G20 und K-Frage: Dramatische Tage für Scholz am Zuckerhut

Analyse

Der Kanzler und die K-Frage:Dramatische Tage für Scholz am Zuckerhut

Diana Zimmermann

von Diana Zimmermann

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So viel Unordnung war selten. In der G20 wird ein Abschiedsfoto ohne Joe Biden gemacht, die Ukraine beschießt Russland mit ATACMS und die SPD zerlegt sich über der K-Frage.

Fünf Interviews gibt der Kanzler an diesem Tag in einem Hotel über der Copa Cobana. Fünf mal zehn Minuten. Fließbandarbeit für den Kanzler. Fünfmal fragen ihn mitreisende Journalisten, ob er der Kandidat der SPD sein wird. Fünfmal antwortet er auf diese und Variationen dieser Frage mit Ja. Stoisch, freundlich, scheinbar entspannt. Gemeinsam wollen die SPD und er kämpfen und siegen. Nein, Boris Pistorius verhalte sich nicht unsolidarisch. Es ginge im Wahlkampf um Grundsatzfragen, darum, sich gegen ein "Entweder-Oder" zu entscheiden. Darum, Verteidigung und Investitionen im Inland zusammenzubringen.

Auf den Einwurf, das sei SPD-Politik, die könne ja auch Boris Pistorius umsetzen, dann aber doch eine klare Spitze: "Ja, oder 100.000 andere SPD-Mitglieder." Boris Pistorius, einer von 100.000?

K-Frage: Müntefering, Gabriel und Schröder mischen sich ein

Während der Kanzler in Rio als Repräsentant des geschwächten Westens um Einfluss kämpft - und verliert, denn im Kommuniqué dieses G20-Gipfels wird weder Russland als Aggressor im Ukraine-Krieg noch der Hamas-Terrorangriff als Auslöser der Gewalteskalation im Nahen Osten benannt - melden sich alle paar Stunden neue Genossen, die hoffen, Boris Pistorius könne ihnen vielleicht doch noch ihren Sitz im Bundestag retten.

Inzwischen haben sich Franz Müntefering und Sigmar Gabriel hören lassen (beide gegen Scholz), und Gerhard Schröder (für ihn).

Jede Debatte über einen amtierenden Bundeskanzler, den man nicht austauschen kann, schadet allen.

Gerhard Schröder, Ex-SPD-Kanzler in der "Süddeutschen Zeitung"

Der Kanzler wiederholt sein Mantra. Er sei mit der SPD einen weiten Weg gegangen, erfolgreich gewesen wegen des guten Zusammenhalts in der Partei. Das werde man weiter so machen. Und gewinnen. Umfragen nämlich zählen für den Kanzler nicht.

SPD-Parteivorstand: Abstimmung und Organisation - keine Krisensitzung

Am Abend telefoniert der Parteivorstand miteinander. Der, von dem Olaf Scholz behauptet, er sage genau die Dinge, mit denen er sich wohlfühle. Trotz anders lautender Gerüchte beharrt das Umfeld des Kanzlers darauf, dass dies keine Krisensitzung sei. Es gehe um Abstimmungen für den Parteitag im Januar, um die Organisation des Wahlkampfs. Eine Telefonat in Krisenzeiten ist es aber natürlich doch. Scholz hat sich nicht zugeschaltet. 

Lars Klingbeil muss dem Kanzler Unterstützung zugesichert haben, sonst könnte selbst ein Olaf Scholz nicht so in Rio sitzen, wie er das tut. Die letzte Frage im ZDF-Interview: Bereiten Sie sich darauf vor, dass Klingbeil Ihnen am Mittwoch sagt: Olaf, wir machen es lieber mit Boris? Scholz grinst.

Machen Sie sich keine Hoffnung, die SPD steht zusammen.

Olaf Scholz (SPD), Bundeskanzler

An diesem Abend im Vorstand ist das wohl so. Niemand soll sich bei dem Telefonat gegen Olaf Scholz ausgesprochen haben.

Allein die Diskussion hat den Kanzler beschädigt

Zusammenstehen allerdings sieht anders aus. Der Vorstand hat die Debatte laufen lassen. Lars Klingbeil und Saskia Esken werden sich die Frage stellen lassen müssen, warum sie dabei zugeschaut haben, wie ihr Kandidat angeschossen wurde.

Wie sehr ihn das beschädigt hat und ob sie das Feuer des Zweifels auch an der Basis wieder ausgetreten bekommen, das ist offen, als Olaf Scholz Dienstagnacht aus Rio aufbricht.  

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