Ex-Kanzleramtschef bei "Lanz":Altmaier über Schwarz-Rot: Pleiten, Pech und Pannen
von Felix Rappsilber
Die Bundesregierung habe zu viel gestritten und zu wenig beschlossen, sagt Peter Altmaier bei "Markus Lanz". Der Ex-Kanzleramtschef teilt auch gegen Friedrich Merz aus.
Zu den Spionagevorwürfen gegen Ex-BND-Chef Hanning, zur Wirtschaftslage, zum Zustand der Regierungskoalition sowie zu den Ursachen für die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands.
09.10.2026 | 76:10 min"Seit anderthalb Jahren haben wir erlebt, dass sich Pleiten, Pech und Pannen aneinandergereiht haben und wir haben immer die Hoffnung gehabt, dass es jetzt demnächst besser wird." So fiel die bittere Bilanz aus, die Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" zur bisherigen Arbeit von Schwarz-Rot zog.
Zwar sei die Einigung auf die große Rentenreform "ganz gut" gelaufen, aber auch diese sei "nicht wasserdicht" gewesen, so Altmaier. Man habe nur angekündigt, dass man die Empfehlungen der Rentenkommission umsetzen werde - nicht, dass man sie "eins zu eins" umsetzen werde.
Jetzt würde Markus Söder sagen, dass man die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse nicht abschaffen dürfe. Andere CDU-Politiker würden fordern, dass die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren bleiben müsse.
Rente, Pflege und Steuern seien Themen, bei denen Union und SPD immer wieder aneinander geraten. Der "feste Wille, weiterhin zusammenzuarbeiten" sei jedoch da, so Anselm Stern.
08.10.2026 | 1:34 minAltmaier: Zu viel gestritten, zu wenig beschlossen
Altmaier warf die Frage auf, ob wir eine Bundesregierung haben, die "alles richtig macht und nur falsch verstanden wird" oder ob es "tatsächlich Dinge gibt, die die Enttäuschung der Bürgerinnen und Bürger rechtfertigen". Er gab die Antwort selbst: "Ja, wir haben zu viel gestritten, wir haben zu wenig beschlossen, wir haben zu wenig Klarheit geschaffen, die mittel- und langfristig wirkt."
Nach anderthalb Jahren habe die Bundesregierung eine gute Gesundheitsreform und eine gute Pflegereform hingebracht, die aber nur ein oder zwei Jahre Beitragsstabilität garantieren würden. Dann seien wir "wieder ganz am Anfang". Altmaier sagte:
Das hält unser System auf Dauer nicht aus. Wir brauchen Klarheit, Planbarkeit.
Peter Altmaier, Ex-Kanzleramtschef
Nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wächst der Druck auf die Koalition. Muss Schwarz-Rot den Kurs ändern und kann Friedrich Merz Kanzler bleiben?
21.09.2026 | 2:20 minKrankenversicherung - was hat Merz gemeint?
Zuvor hatte Altmaier in einem ARD-Interview offene Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz geäußert: "Man würde auch in München oder in Augsburg keinen Elektriker oder keinen Klempner an die Arbeit lassen, ohne dass klar ist, dass er weiß, wie er sein Metier betreibt."
Bei "Lanz" legte er nach: Erfahrung spiele in der Politik eine wichtige Rolle, wie in jedem anderen Beruf auch. Sein Bundeskanzler habe nach der Wahl in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern erklärt, dass man über das Verhältnis zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung reden müsse.
Nun werde Altmaier immer wieder gefragt, was damit gemeint gewesen sei: "Ich bin nicht imstande, diese Fragen zu beantworten, weil ich es selbst nicht weiß. Vermutlich weiß es halt auch meine Regierung noch nicht." Altmaier zeigte sich ernüchtert:
Das ist das Problem, dass wir die Entscheidungen, die notwendig sind, nicht in dem Maße und in der Geschwindigkeit treffen, wie sie eigentlich geboten wären.
Peter Altmaier, Ex-Kanzleramtschef
Friedrich Merz muss nach den Wahlen nun demonstrieren, dass sich "etwas ändert" - ohne dass die Koalition zerreißt. Seine Fraktion darf ihm ebenfalls nicht um die Ohren fliegen.
23.09.2026 | 2:42 minAltmaier: Alle roten Lampen blinken
Der ehemalige Kanzleramtschef unter Angela Merkel ging noch weiter: Deutschland würde sich inzwischen in einer "Staatskrise" befinden. Das Parteiensystem, dem wir 75 Jahre Stabilität und Wohlstand zu verdanken hätten, sei "am Wanken":
Die Verluste der etablierten Parteien, der demokratischen Parteien der Mitte, kommen fast ausschließlich der Linken und der AfD zugute.
Peter Altmaier, Ex-Kanzleramtschef
Das könne, so Altmaier, für die Stabilität unseres politischen Systems nichts Gutes bedeuten: "Es blinken alle roten Lampen."
Hauptzweck der Brandmauer sei, dass die AfD nicht in ein „wichtiges politisches Amt“ komme. Heute sei sie „sehr, sehr löchrig geworden“, sagt Politikwissenschaftler Thorsten Faas.
07.10.2026 | 4:10 minIst das Zusammenschmelzen der Mitte vorbei?
In der aktuellen Sonntagsfrage des ZDF-Politbarometers steht die Union bei 21 Prozent. Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sei dieses bundesweite Umfragetief "ganz logisch", erklärte Altmaier.
Die CDU sei in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr in den Landtag gekommen, weil sie unter fünf Prozent der Stimmen erhalten habe. Die AfD habe in Sachsen-Anhalt hingegen über 40 Prozent der Stimmen bekommen, so der CDU-Politiker.
Das Ergebnis sei natürlich, "dass sich nun Leute ein Herz fassen, die noch gezögert haben, ob sie AfD wählen sollen, und dass andere Leute, die uns bisher immer noch treu geblieben sind, sich überlegen, ob sie uns weiter wählen sollen".
Altmaier sagte: "Ich warne davor, zu glauben, dass mit diesen drei Landtagswahlen das Thema Meltdown, also das Zusammenschmelzen der Mitte, vorbei und zu Ende ist."
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