Designierter neuer Linken-Chef:Pantisano: Müssen bei Antisemitismus "klare Linie ziehen"
von Johannes Lieber
Nach Recherchen über mutmaßlich antisemitische Chatgruppen in der Jugendorganisation der Linken ist die Nahost-Debatte neu entbrannt. Nun äußert sich der mögliche neue Parteichef.
In Chats der Linken-Jugendorganisation Solid wurden nach BR-Recherchen radikale Inhalte geteilt. Linken-Chefin Schwerdtner ging auf deutliche Distanz.
17.06.2026 | 0:31 minAm Samstag will er zum neuen Linken-Vorsitzenden gewählt werden, doch die Antisemitismus-Vorwürfe gegen die eigene Jugendorganisation beschäftigen Luigi Pantisano schon heute.
Im Gespräch mit ZDFheute sagt der 46-Jährige:
Antisemitismus darf in der Linken und ich finde auch in der Linksjugend keinen Platz haben.
Luigi Pantisano, Linke
Die Partei müsse hier "immer ganz klar" sein und "immer eine klare Linie ziehen zum Antisemitismus". Pantisano sagt allerdings auch, dass die Debatte nun auf dem Parteitag geführt werden solle:
Ich bin grundlegend stolz darauf, dass wir als Linke die einzige Partei sind, die in Deutschland die Möglichkeit gibt, vielen Fragen, die sich stellen um den Konflikt und um den Krieg, der seit Jahren dort herrscht, Raum zu geben und Diskussionen zu ermöglichen.
Luigi Pantisano, Linke
Der 46-jährige Luigi Pantisano will sich als Kandidat für die Nachfolge von Linken-Chef Jan van Aken aufstellen lassen. Der tritt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an.
16.04.2026 | 0:46 minInterne Chatgruppen: "Israel verrecke"
Der Bayerische Rundfunk hatte recherchiert, dass in internen Chatgruppen der "Linksjugend Solid" mutmaßlich antisemitische Äußerungen zu lesen waren. So schrieben einzelne Mitglieder wohl von "israelischen Konzentrationslagern" oder posteten ein Bild mit dem Text "Israel verrecke".
Die Jugendorganisation distanziert sich von den Äußerungen. "Jede Form von Antisemitismus, Rassismus, Entmenschlichung oder Vertreibungsfantasien" lehne man "entschieden ab". Nicht jede Äußerung "einzelner Mitglieder oder Strukturen" stelle die Position des Gesamtverbands dar, heißt es in einer Stellungnahme.
Jimi Herken, einer der Sprecher der Linksjugend Berlin, sagt ZDFheute, dass es jetzt wichtig sei, bei der "Palästina-Solidarität" eine "konsequente Linie" zu verfolgen.
Die Linken-Spitze verurteilt jeden Antisemitismus und will dazu einen Antrag beim nächsten Bundesparteitag stellen. Ein Beschluss vom niedersächsischen Landesverband stieß zuvor auf Kritik.
21.03.2026 | 0:29 minNahost-Diskussion schon lange Streitthema
Auch die aktuelle Linken-Chefin Ines Schwerdtner, die am Wochenende gemeinsam mit Pantisano kandidiert, distanzierte sich "aufs Schärfste" von den mutmaßlichen Aussagen der eigenen Jugend.
Bereits morgen steht auf dem Parteitag der Linken das Nahost-Thema auf der Tagesordnung. Schon in den vergangenen Monaten sorgte die Haltung zu Israel immer wieder für hitzige Diskussionen in der Partei. Unter anderem trat der Antisemitismusbeauftragte des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, im März aus der Partei aus.
Zuvor hatten Linken-Mitglieder aus Niedersachsen ihren Landesverband als "ersten antizionistischen Landesverband" bezeichnet.
Die Spitze der Linken verurteilt jede Form von Antisemitismus, heißt es in einem neuen Antrag. Damit reagiert die Parteispitze auch auf einen Beschluss der Linken in Niedersachsen.
21.03.2026 | 0:29 minGehaltsdeckel wird für Unmut auf Parteitag sorgen
Neben der Nahost-Diskussion sorgt auch ein weiteres Thema in der Partei für Unmut. In einem Antrag fordern die Parteivorsitzenden, dass alle Linken-Abgeordneten auf den Großteil ihres Gehalts verzichten sollen. Die Diäten sollen für Linke-Parteimitglieder auf den deutschen Durchschnittslohn beschränkt werden.
Das ist aber keineswegs unumstritten. In einem Brief, der ZDFheute vorliegt, beklagen 23 Mitglieder der Linksfraktion im Bundestag, dass mit ihnen bisher nicht gesprochen wurde.
Wir sind auch eure gewählten Bundestagsabgeordneten und wir haben bislang keine Einbindung erfahren. Wieso, fragen wir uns und euch, gab es keinen ordentlichen Diskussionsprozess?
Auszug aus dem Brief der Abgeordneten
Die Debatte schüre "Argwohn" in der Fraktion und man fühle sich "mundtot gemacht", heißt es in dem Brief, den unter anderem Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch unterschrieben haben.
Angesprochen auf den Gehaltsdeckel sagt der mögliche neue Parteichef Pantisano, dass man auf dem Parteitag darüber diskutieren und die Basis "sicher ganz klug" darüber entscheiden werde.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zur Linken
"Lang lebe Stalin", "Lang lebe Honecker":Recherche enthüllt radikale Äußerungen in Linksjugend-Chats
mit Video0:31Parteivorsitz der Linken:Luigi Pantisano: Er will van Akens Nachfolger werden
von Luise Reinkemit Video0:46Vorwürfe nach Linken-Beschluss :Schwerdtner: "Ich glaube, es ist kein Antisemitismus"
von Bernd Bachranmit Video44:32- Analyse
"Es geht nicht mehr":Warum Antisemitismusbeauftragter Büttner die Linken verlässt
von Andrea Maurermit Video0:41