleicht sogar mehrere "Vulkangruppen" gibt, die sich abstimmen, vielleicht aber gar nicht persönlich kennen.

So verweisen die Hintermänner des aktuellen Anschlags etwa auf die Unterschiede zu anderen Fällen, bei denen "Vulkangruppen" im Hintergrund vermutet werden. Darunter auf den Brandschlag auf das Tesla-Werk im Frühjahr 2024 und auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof im Herbst 2025. Bei beiden Fällen waren auch Tausende private Haushalte betroffen.

Im aktuellen Fall habe der Brandanschlag nur einem Gaskraftwerk in Berlin-Lichterfelde gegolten, Haushalte sollten geschont werden, behaupten die Verfasser des Schreibens. Dieser Plan ging offensichtlich nicht auf. In einem Nachklapp zum Bekennerschreiben heißt es nun: "Für die Unannehmlichkeiten […] möchten wir uns noch einmal ausdrücklich entschuldigen."

Stromtechniker mit Schutzhelm rollt in Dunkelheit und Nebel Kabeltrommel auf

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Über dieses Thema berichteten am 05.01.2026 mehrere Sendungen, darunter heute ab 19:00 Uhr, heute Xpress um 08:25 Uhr sowie das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF ab 05:30 Uhr.

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