Reaktion der Linken auf Recherche:Dringlichkeitsantrag mit Sprengpotenzial
von Andrea Maurer
Mit einem Dringlichkeitsantrag reagieren Parteivorstand und Jugendorganisation der Linken auf die jüngsten Recherchen des BR. Darin: kein Wort zum Vorwurf des Antisemitismus.
Der Linke-Jugendorganisation Solid wird Antisemitismus und Verherrlichung von Stalin und der DDR vorgeworfen.
Quelle: dpaÜber zwei Stunden soll die Sitzung gedauert haben, in der der geschäftsführende Parteivorstand der Linken um eine Haltung zu den jüngsten Recherchen des BR gerungen hat. Die Recherchen zeigen: Funktionäre und Vorstandsmitglieder der Linksjugend inszenieren Stalin, Mao und die DDR als Vorbilder. In einem internen Forum und in Chats verbreiten sie zudem antisemitische Parolen.
Vor allem die ostdeutschen Landesverbände haben jetzt Druck auf die Parteispitze gemacht und eine klare Positionierung gefordert. Herausgekommen ist nun ein gemeinsamer Dringlichkeitsantrag des Parteivorstandes mit dem Bundesprecher*innenrat Linksjugend Solid für den Parteitag in Potsdam, der ZDFheute vorliegt - und neues Sprengpotenzial birgt.
In Chats der Linken-Jugendorganisation Solid wurden nach BR-Recherchen radikale Inhalte geteilt. Linken-Chefin Schwerdtner ging auf deutliche Distanz.
17.06.2026 | 0:31 minDringlichkeitsantrag ohne Reaktion auf Antisemitismusvorwürfe
Denn in dem Antrag findet sich keine einzige Positionierung zu den Vorwürfen des Antisemitismus. Der Antrag bezieht sich allein auf die Berichterstattung "über angebliche Verherrlichung des Stalinismus in unserem Jugendverband bzw. der Linken." Der Parteitag solle darauf reagieren und "unseren antistalinistischen Konsens bekräftigen."
"Lang Lebe Stalin!" und "Lang Lebe Honecker!" sind laut BR-Recherche in internen Chatgruppen gepostet worden, aber auch die antisemitische Parole "Israel verrecke!". Zudem soll der islamistische Charakter der Terrororganisation Hamas infrage gestellt worden sein. Zu den Vorwürfen des Antizionismus und Antisemitismus verhält sich der Dringlichkeitsantrag allerdings mit keinem Wort.
Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist aus der Linkspartei ausgetreten.
16.03.2026 | 0:41 minPositionierung gegen Verherrlichung des Stalinismus
Zur "angeblichen Verherrlichung des Stalinismus" heißt es im Antrag: "Wir stellen uns unserer Verantwortung aus der Geschichte - zu der auch die Unfreiheit und Verfolgung von Arbeiter*innen, Gewerkschafter*innen, Sozialist*innen, Kommunist*innen gehörte. Die Lehren aus unserer Geschichte leiten uns noch heute - wir haben unmissverständlich mit dem Stalinismus gebrochen. Wo gegen diesen Konsens verstoßen wird, stellen wir uns aktiv entgegen."
Eine ähnliche Positionierung zum Antisemitismus fehlt. Die Debatte über Nahost, die der Parteitag für den späten Freitagabend angesetzt hat, birgt ohnehin Zündstoff. Mit diesem Dringlichkeitsantrag, der den Vorwurf des Antisemitismus einfach ausklammert, dürfte neuer hinzugekommen sein.
Ein Beschluss der Linken in Niedersachsen sorgt für heftige Kritik. Bei "Markus Lanz" geht Linken-Chefin Schwerdtner zwar auf Distanz - will darin aber keinen Antisemitismus sehen.
19.03.2026 | 44:32 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Die Linken und der Antisemitismus
Vorwürfe nach Linken-Beschluss :Schwerdtner: "Ich glaube, es ist kein Antisemitismus"
von Bernd Bachranmit Video44:32- Analyse
"Es geht nicht mehr":Warum Antisemitismusbeauftragter Büttner die Linken verlässt
von Andrea Maurermit Video0:41 - Analyse
Alt-Bundespräsident:Gauck: Antisemitismus auch von links und aus arabischem Raum
mit Video5:15