Nach Kritik und Rücktrittsforderungen:Spahn verteidigt Leihmutterschaft: "Lange mit mir gerungen"
Unionsfraktionschef Jens Spahn verteidigt erstmals seine Entscheidung für eine Leihmutterschaft in den USA. Über seine politische Zukunft will er mit der Fraktion beraten.
Jens Spahn gerät wegen einer Leihmutterschaft in den USA politisch unter Druck. Die Opposition wirft ihm Doppelstandards vor, aus der eigenen Partei werden Rücktrittsforderungen laut.
17.07.2026 | 1:48 minCDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn hat nach anhaltender Kritik auch aus der eigenen Partei seine Entscheidung, ein Kind von einer Leihmutter in den USA austragen zu lassen, verteidigt. "Ich stelle mich der Debatte", sagte er laut am Freitag von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Auszügen aus einem Interview mit dem stellvertretenden Bild-Chefredakteur Paul Ronzheimer.
Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen.
Jens Spahn, CDU/CSU-Fraktionschef
Aber über dieses Ringen hätten er und sein Mann Daniel Funke, der der biologische Vater ist, sich für diesen Weg entschieden. Manchmal gebe es kein Schwarz und Weiß und keine einfachen Entscheidungen, erläuterte der CDU-Politiker. Er kenne es "als Christ", dass "das eine die reine Lehre ist und das andere das echte Leben". Es seien "keine einfachen Entscheidungen" gewesen.
Union-Fraktionschef Jens Spahn ist dank einer Leihmutter in den USA Vater geworden. Nun gibt es aus der eigenen Partei Rücktrittsforderungen. Die CDU lehnt Leihmutterschaften strikt ab.
17.07.2026 | 2:01 minWas sagt Spahn zu einem möglichen Rücktritt?
Spahn betonte, dass in Deutschland die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung verboten seien. "Eltern werden oder Leihmutter sein steht nicht unter Strafe." Über seine politische Zukunft als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte Spahn:
Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen.
Jens Spahn, CDU/CSU-Fraktionschef
Über einen Rücktritt, wie ihn manche auch aus seiner eigenen Partei gefordert hätten, könne nur die Fraktion entscheiden. "Ich werde mit meiner Fraktion darüber reden und das in ihre Verantwortung - wo es ja auch hingehört, der Vorsitzende der Fraktion - auch legen."
Die CDU hatte erst Anfang des Jahres auf ihrem Parteitag einen Beschluss gefasst, in dem Leihmutterschaft weiterhin abgelehnt wird. Zu diesem Zeitpunkt war die Leihmutter laut Spahn bereits schwanger. Im "Bild"-Podcast räumte er ein, sich zu ärgern, dass er sich damals nicht geäußert habe: "Ich hätte es tun sollen." Er sei aber "noch nicht so weit" gewesen - nun wolle er sich der Debatte stellen.
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Zum Vorwurf der Doppelmoral sagte Spahn, er könne das einerseits nachvollziehen. Es beschäftige ihn aber, "wie sich die Debatte in der Wortwahl entwickelt hat", ergänzte er, ohne auf konkrete Formulierungen Bezug zu nehmen. Spahn steht seit dem Bekanntwerden seiner Vaterschaft in der Kritik in der eigenen Partei; aus dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern gab es eine Rücktrittsforderung.
Spahn hatte in den vergangenen Tagen öffentlich gemacht, dass eine Leihmutter in den USA ein Kind für ihn und seinen Mann ausgetragen hat. Die CDU hatte sich aber auf ihrem Bundesparteitag im Februar in Stuttgart ausdrücklich gegen Leihmutterschaften ausgesprochen. Kanzler Friedrich Merz betonte, dass es bei dem in Deutschland bestehenden Verbot der Leihmutterschaft bleiben werde.
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