Organspende: Emotionale Debatte im Bundestag - darum ging es

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Widerspruch statt Zustimmung? :Organspende: Emotionale Debatte im Bundestag - darum ging es

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Wer nicht ausdrücklich widerspricht, wäre automatisch Organspender: Über diese grundlegende Umstellung diskutierte der Bundestag nun erneut. Es sollte eine erste Orientierung ein.

Symbolbild: person haelt organspendeausweis

2025 gab es 8000 Patienten auf der Warteliste für eine Organspender, doch nur 985 Spender. Die Politik will die Zahl der Spender mit der sogenannten Widerspruchslösung erhöhen.

07.05.2026 | 1:36 min

Es ist eine Gewissensentscheidung, vor der der Bundestag zum wiederholten Mal steht: Ist derjenige Organspender, der ausdrücklich zustimmt? Oder reicht es, wenn nicht widersprochen worden ist? Am Nachmittag diskutierten Befürworter der einen und der anderen Variante emotional im Bundestag über diese Frage.

Die Debatte verlief nicht entlang von Parteigrenzen, und langjährige Abgeordnete bekannten einen Meinungswandel. Wie eine mögliche Abstimmung ausfallen könnte, ist deswegen noch völlig offen.

Worum ging es im Bundestag?

Die Abgeordneten kamen zu einer sogenannten Orientierungsdebatte zusammen. Zwei Stunden waren für eine allgemeine Aussprache eingeplant. Bei solchen ethischen Fragen gelten keine sonst üblichen Fraktionslinien. Konkrete Anträge lagen dem Parlament auch nicht vor.

Allerdings hatten sich vorab schon zwei Abgeordnetengruppen positioniert und jeweils erste Entwürfe vorbereitet: eine für den Wechsel zu einer Widerspruchsregelung, die andere klar dagegen.

Organspende

Mit dem Tag der Organspende sollen mehr Menschen dazu bewegt werden, sich für oder gegen eine Spende zu entscheiden. Derzeit warten etwa 8.200 Menschen auf ein Spenderorgan.

06.06.2026 | 0:25 min

Was wollen die Befürworter?

Die Gruppe mit Abgeordneten von CDU, CSU, SPD, Linken und Grünen argumentierte, dass viele Verbesserungen in den vergangenen Jahren keine entscheidende Steigerung der Spendezahlen bewirkt hätten. Eine Spende solle daher zum "Regelfall" werden. Dafür sollen Organentnahmen bei volljährigen und einwilligungsfähigen Menschen auch dann zulässig werden, wenn man "nicht widersprochen" hat.

Vorgesehen wäre auch eine verstärkte Aufklärung. Greifen sollen die neuen Regeln nicht vor 2030. Zu den Unterstützern gehören auch die früheren Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD).

Was will die andere Gruppe?

Auch die zweite fraktionsübergreifende Gruppe will zu mehr Organspenden kommen, aber über bessere Aufklärung, eine leichtere Dokumentation des eigenen Willens - und ohne Grundrechtseingriff. "Schweigen darf nicht als Zustimmung gewertet werden", argumentierten die Abgeordneten. Das Recht auf Selbstbestimmung schließe auch ein, keine Entscheidung zu treffen - ohne dass daraus persönliche Konsequenzen erwachsen.

Konkret vorgeschlagen wurde, "analoge Eintragungsmöglichkeiten" in ein bestehendes Online-Register zur generellen Organspendebereitschaft in Ausweisstellen aufzubauen.

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Wie sind die Aussichten?

Für die Befürworterinnen und Befürworter der Widerspruchsregelung war es schon der dritte Anlauf - nachdem eine erste Initiative 2020 im Bundestag scheiterte und eine zweite wegen der vorgezogenen Wahl 2025 nicht mehr zur Abstimmung kam.

Der Bundestag beschloss 2020 stattdessen ein Gesetz, das das geltende Zustimmungsprinzip bestätigte, aber schon auf mehr Information und eine leichtere Dokumentation von Erklärungen zur Spendebereitschaft zielte. Welche Mehrheitsverhältnisse sich nun herausbilden könnten, ist vorerst offen.

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Wie ist überhaupt die Lage bei Organspenden?

Organe wie Nieren, Lebern oder Herzen für schwer kranke Patienten werden seit langem dringend benötigt. Im vergangenen Jahr gaben 985 Menschen nach dem Tod ein Organ oder mehrere Organe für andere frei, wie die koordinierende Deutsche Stiftung Organtransplantation ermittelte. Dies war der höchste Stand seit 2012.

Zugleich standen Ende 2025 aber rund 8.200 Menschen auf Wartelisten. Generell gilt es als Problem, dass viele - allgemein gesehen - positiv zu Organspenden stehen, dann aber keinen Willen dazu festhalten.

Mit der sogenannten Widerspruchslösung will die Politik die Zahl der Organspenden erhöhen.

2025 gab es 8.000 Patienten auf der Warteliste für einen Organspender, doch nur 985 Spender. Die Politik will die Zahl der Spender mit der sogenannten Widerspruchslösung erhöhen.

07.05.2026 | 1:36 min

Wo kann man seinen Willen hinterlegen?

Dokumentieren kann man ein prinzipielles Ja oder Nein zu einer Organspende nach dem Tod auf einem Organspendeausweis, in einer Patientenverfügung oder anders auf Papier. Seit März 2024 geht es auch online: Auf dem Portal kann man ab dem Alter von 16 Jahren seine Haltung digital dokumentieren.

Aktuell gibt es knapp 579.000 Erklärungen, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Betreiber mitteilte. Dabei stimmten 82,2 Prozent Organentnahmen uneingeschränkt zu, möglich ist es auch nur für bestimmte Organe. Einen Widerspruch hinterlegten 8,6 Prozent.

Wie geht es weiter?

Die beiden Abgeordnetengruppen hatten schon vorher angekündigt, ihre jeweiligen Initiativen konkret ins Parlament einzubringen. In der Regel folgen dazu eine erste Lesung im Plenum und Ausschussberatungen, bevor es dann zu einer Abstimmung ohne Fraktionsvorgaben im Bundestag kommt. Wie schnell das Verfahren weitergeht, muss sich zeigen.

Ein anderes Organspende-Gesetz wurde im Mai schon beschlossen: Um mehr Nierentransplantationen möglich zu machen, wurden zuvor sehr enge Grenzen für Organentnahmen bei lebenden Spenderinnen und Spendern weiter gefasst. Gestrichen wurde auch, dass Lebendspenden nur zulässig sind, wenn es kein Organ eines Gestorbenen gibt.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF mehrfach, unter anderem in ZDFheute Xpress am 06.06.2026 in dem Beitrag "Aktionstag für mehr Organspende-Bewusstsein" um 11:01 Uhr.

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