Zum Rücktritt des Unions-Fraktionschefs:Spahn ist an sich selbst gescheitert
von Bettina Schausten, ZDF-Chefredakteurin
Jens Spahn hat mit seinem Rückzug weiteres Gezerre von der Partei abgewendet. Dass er gescheitert ist, hat er sich selbst zuzuschreiben. Er hat seine Macht überschätzt.
Jens Spahn hat " die Sache selbst in den Sand gesetzt", findet ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten.
Quelle: dpaKein Ausweg: Der Vorwurf der Doppelmoral zu naheliegend, der Eindruck, der Privatmann nehme für sich in Anspruch, was seine Partei anderen verwehrt, erdrückend.
Das musste Jens Spahn einsehen, der zunächst noch versuchte, auf Zeit zu spielen. Gut, dass er sich und seiner Partei ein unwürdiges weiteres Gezerre nun erspart hat und der Aufforderung des Kanzlers zügig nachgekommen ist, das Feld zu räumen.
Nach der Debatte um die Leihmutterschaft hat Unionsfraktionschef Spahn seinen Rücktritt bekannt gegeben. Bundeskanzler Merz hatte ihn zuvor zu diesem Schritt aufgefordert.
18.07.2026 | 2:37 minSpahn wäre nicht Spahn, wenn er das nicht noch mit einem eigenen Narrativ verbunden hätte. Nämlich der Deutung, dass sein persönliches Glück mit seinem politischen Amt nicht vereinbar sei. Das klingt nach hehrem Verzicht, stimmt aber nicht. Denn Jens Spahn wird sich eingestehen müssen, dass er selbst die Sache in den Sand gesetzt hat.
In seiner politischen Laufbahn stand Jens Spahn immer wieder in der Kritik: Ob Maskenaffäre, Villenkauf oder die Teilnahme an Treffen des Netzwerks von Millardär Thiel.
18.07.2026 | 2:35 minEr hätte frühzeitig Partei und Kanzler über die Entscheidung informieren können, eine Leihmutter in den USA in Anspruch zu nehmen, er hätte sogar die Chance gehabt, die Union zur erneuten Auseinandersetzung mit einem ethisch hochsensiblen Thema zu zwingen. Seine Glaubwürdigkeit und die seiner Partei wären gestärkt worden.
Das alles tat er nicht, sondern scheute das Risiko, auch das für seine Wiederwahl zum Fraktionsvorsitz. Offenbar hielt sich Jens Spahn für so machtvoll, dass er glaubte, mit einer süßlichen Homestory Öffentlichkeit und Parteifreunde milde zu stimmen.
Mit dem Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn ist einer der mächtigsten Politiker in der CDU zurückgetreten. Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte mit einer Einordnung.
18.07.2026 | 2:38 minDer Taktiker Spahn hat falsch getickt und sich überschätzt. Er ist nicht an den politischen Umständen, nicht an Hardlinern seiner Partei, sondern an sich selbst gescheitert.
Bundeskanzler Merz muss nach Spahns Rückzug nun den Neustart versuchen für seine ungeliebte Regierung. Darin liegt zumindest eine Chance. Und ist außerdem einen los, der nie ein Hehl daraus machte, sich selbst für kanzlertauglich zu halten.
Seit Neuestem ist Jens Spahn Familienvater und wird seinem kleinen Sohn zusammen mit seinem Mann ein liebevolles Elternhaus bieten. Und das ist auch gut so.
Bettina Schausten ist Chefredakteurin des ZDF.
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