Parteivorsitz der Linken:Luigi Pantisano: Er will van Akens Nachfolger werden
von Luise Reinke
Nach dem Rückzug von Jan van Aken aus gesundheitlichen Gründen will Luigi Pantisano Parteichef der Linken werden. Damit würde er auch eine Vermittlerrolle in der Partei erben.
Jan van Aken wird aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut als Parteichef der Linken kandidieren. Nach seinem plötzlichen Rückzug will sich der 46-jährige Luigi Pantisano aufstellen lassen.
16.04.2026 | 0:46 minEs dürfte ein großer Schock in der Linkspartei gewesen sein: Gut zwei Monate vor dem Parteitag im Juni kündigt Jan van Aken, Co-Chef der Partei Die Linke, an, sich nicht wie geplant erneut zur Wahl zu stellen. Der Mann, der die Partei zuletzt wieder auf Erfolgskurs brachte.
Seine Nachfolge will Luigi Pantisano antreten: 46 Jahre alt, Architekt und Stadtplaner aus Stuttgart und erst seit 2025 im Bundestag. Dort ist er schon stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Ich möchte die Arbeiterinnen und Arbeiter für die Linke zurückgewinnen.
Luigi Pantisano, Die Linke
Als Sohn italienischer Gastarbeiter hat er eigene Erfahrungen mit sozialer Ungleichheit: "Als Hauptschüler kenne ich die Erfahrung, von der Politik nur von oben herab behandelt zu werden."
Pantisano will mit Ines Schwerdtner an die Spitze
Unterstützung bekommt er von Ines Schwerdtner, die bislang Co-Parteichefin neben Jan van Aken ist und wieder antreten möchte. Pantisano und sie hätten bisher vertrauensvoll zusammengearbeitet, weshalb sie sich eine Doppelspitze mit ihm gut vorstellen könne. Beide gehören zur sogenannten Bewegungslinken, einer Strömung, die enge Kontakte zu sozialen Bewegungen sucht und vom Wiederaufbau einer "organisierenden Klassenpartei" spricht.
Bundeskanzler reist nach Saudi-Arabien: Linken-Chef Jan van Aken fordert Friedrich Merz auf, das Thema Menschenrechte anzusprechen. Es dürfe keine "schmutzigen Deals" geben.
04.02.2026 | 0:46 minAuch Fraktionschefin Heidi Reichinnek lobt Pantisano öffentlich: "Luigi kennt die Partei in- und auswendig. Er ist immer nah bei den Menschen und vertritt linke Kernthemen mit klarer Kante." Sie schreibt auf Instagram: "Wenn die Genoss:innen ihm das Vertrauen aussprechen - dann packt er das."
Pantisano positioniert sich propalästinensisch
In der Vergangenheit hatte Pantisano die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg und deren propalästinensische Äußerungen verteidigt. Für Aufsehen sorgte auch ein älterer Post auf X, in dem er Israels Premierminister Benjamin Netanjahu als "Kriegsverbrecher" bezeichnete. Kritiker werfen ihm mangelnde Differenzierung vor. Andere sehen darin den Mut, Unrecht beim Namen zu nennen.
Die Linke kämpft seit Jahren mit dem Vorwurf, nicht klar genug gegen Antisemitismus vorzugehen. Pantisano positioniert sich jetzt deutlich. Gegenüber ZDFheute sagte er:
Wir als Linke sind die einzige Partei, die den Mut hat, über das Sterben in Palästina zu sprechen.
Luigi Pantisano
Gleichzeitig betonte er: "Für mich ist klar: Wir stehen gegen jede Form des Antisemitismus und gegen antimuslimischen Rassismus."
Luigi Pantisano: "Gehe diesen Schritt in großer Demut"
Beim Parteitag Mitte Juni dürfte der Nahost-Konflikt erneut für Auseinandersetzungen sorgen. Van Aken galt innerhalb der Partei als vermittelnde Figur, besonders in der Israel-Debatte, und führte die Linke dabei durch schwierige Zeiten. Pantisano wirkt in seinen Reden im Bundestag und bei Zwischenrufen oft impulsiv. Offen bleibt, wie Pantisano sich in einer solchen Debatte verhält.
Die Linken-Spitze verurteilt jeden Antisemitismus und will dazu einen Antrag beim nächsten Bundesparteitag stellen. Ein Beschluss vom niedersächsischen Landesverband stieß zuvor auf Kritik.
21.03.2026 | 0:29 minPolitische Erfahrungen sammelte er als Mitarbeiter im Büro des früheren Parteichefs Bernd Riexinger, einem erklärten Gegner von Sahra Wagenknecht. 2020 stand Pantisano in Konstanz kurz davor, Bürgermeister zu werden - ein Achtungserfolg, der ihm innerhalb der Partei Glaubwürdigkeit verschaffte.
"Ich gehe diesen Schritt in großer Demut", schreibt Pantisano zu seiner Kandidatur als Co-Parteivorsitzender. "Die Linke hat sich erneuert und stabilisiert - jetzt will ich den nächsten Schritt gehen."
Bislang ist Pantisano der einzige Anwärter auf die Nachfolge von van Aken. Prominente Linke wollen derzeit nicht kandidieren: Fraktionschefin Heidi Reichinnek will sich auf ihre Bundestagsarbeit konzentrieren, Co-Fraktionschef Sören Pellmann schließt eine Kandidatur ebenfalls aus.
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