"Es geht nicht mehr":Warum Antisemitismusbeauftragter Büttner die Linken verlässt
von Andrea Maurer
Lange hat er an seiner Partei gelitten, der er vorwarf, Antisemitismus in den eigenen Reihen zu verschweigen. Jetzt ist Andreas Büttner aus der Linken ausgetreten.
Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist aus der Linkspartei ausgetreten.
16.03.2026 | 0:41 minAndreas Büttner ist ein Mann, der sich eine Kippa anzieht, wenn er eine Synagoge besucht. Er ist Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg. Und bis gestern Abend war Andreas Büttner auch elf Jahre lang Mitglied der Linken.
Büttner ist jetzt aus der Partei ausgetreten und begründet seinen Entschluss in einem Schreiben an seine Partei so: "Ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich feststellen muss:
Ich kann nicht länger Mitglied dieser Partei sein, ohne meine eigenen Überzeugungen zu verraten.
Andreas Büttner bei seinem Partei-Austritt
Büttner "erschüttert" über eigene Partei
Dem Kampf gegen Antisemitismus hat Büttner sich verschrieben, für ihn ist das ein Kampf, der "über die Parteigrenzen hinausgeht". Umso erschütternder sei, was er seit Jahren in seiner eigenen Partei erlebe.
Andreas Büttner gehörte seit 2015 der Linkspartei an. Zuvor war er Mitglied der CDU und saß von 2009 bis 2014 für die FDP im Brandenburger Landtag. Nach seinem Wechsel war er von 2019 bis 2024 Mitglied der Linken-Fraktion im Landtag. 2024 wurde er Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg.
Was Andreas Büttner seit Jahren in der Linken erlebt, hat er vergangenen August in einem Interview mit ZDFheute erzählt: ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn wegen seiner proisraelischen Haltung, Anfeindungen durch Parteimitglieder und ein propalästinensisches Sommerfest mit einer Hamas-nahen Gruppe im Bezirksverband Neukölln.
Auf ihrem Parteitag beschloss die Linke zudem eine Antisemitismusdefinition, die, so Büttner, in zentralen Punkten antisemitische Narrative relativiere.
Büttner forderte mehr Solidarität mit Israel
"Gerade eine linke Partei muss sehr klar und deutlich sich gegen Antisemitismus aussprechen und meiner Meinung nach auch sich klar an die Seite des einzigen jüdischen Staates, nämlich des Staates Israel, stellen", sagte Büttner damals, "unabhängig von einer Regierung, die da ist, die man jederzeit kritisieren kann".
Einen Grund, die Partei zu verlassen, sah Büttner im August des vergangenen Jahres noch nicht, er wollte vielmehr weiter für seine Überzeugungen kämpfen.
Beschluss zu Zionismus in Niedersachsen löst Parteiaustritt aus
Doch nun hat der Landesverband in Niedersachsen auf seinem Landesparteitag am Wochenende einen Beschluss mit dem ursprünglichen Titel "Ablehnung des Zionismus" gefasst - den Büttner in seinem Austrittsbrief "nicht mehr akzeptabel" nennt.
Auf X schreibt er: "Die Ablehnung des Zionismus ist im Grunde nichts anderes als die Ablehnung des Existenzrechts Israels."
Andreas Büttner zum Zionismus-Beschluss der Linken
Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von X nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von X übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von X informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Nach dem Parteiaustritt von Büttner und auch auf Druck der Parteispitze hat der Landesverband Niedersachsen heute reagiert und eine korrigierte Fassung des Beschlusses auf seiner Internetseite veröffentlicht.
Darin heißt es: "Im Verlauf der Parteitagsdebatte wurde der Antrag (…) inhaltlich umfassend geändert. Nach intensiver Diskussion wurde der Text so angepasst, dass er sich ausschließlich auf real existierende politische Ausprägungen des Zionismus bezieht (…)."
Die Reaktion der Parteispitze
Auch die Parteispitze reagiert heute. Bei einer Pressekonferenz in Berlin nimmt Co-Parteichef Jan van Aken Stellung.
Dieser Beschluss hat aus meiner Sicht eine grobe Schlagseite.
Co-Parteichef Jan van Aken über den Beschluss des Landesverbands Niedersachsen
Anschließend verteidigte van Aken den Beschluss jedoch: "Die Behauptung, dieser Beschluss richte sich gegen Zionismus, ist einfach falsch. Das ist ausdrücklich anders formuliert worden. Er bezieht sich ausdrücklich auf die Kriegsverbrechen der aktuellen rechtsextremen Regierung."
Die linke Parteispitze will heute einen eigenen Antrag an die Mitglieder versenden, der beim Bundesparteitag im Juni eingebracht werden soll. "Das ist der aktuelle Stand der Debatte", so van Aken. Den Parteiaustritt Büttners bedauert van Aken. Er habe "eigentlich auch immer den Draht" zu ihm gehabt.
Büttner: "Es gibt linken Antisemitismus"
Noch im August beklagte allerdings Büttner, dass er kaum Unterstützung durch die Parteispitze erfahre - und forderte, dass sich die Linke viel klarer gegen Antisemitismus positionieren müsse: "Man kann ein Problem nicht einfach weg argumentieren, das gäbe es nicht und wir seien eine Partei, die keinen Antisemitismus hat. Doch den gibt es, es gibt linken Antisemitismus. Und wenn man damit offen umgeht, dann kann man das Problem auch angehen. Viel schwieriger ist es, wenn man es verschweigt."
Für Andreas Büttner war mit dem Landesparteitag in Niedersachsen jetzt offenbar der Punkt erreicht, an dem er nicht mehr Parteimitglied sein wollte: "All das ist nicht mehr meine politische Heimat", schreibt er in seinem Austrittsbrief. Für ein Interview war er am Montag nicht mehr zu erreichen.
Mehr über Antisemitismus in Deutschland
Studie zu Ausgrenzung im Alltag:Juden in Deutschland verbergen aus Angst ihre Identität
mit Video0:25Alt-Bundespräsident:Gauck: Antisemitismus auch von links und aus arabischem Raum
mit Video5:15Folgen des Iran-Kriegs:Jüdisches Leben in Deutschland "noch gefährlicher geworden"
von Markus Grossmit Video1:46Messerangriff am Holocaust-Mahnmal:Radikalisierung mit IS-Videos im Netz
von Beate Frenkel und Michael Haselriedermit Video12:17