Altmaier bei "Lanz" über Schwarz-Rot: Pleiten, Pech und Pannen

Ex-Kanzleramtschef bei "Lanz":Altmaier über Schwarz-Rot: Pleiten, Pech und Pannen

von Felix Rappsilber

|

Die Bundesregierung habe zu viel gestritten und zu wenig beschlossen, sagt Peter Altmaier bei "Markus Lanz". Der Ex-Kanzleramtschef teilt auch gegen Friedrich Merz aus.

Markus Lanz vom 8. Oktober 2026: Markus Lanz, Peter Altmaier, Alexander Gertz, Ulrike Herrmann, Daniel Stelter

Zu den Spionagevorwürfen gegen Ex-BND-Chef Hanning, zur Wirtschaftslage, zum Zustand der Regierungskoalition sowie zu den Ursachen für die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands.

09.10.2026 | 76:10 min

"Seit anderthalb Jahren haben wir erlebt, dass sich Pleiten, Pech und Pannen aneinandergereiht haben und wir haben immer die Hoffnung gehabt, dass es jetzt demnächst besser wird." So fiel die bittere Bilanz aus, die Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" zur bisherigen Arbeit von Schwarz-Rot zog.

Zwar sei die Einigung auf die große Rentenreform "ganz gut" gelaufen, aber auch diese sei "nicht wasserdicht" gewesen, so Altmaier. Man habe nur angekündigt, dass man die Empfehlungen der Rentenkommission umsetzen werde - nicht, dass man sie "eins zu eins" umsetzen werde.

Jetzt würde Markus Söder sagen, dass man die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse nicht abschaffen dürfe. Andere CDU-Politiker würden fordern, dass die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren bleiben müsse.

SGS Stern Wiesel

Rente, Pflege und Steuern seien Themen, bei denen Union und SPD immer wieder aneinander geraten. Der "feste Wille, weiterhin zusammenzuarbeiten" sei jedoch da, so Anselm Stern.

08.10.2026 | 1:34 min

Altmaier: Zu viel gestritten, zu wenig beschlossen

Altmaier warf die Frage auf, ob wir eine Bundesregierung haben, die "alles richtig macht und nur falsch verstanden wird" oder ob es "tatsächlich Dinge gibt, die die Enttäuschung der Bürgerinnen und Bürger rechtfertigen". Er gab die Antwort selbst: "Ja, wir haben zu viel gestritten, wir haben zu wenig beschlossen, wir haben zu wenig Klarheit geschaffen, die mittel- und langfristig wirkt."

Nach anderthalb Jahren habe die Bundesregierung eine gute Gesundheitsreform und eine gute Pflegereform hingebracht, die aber nur ein oder zwei Jahre Beitragsstabilität garantieren würden. Dann seien wir "wieder ganz am Anfang". Altmaier sagte:

Das hält unser System auf Dauer nicht aus. Wir brauchen Klarheit, Planbarkeit.

Peter Altmaier, Ex-Kanzleramtschef

Bundeskanzler Friedrich Merz

Nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wächst der Druck auf die Koalition. Muss Schwarz-Rot den Kurs ändern und kann Friedrich Merz Kanzler bleiben?

21.09.2026 | 2:20 min

Krankenversicherung - was hat Merz gemeint?

Zuvor hatte Altmaier in einem ARD-Interview offene Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz geäußert: "Man würde auch in München oder in Augsburg keinen Elektriker oder keinen Klempner an die Arbeit lassen, ohne dass klar ist, dass er weiß, wie er sein Metier betreibt."

Bei "Lanz" legte er nach: Erfahrung spiele in der Politik eine wichtige Rolle, wie in jedem anderen Beruf auch. Sein Bundeskanzler habe nach der Wahl in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern erklärt, dass man über das Verhältnis zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung reden müsse.

Nun werde Altmaier immer wieder gefragt, was damit gemeint gewesen sei: "Ich bin nicht imstande, diese Fragen zu beantworten, weil ich es selbst nicht weiß. Vermutlich weiß es halt auch meine Regierung noch nicht." Altmaier zeigte sich ernüchtert:

Das ist das Problem, dass wir die Entscheidungen, die notwendig sind, nicht in dem Maße und in der Geschwindigkeit treffen, wie sie eigentlich geboten wären.

Peter Altmaier, Ex-Kanzleramtschef

Friedrich Merz nimmt am 22. September 2026 an einer Sitzung der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag in Berlin teil.

Friedrich Merz muss nach den Wahlen nun demonstrieren, dass sich "etwas ändert" - ohne dass die Koalition zerreißt. Seine Fraktion darf ihm ebenfalls nicht um die Ohren fliegen.

23.09.2026 | 2:42 min

Altmaier: Alle roten Lampen blinken

Der ehemalige Kanzleramtschef unter Angela Merkel ging noch weiter: Deutschland würde sich inzwischen in einer "Staatskrise" befinden. Das Parteiensystem, dem wir 75 Jahre Stabilität und Wohlstand zu verdanken hätten, sei "am Wanken":

Die Verluste der etablierten Parteien, der demokratischen Parteien der Mitte, kommen fast ausschließlich der Linken und der AfD zugute.

Peter Altmaier, Ex-Kanzleramtschef

Das könne, so Altmaier, für die Stabilität unseres politischen Systems nichts Gutes bedeuten: "Es blinken alle roten Lampen."

Schaltgespräch zwischen Christoph Wiesel-Lancé und Thorsen Faas

Hauptzweck der Brandmauer sei, dass die AfD nicht in ein „wichtiges politisches Amt“ komme. Heute sei sie „sehr, sehr löchrig geworden“, sagt Politikwissenschaftler Thorsten Faas.

07.10.2026 | 4:10 min

Ist das Zusammenschmelzen der Mitte vorbei?

In der aktuellen Sonntagsfrage des ZDF-Politbarometers steht die Union bei 21 Prozent. Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sei dieses bundesweite Umfragetief "ganz logisch", erklärte Altmaier.

Die CDU sei in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr in den Landtag gekommen, weil sie unter fünf Prozent der Stimmen erhalten habe. Die AfD habe in Sachsen-Anhalt hingegen über 40 Prozent der Stimmen bekommen, so der CDU-Politiker.

Das Ergebnis sei natürlich, "dass sich nun Leute ein Herz fassen, die noch gezögert haben, ob sie AfD wählen sollen, und dass andere Leute, die uns bisher immer noch treu geblieben sind, sich überlegen, ob sie uns weiter wählen sollen".

Altmaier sagte: "Ich warne davor, zu glauben, dass mit diesen drei Landtagswahlen das Thema Meltdown, also das Zusammenschmelzen der Mitte, vorbei und zu Ende ist."

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Über dieses Thema berichtete Markus Lanz am 09.10.2026 ab 23:20 Uhr.

Mehr zu Schwarz-Rot

  1. Pressekonferenz mit Ministerpräsident von Bayern Markus Söder (CSU), Bundeskanzler Friedrich Merz / CDU, SPD Vorsitzende Baerbel Bas und SPD Vorsitzender Lars Klingbeil zu den Ergebnissen der Beratungen des Koalitionsausschusses
    Analyse

    Schwarz-Rot in der Krise?:Diese drei Punkte belasten die Koalition - ziemlich sogar

    von Dominik Rzepka
    mit Video0:28

  2. V.l.: Alexander Dobrindt (CSU), Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundeskanzler Friedrich Merz

    Nach Treffen im Kanzleramt:Koalition für zügige Reformen und gegen Extremismus

    mit Video0:28

  3. Merz und Klingbeil bei der 60. Sitzung des Bundeskabinetts.
    Exklusiv

  4. Friedrich Merz
    Interview

    Wahlforscher ordnet ein:Warum Friedrich Merz ein Vertrauensproblem hat

    von Julian Vulturius
    mit Video6:32