Linken-Co-Vorsitzende zum Parteitag:Schwerdtner: "Wir überlassen den Rechten nicht den Osten"
Die Co-Chefin der Linken, Ines Schwerdtner, spricht über ihren neuen Co-Chef Pantisano, seine CDU-Kritik und wie die Partei vor den Wahlen im Osten Wähler-Vertrauen gewinnen will.
Sehen Sie das Interview mit Linken-Chefin Ines Schwerdtner hier in ganzer Länge.
21.06.2026 | 5:10 minZDFheute: Bei uns ist Ines Schwerdtner, die wiedergewählte Parteivorsitzende, willkommen. Frau Schwerdtner, Top-Ergebnis für Sie, Fehlstart für Ihren Co-Vorsitzenden. Wie erklären Sie sich seine 53 Prozent?
Ines Schwerdtner: Ja, ich freue mich erstmal über die Bestätigung, also das ist auch eine Bestätigung des Kurses der letzten zwei Jahre. […] Und ich glaube, für Luigi Pantisano ist das jetzt ein Arbeitsauftrag. Man muss sich die Glaubwürdigkeit nicht nur in der Gesellschaft erarbeiten, sondern auch in der eigenen Partei. Das habe ich selbst erlebt und das ist gut möglich.
Die Linke beendet am Sonntag ihren dreitägigen Bundesparteitag mit einer neuen Doppelspitze aus Schwerdtner und Pantisano. Zudem beraten die Delegierten über weitere Anträge.
21.06.2026 | 0:19 minZDFheute: Nun hat er gleich am ersten Tag für Schlagzeilen gesorgt mit seiner Äußerung, die CDU betreibe teils faschistische Politik. Teilen Sie seine Einschätzung?
Schwerdtner: Also wir rufen ja hier zu Sozialprotesten auf gegen die Bundesregierung, und auch gegen die CDU, weil sie für Sozialkürzungen steht und mit der Kettensäge an unseren Sozialstaat geht. Also dass wir in klarer Opposition zur CDU stehen, ist vollkommen klar.
Und die CDU übernimmt in Teilen die AfD-Politik. Nicht nur in Sachen Sozialkürzungen, Politik für die Reichen, sondern eben auch in der Migrationspolitik.
Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende Die Linke
Deswegen hat Luigi Pantisano recht, wenn er sagt, in Teilen wird hier schon AfD-Politik gemacht und viele der CDU-Abgeordneten kippen bereits nach rechts; die Brandmauer bröckelt. Und da eine klare Opposition zu sein, finde ich richtig. […]
Beim Bundesparteitag der Linken wurde Ines Schwerdtner als Vorsitzende deutlich bestätigt, Luigi Pantisano nur knapp neu gewählt. Er hatte zuvor mit radikalen Aussagen irritiert.
20.06.2026 | 1:35 minZDFheute: Also wie hilfreich ist dann so eine Äußerung, auch gerade mit Blick auf die Wahlen in Sachsen-Anhalt? Sie haben ja gesagt, Sie wollen alles tun, die AfD von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten. Alleine werden Sie das ja nicht schaffen.
Schwerdtner: Das stimmt, aber wir müssen jetzt erst mal den Fokus auf die Wahlkämpfe richten. Ich meine, es ist ja noch nicht verloren und wir sind ja noch weit bis in den September. Das heißt, wir kämpfen jetzt erst mal über den Sommer von Rostock bis in den Harz. Das habe ich gesagt, dass wir Sandsäcke stapeln, dass wir gemeinsam jetzt kämpfen, dass die Linke so stark ist, dass wir gar nicht in so eine Situation kommen, wo wir darüber sprechen müssen, wie können wir die AfD von der Macht abhalten?
Also uns geht es wirklich darum, das Vertrauen der Menschen wieder zurückzugewinnen. […]
Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende Die Linke
ZDFheute: Wenn wir jetzt an Sachsen-Anhalt denken und es kommt zu dem Punkt, die Linke macht hier einen ähnlichen Weg wie in Thüringen beispielsweise, dann werden Teile Ihrer Partei sagen: "bloß nicht" - und die anderen sagen: "auf jeden Fall". Wie gehen Sie um mit diesem Dilemma?
Schwerdtner: Das haben wir ja gerade hier verhandelt und im Leitantrag haben wir deswegen klar festgehalten: Wir haben jetzt Erfahrungen gesammelt in Sachsen und Thüringen mit dieser Situation, so schlimm wie das ist.
Aber wir sind dafür bereit, in Sachsen-Anhalt eben auch dafür zu sorgen, alles dafür zu tun, dass die AfD eben nicht an die Macht kommt. Das ist jetzt unsere Aufgabe. Wie gesagt, wir werden jetzt im Wahlkampf erst mal alles geben.
Wir werden wieder an jede Haustür gehen; wir werden unsere roten Leuchttürme, wir werden Halle, Magdeburg verteidigen und sagen, wir überlassen den Osten nicht den Rechten.
Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende Die Linke
Die machen Politik für die Reichen, das ist keine Politik für den Frieden oder so, die AfD ist wirklich eine Mogelpackung, das müssen wir jetzt erstmal nach vorne stellen.
Vor seiner Wahl zum neuen Linken-Vorsitzenden hat Luigi Pantisano die CDU scharf kritisiert. Die Partei würde "immer mehr politische Narrative und Programmpunkte der AfD" übernehmen, sagt er.
20.06.2026 | 0:25 minZDFheute: Die Linke ist jetzt erstmals eine Partei, die mehr Mitglieder aus dem Westen hat, als aus dem Osten. Gregor Gysi hat gesagt, die Partei habe in letzter Zeit ein bisschen Ostdeutschland vernachlässigt. Sehen Sie das mit Blick auf die Wahlen?
Ines Schwerdtner: Also ich kann Ihnen sagen, ich bin in der Nähe von Zwickau geboren. Meine Eltern haben ihre Jobs verloren nach der Wende. Und es gibt viele Menschen wie mich, die dann in den Westen mussten und die beide Seiten kennen. Also ich kenne beide Seiten von Ost und West, Heidi Reichinnek ebenso. Das heißt, wir beide wissen ganz genau, was hier auf dem Spiel steht. […]
Das Interview führte Ralph Schumacher, Leiter der ZDF-Redaktion Deutschland. Zusammengefasst hat es Deutschland-Redakteur Christian Ott.
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