Schwerdtner nach Vorwürfen: "Glaube, es ist kein Antisemitismus"

Vorwürfe nach Linken-Beschluss :Schwerdtner: "Ich glaube, es ist kein Antisemitismus"

von Bernd Bachran

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Ein Beschluss der Linken in Niedersachsen sorgt für heftige Kritik. Bei "Markus Lanz" geht Linken-Chefin Schwerdtner zwar auf Distanz - will darin aber keinen Antisemitismus sehen.

Ines Schwerdtner zu Gast bei "Markus Lanz".

Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 18. März 2026 in voller Länge.

19.03.2026 | 44:32 min

Ein Beschluss des niedersächsischen Landesverbands der Linken vom vergangenen Wochenende hat bundesweit heftige Reaktionen ausgelöst - auch innerhalb der Partei selbst. Darin heißt es unter anderem: "Die Linke Niedersachsen lehnt den heute real existierenden Zionismus ab."

In einem Instagram-Video sagt ein junges Mitglied des niedersächsischen Landesverbands: "Wir als linke Partei in Niedersachsen schaffen es, uns klar vom Zionismus und dessen Folgen zu distanzieren und sind als erster Landesverband antizionistisch."

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erhebt daraufhin schwere Vorwürfe: Er wirft dem Landesverband Antisemitismus vor und kritisiert, dass die Linke mit diesem Beschluss dem Judenhass ein Zuhause biete.

Andreas Büttner im Brandenburger Landtag. Er blättert in Dokumenten.

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist aus der Linkspartei ausgetreten. Als Grund nannte er unter anderem den parteiinternen Streit über die Bewertung des Handelns Israels.

16.03.2026 | 0:41 min

Linken-Chefin: Weder Palästinenser noch Israelis brauchen Debatten über Zionismus auf linken Parteitagen

Bei "Markus Lanz" nahm die Co-Parteivorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, am Mittwochabend zu den Vorwürfen gegenüber ihrer Partei Stellung. Sie sagte, sie glaube, dass der Beschluss in Niedersachsen der sehr komplexen Situation im Nahen Osten überhaupt nicht gerecht werde und deshalb total einseitig und nicht richtig gewesen sei, weil weder die Menschen in Palästina noch in Israel etwas davon hätten.

Sie wünschen sich einen gerechten Frieden und ein Ende des Krieges. Sie brauchen keine Debatten über Zionismus auf linken Parteitagen.

Ines Schwerdtner, Co-Parteivorsitzende der Linken

Schwerdtner betonte, dass sie und Jan van Aken die Situation deutlich kritisierten und für einen gerechten Frieden sowohl für Palästinenser als auch für Israelis einstünden. Im Zentrum ihrer Kritik stehe die konkrete Politik der israelischen Regierung sowie die begangenen Kriegsverbrechen, nicht jedoch eine historische Abhandlung des Zionismus.

"Deswegen dürfen wir nicht so einen einseitigen Antrag machen, der diesen Eindruck erweckt, dass wir keine Solidarität hätten mit vor allem auch den jüdischen Menschen", so Schwerdtner.

Berlin, Deutschland, 18.03.2026: Deutscher Bundestag: 64. Bundestagssitzung: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit der Mappe fuer das Redeskript seiner Regierungserklaerung

Vor dem EU-Gipfel bekräftigt Kanzler Merz im Bundestag seine Kritik am Krieg der USA und Israels gegen den Iran – und schließt eine deutsche Militärbeteiligung erneut klar aus.

18.03.2026 | 2:31 min

Schwerdtner: "Ich glaube, es ist kein Antisemitismus"

Markus Lanz warf der Linken-Chefin vor, antizionistische Aussagen nicht klipp und klar zu verurteilen. Schwerdtner distanzierte sich zwar mehrfach von dem Beschluss, aber vermied es in diesem Zusammenhang von Antisemitismus zu sprechen. "Ich glaube, es ist kein Antisemitismus, aber ich finde es trotzdem nicht richtig", sagte Schwerdtner.

Wir sollten so konkret wie möglich die Kriegsverbrechen [Israels] verurteilen und uns so konkret wie möglich gegen Antisemitismus in Deutschland stellen. Und das macht der Antrag nicht und deswegen war er falsch. Deswegen verurteile ich ihn.

Ines Schwerdtner, Co-Parteivorsitzende der Linken

Mit dieser Antwort konnte und wollte sich Markus Lanz jedoch nicht abfinden. "Ich muss ehrlich sagen, in einem Land wie unserem, mit unserer Geschichte, so ein Video nicht glasklar zu verurteilen, finde ich schwierig."

Holocaust survivor Tova Friedman speaks during a commemoration ceremony for the victims of Nazi Germany in the Reichstag building, the seat of the German federal parliament (Bundestag), in Berlin, Germany, 28 January 2026

In einer bewegenden Rede hat die Holocaust-Überlebende Tova Friedman im Bundestag von ihrem Überleben im KZ Auschwitz berichtet. Sie warnt vor aufflammendem Antisemitismus.

28.01.2026 | 2:47 min

SPD-Politiker: Schwierig, mit der Linken zu koalieren

Für den SPD-Politiker und Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel zeigt die aktuelle Antisemitismus-Debatte in der Linkspartei ein weiteres Problem: die Koalitionsfrage. Wiederkehrende Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder erschwerten es vielen SPD-Landesverbänden, mit der Linken zusammenzuarbeiten oder zu regieren.

Es gibt auch Bereiche, wo mal sondiert und zusammengearbeitet wurde. Aber das sind Punkte, wo wir auch klar sagen, da müssen wir eine Grenze ziehen. Das muss völlig unmissverständlich sein, dass wir das Existenzrecht Israels akzeptieren und unterstützen.

Andreas Dressel, SPD-Politiker

Natürlich, so Dressel, sei es legitim, die israelische Regierung zu kritisieren, aber die Solidarität mit dem israelischen Volk darf nicht in Frage gestellt werden. "Und das ist für uns als SPD ganz klar."

Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 19.03.2026 ab 0 Uhr.

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