Warken plant Pflegereform:So steht es um die Pflege in Deutschland: Wo der Schuh drückt
Die Pflege steht in Deutschland vor massiven Veränderungen, so deutet es der Reformentwurf von Gesundheitsministerin Warken an. Der Status Quo der Pflege in Deutschland.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat einen Entwurf für eine Pflegereform vorgelegt. Die Maßnahmen sollen das Defizit decken und steigende Beiträge verhindern.
04.06.2026 | 3:02 minBundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat einen Gesetzentwurf für eine Pflegereform erarbeitet. Allein im kommenden Jahr werden der Pflegeversicherung 7,6 Milliarden Euro fehlen. Auf Versicherte und Pflegebedürftige sollen zusätzliche Belastungen zukommen. Ein Überblick.
Wie entwickelt sich die Zahl der Pflegebedürftigen?
Mehr als 74 Millionen Bundesbürger sind über die gesetzliche Pflegeversicherung versichert. Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt: Erhielten 2003 etwas mehr als zwei Millionen Menschen Leistungen der Pflegeversicherung, sind es mittlerweile sechs Millionen. 86 Prozent von ihnen werden zuhause versorgt.
Gesundheitsministerin Warken hat einen Entwurf für eine Reform in der Pflegeversicherung vorgelegt. ZDF-Korrespondent Daniel Pontzen konnte sich bereits einen Einblick verschaffen.
04.06.2026 | 1:24 minAktuelle Vorausberechnungen gehen von einem weiteren Anstieg auf 6,8 bis hin zu rund acht Millionen bis 2055 aus. Hintergrund sind die Alterung der Gesellschaft, aber vor allem Reformen der Pflegeversicherung, die zu mehr Leistungsempfängern führten.
Wie ist die Pflege in Deutschland aufgestellt?
In Deutschland gab es Ende 2023 rund 16.500 zugelassene Pflegeheime und etwa 15.549 ambulante Pflegedienste. In den Pflegeheimen arbeiten rund 818.000 Menschen, in den Pflegediensten rund 446.000. Der Deutsche Pflegerat geht davon aus, dass bis 2034 rund 500.000 Pflegekräfte fehlen werden. Bereits jetzt seien 115.000 Stellen nicht besetzt.
Fast alle gesetzlichen Krankenkassen haben ihre Zusatzbeiträge erhöht. Mehr Geld – aber kaum Verbesserungen in der Versorgung? Wo geht das Geld hin?
30.06.2025 | 20:16 minWie hoch ist die Zahl ausländischer Pflegekräfte?
Fast jede fünfte Pflegekraft in der Alten- und Krankenpflege hat laut Bundesagentur für Arbeit eine ausländische Staatsangehörigkeit. In Krankenhäusern und Kliniken liegt der Anteil ausländischer Pflegekräfte bei 17 Prozent, in der ambulanten und stationären Pflege bei 24 Prozent.
Wie viel gibt Deutschland für Pflege aus?
Die Gesundheitsausgaben in deutschen Pflegeeinrichtungen haben sich laut Statistischem Bundesamt innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. 2023 wurden 82,4 Milliarden Euro ausgegeben - das umfasst Ausgaben in ambulanten, stationären und teilstationären Einrichtungen.
Steigende Pflegekosten werden zu einem ernsthaften Problem – Viele Pflegebedürftige können die Kosten für Pflegeheime nicht leisten, auch Angehörige sind oft finanziell überfordert.
04.06.2026 | 1:54 minAllein im kommenden Jahr fehlen der Pflegeversicherung 7,5 Milliarden Euro; für 2028 werden mehr als 15 Milliarden Defizit erwartet. Um das Loch zu stopfen, möchte der Bund den Entlastungsbetrag für Pflegegrad 1 streichen.
Bei den Pflegegraden 2 und 3 soll es verzögerte und letztlich reduzierte Auszahlungen geben. Zugleich ist für die Pflegegrade 2 bis 5 ein sogenanntes Sozialraumbudget von 175 Euro geplant.
Die Beiträge zur Versicherung sind immer wieder erhöht worden. Steht das jetzt auch an?
Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung war zum 1. Januar 2025 um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent angehoben worden. Mehr beitragen sollen laut Gesetzentwurf aber Gutverdiener, Kinderlose und über die Arbeitgeber auch Mini-Jobber.
Den Pflegekassen fehlen Milliarden. Gesundheitsministerin Warken plant einem Bericht zufolge, dass Kinderlose höhere Beiträge in die Pflegeversicherung zahlen sollen.
26.05.2026 | 0:23 minWährend Kinderlose dem Entwurf zufolge einen um 0,1 Prozentpunkte höheren Pflegeversicherungsbeitrag zahlen sollen, werden die Arbeitgeber von Mini-Jobbern erstmals zu Beiträgen verpflichtet. Zudem sollen über eine Anhebung der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze Gutverdiener stärker belastet werden.
Gestrichen werden soll darüber hinaus die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern - mit Ausnahmen unter anderem für Familien mit kleinen Kindern, Rentern und Menschen mit Behinderung.
Und was ist mit der Eigenbeteiligung?
Der Eigenanteil für Bewohner in Pflegeheimen erreicht im Bundesdurchschnitt rund 3.245 Euro pro Monat im ersten Aufenthaltsjahr. Ab 2028 plant Warken eine jährliche Anpassung der Leistungsbeträge in Höhe der durchschnittlichen Kerninflation. Auf der anderen Seite sollen Zuschüsse zum Eigenanteil für Heimbewohner deutlich langsamer ansteigen.
Die Kritik ist laut, warum?
Verbände und Kassen halten den Entwurf für unausgewogen. Pflegende Angehörige und gering Pflegebedürftige würden zu stark belastet. Der Bund mache sich indes einen "schmalen Fuß". Der SPD fehlt der Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung.
Gesundheitsministerin Warken bekommt für ihre geplante Pflegereform heftige Kritik vom Deutschen Städtetag. Die Pläne seien "ein Schlag ins Gesicht der Kommunen", so Städtetag-Präsident Jung.
05.06.2026 | 0:24 minDie CSU sieht auch bei den Heimkosten eine Fehlentwicklung. Für Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) steht nur fest, dass gespart werden muss. Über die Details ließe sich noch reden.
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